Wildbienen-Aktionstag in Wechold

Referent kritisiert Insektenhotels

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Die Referenten (von links) Siegried Tank-Bodermann, Manfred Radtke und Gitta Stahl.

Wechold - Von Uwe Campe. Bereits zum zweiten Mal bot der 2015 gegründete Naturschutzverein Weseraue, der sich aktuell vornehmlich für die Belange des Naturschutzes in der Gemeinde Hilgermissen starkmacht, am Wochenende einen Aktionstag zu bedrohten heimischen Tierarten an. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, für die das Wecholder Heimathaus eine passende Lokalität bot, standen Mauersegler und Wildbienen. Der Verein hatte aus diesem Anlass drei kompetente Referenten aus der Region eingeladen.

Über die Mauersegler

Zunächst berichtete Siegrid Tank-Bodermann aus Estorf, die innerhalb des Nabu-Nienburg die Schutzbemühungen für den Mauersegler koordiniert, über ihre Arbeit. Wesentliche Eckpfeiler sind dabei Bestandserfassung und Kartierung, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Sicherung bestehender beziehungsweise die Förderung der Errichtung neuer Brutplätze. Mauersegler nisten bei uns fast ausschließlich an Gebäuden, meist in Hohlräumen unter dem Dach, erklärt sie.

Wie die Referentin betonte, gibt es auch in der Gemeinde Hilgermissen Brutvorkommen, die sich in Eitzendorf, Magelsen und seit Neuestem vielleicht auch wieder in Wechold befinden. In einem sehr informativen Film konnten die Besucher anschließend eindrucksvolle Einblicke in das Leben dieser hoch spezialisierten Vögel gewinnen.

Mauersegler erscheinen bei uns in der Regel Anfang Mai und ziehen bereits Ende Juli wieder zurück in die afrikanischen Überwinterungsgebiete. Sie stellen laut Tank-Bodermann besonders für viele Stadtbewohner das Sinnbild des Sommers schlechthin dar. Die Vögel sind wahre Flugakrobaten und verbringen fast ihr gesamtes Leben fliegend – nur für die kurze Phase des Brutgeschäfts nicht.

Tank-Bodermann führte eindrucksvoll vor Augen, dass im Zuge von Gebäudesanierungen immer wieder Brutplätze verloren gehen. Dort versuchen die Naturschutzorganisationen helfend einzugreifen, wobei besonders die Anbringung künstlicher Nistkästen ein probates Mittel darstellt.

Über die Wildbienen

Im zweiten Vortrag ging Manfred Radtke, Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Bereich Rotenburg (Wümme), näher auf die Gefährdung heimischer Wildbienen ein. In Deutschland gibt es etwa 560 Wildbienenarten, davon rund 360 in Niedersachsen. Anders als Honigbienen leben fast alle Wildbienen, außer den Hummeln, als Einzelgänger. Wildbienen bilden wichtige Bestandteile der jeweiligen Ökosysteme, da sie unsere Pflanzen bestäuben.

In seinem sehr anschaulich bebilderten Vortrag machte Manfred Radtke deutlich, dass viele Arten in Deutschland durch die Zerstörung wichtiger Lebensräume und die industrielle Landwirtschaft bedroht und an den Rand des Aussterbens gebracht worden sind.

Einen breiten Raum nahmen im weiteren Vortrag die Nist- und Bruthilfen für Wildbienen ein. Dabei sparte der Referent nicht mit Kritik an den im Handel erhältlichen sogenannten Insektenhotels und nahm dabei auch die vom eigenen Verband vertriebenen nicht aus. Da diese durchgehend nicht den tatsächlichen Ansprüchen der meisten Arten genügen, stellte er eine Reihe brauchbarer, einfach und kostengünstig herstellbarer Alternativen vor.

Über das Gärtnern

Den Schlussvortrag hielt Gitta Stahl, Landschaftsplanerin aus Blender (Landkreis Verden), die schwerpunktmäßig auf wildbienenfreundliches Gärtnern einging. Dabei zeigte sie anhand vieler Beispiele, wie etwa durch die Auswahl geeigneter Pflanzen oder die Zurverfügungstellung von Bruthilfen die Ansiedlung dieser wichtigen Insekten gefördert werden kann.

Der Aktionstag bot zudem die Möglichkeit, sich an verschiedenen Ständen beraten zu lassen und mit Informationsmaterial zu versorgen. Ebenso konnten die Besucher geeignete Gewächse und günstiges, von der Gemeinde Hilgermissen bezuschusstes Saatgut für ein- und mehrjährige bienenfreundliche Pflanzen erwerben.

Dr. Arne Röhrs, Vorsitzender des Naturschutzvereins Weseraue, zeigte sich mit dem Verlauf der Veranstaltung mehr als zufrieden und freute sich besonders über die guten Besucherzahlen und die positive Resonanz. Treffend drückte es eine Besucherin aus: „Gern mehr davon!“

Quelle: kreiszeitung.de

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