Perspektiven für Bad Rehburg

Leerstand im Ortsmittelpunkt wird neu belebt

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Tür an Tür: beim Blick aus einem der Fenster des Sanatoriums wird die Nähe zur „Grünen Villa“ des Ehepaars Kade klar.

Bad Rehburg - Von Beate Ney-Janßen. Petra und Ralf Kade leben gerne auf dem Land – genauer gesagt in Rehburg-Loccums kleinstem Ortsteil Bad Rehburg. Dort wollen sie nun ein größeres Bauprojekt beginnen, das sie für sich unter das Motto „Leben und arbeiten im Sanatorium“ gestellt haben. Den Trend der Landflucht können sie nicht nachvollziehen.

Rund acht Jahre sind vergangen, seit das Ehepaar Kade sich in die „Grüne Villa“ in Bad Rehburg verliebte. Das Haus mit Jugendstil- und Art Deco-Elementen stand zum Verkauf und die beiden wagten einen Neuanfang. Hatten sie vorher in Düsseldorf gelebt, so zog es sie nun in die tiefste Provinz – die sie gar nicht so provinziell finden. Natürlich ist es so, dass Einkaufsmöglichkeiten in Bad Rehburg selbst von „gering“ bis zu „nicht vorhanden“ differieren“ und dass manche Infrastruktur zumindest auf den ersten Blick zu wünschen übrig lässt. 

Das, meinen die beiden, wiege aber nicht die zahlreichen Vorteile auf. Ralf Kade ist überzeugt davon, dass einfach nur mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse, bis ein größerer Kreis erkenne, dass Rehburg-Loccum mit seiner rund 40 Kilometer weiten Entfernung zu Hannover doch praktisch zum Speckgürtel der Landeshauptstadt gehöre.

Bauantrag ist eingereicht

Das Ehepaar zog also in seine Villa ein und führte auch seinen Betrieb – einen Onlinehandel mit Naturkosmetik-Produkten – direkt aus der Villa heraus. Das wurde ihnen allerdings irgendwann etwas zu eng, so dass sie sich nach anderen Lösungen umsahen – und diese direkt auf dem Nachbargrundstück vorfanden. Denn dort, quasi Tür an Tür, steht das ehemalige „Sanatorium“. Das denkmalgeschützte Gebäude stand zum Verkauf und bot nicht nur viel Platz, sondern auch vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. 2015 wurde der Kaufvertrag perfekt.

Gemeinsam mit Architektin Maria Mevenkamp haben Petra und Ralf Kade mittlerweile den Bauantrag eingereicht, haben mit der Denkmalschutzbehörde Gespräche geführt und beginnen nun mit den ersten Baumaßnahmen. Bis alles fertig sei, sagt Ralf Kade, rechne er schon mit fünf bis sechs Jahren. Bei einem alten Bau müsse man schließlich realistisch sein – sie wüssten noch nicht, was sie an manchen Stellen erwarte. Das bedeute aber nicht, dass manche Teile nicht schon früher genutzt würden. Noch in 2019 rechnen beide mit der Eröffnung eines ersten Teils.

Große Pläne

Das ehemalige Sanatorium Bad Rehburgs will Petra Kade umbauen – in wenigen Tagen beginnen die Bauarbeiten.

Der erste Bauabschnitt bezieht sich auf das Arbeiten im Sanatorium. Was jetzt noch in der grünen Villa gearbeitet wird, soll dann in das Sanatorium umziehen. Dafür werden zunächst die Räume für den Versandhandel umgebaut – ebenso wie die für einen großen Verkaufsraum. Einen Werksverkauf im eigentlichen Sinne hätten sie nicht im Sinn, sagt Ralf Kade. Eher einen Verkaufsraum, der an einigen Tagen öffne und die breite Palette des Versandhandels den Menschen vor Ort direkt anbiete. Mit der Schaffung von zunächst zwei Arbeitsplätzen rechnet das Ehepaar. Mit wesentlich mehr Platz lässt sich eben wesentlich mehr erreichen. Das ist jedoch noch lange nicht alles. Das ehemalige Arzt-Haus, das ein Teil des Sanatoriums ist, soll zudem in diesem Stil als Haus ausgebaut werden. Das wird die erste Wohneinheit, die im Sanatorium entstehen soll. 

Einige kleinere Wohnungen sind zudem geplant, manche mit Anbindung an den Hinterhof, andere mit Ausrichtung zur Straße. In einem Teil könnten alternativ auch Büroräume entstehen, in einer weiteren Einheit soll – weil es so gut zu den angebotenen Naturkosmetika passt – ein Kosmetikstudio eingerichtet werden. Andere Bereiche sind bislang noch völlig unbeplant, wie etwa das ehemalige Badehaus im Untergeschoss. Dort, erzählt Ralf Kade, habe es früher auch eine Leichenhalle und einen Seziertisch gegeben, wie er in alten Plänen entdeckt habe. Es war eben ein Sanatorium. Vermutlich müsse auch die nächste Nutzung sehr speziell sein.

Die Pläne des Ehepaars sind also groß und die Vorarbeiten weit gediehen. Ihnen beiden macht es Spaß, in dem Dorf, in dem sie leben, manche Dinge wieder in Gang zu bringen und darüber auch die Lebensart zu hegen und zu pflegen, bei der auf dem Land „die Uhren noch langsamer gehen“, wie Ralf Kade es ausdrückt. Den Charme des Lebens auf dem Land im Speckgürtel von Hannover versucht er auch anderen schmackhaft zu machen und lässt sich in seinem Tatendrang, dieses vorzuleben, nicht bremsen.

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