Opfer hat detaillierte Erinnerungen

Rehburg-Loccum: Falsche Beamte vor Gericht

Rehburg-Loccum - Von Wiebke Bruns. Ein heute 80 Jahre alter Mann soll im Herbst 2016 in seinem Haus in Winzlar binnen 14 Tagen zweimal Opfer von Straftaten geworden sein. Als ein Polizeibeamter am 7. Oktober 2016 den Rentner zu Hause aufsuchen und zu der ersten Tat befragen wollte, kamen gerade zwei Personen aus dem Haus.

Was der damals 78-Jährige ihm direkt danach schilderte, stufte der Beamte als Raub ein und veranlasste sofort eine Fahndung nach den Tätern. Auf Raub lautet auch der Anklagevorwurf in dem gestern gestarteten Prozess am Landgericht Verden.

Verantworten müssen sich eine 55 Jahre alte Angeklagte aus der Wedemark und ein 47 Jahre alter Angeklagter aus Rahden. Dessen derzeitiger Wohnsitz ist jedoch die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne. Als Freigänger kam der Mann mit seinem Verteidiger nach Verden.

Als der Polizeibeamte damals beim Haus des Opfers ankam, sollen sich die Frau und der Mann schnellen Schrittes zu einem Auto mit einer dritten Person begeben haben. „Ich hatte die Befürchtung, es seien Trickbetrüger oder dergleichen“, berichtete der Beamte aus Stolzenau gestern im Zeugenstand. 

Das Opfer habe ihm dann erzählt, dass sich die Beiden als Mitarbeiter des Versorgungsamtes ausgegeben und das Haus durchsucht hätten. „Ich habe sofort meine Kollegen angerufen und eine Fahndung eingeleitet“, erinnerte sich der 55-Jährige. Diese führte schnell zum Erfolg und zumindest kurzzeitigen Festnahmen der Angeklagten. Der Rentner habe ihm damals von Gewalt berichtet. 

Laut Anklageschrift hielt das Opfer den Schlüssel zur Schlafzimmertür in der Hand. Diese sei ihm gewaltsam von den Angeklagten aufgebogen worden. Aus einer zwischen der Wäsche versteckten Blechdose wurden laut Anklage 100 Euro erbeutet.

Wichtigster Zeuge ist das Opfer, der damals mit seinem behinderten Sohn in dem Haus wohnte. Mittlerweile lebt der Mann in einem Pflegeheim und die Verteidiger zitierten aus einem Gutachten, das im Rahmen der Betreuung erstellt worden war. Von einer mittelgradigen Demenz und anderen Erkrankungen wurde darin berichtet, doch von wegen keine Erinnerung: Der 80-Jährige schilderte alles recht ausführlich.

Bei der Höhe des geraubten Geldes musste er passen. „Wir wollten einkaufen, ging aber nicht, weil wir kein Geld hatten. Samstag und Sonntag hatten wir nichts“, so der Mann. Tatsächlich hatte sich die Tat an einem Freitag ereignet. Bei der vorherigen Tat, 14 Tage zuvor, sei jemand von hinten ins Haus gekommen und habe sein auf dem Küchentisch liegendes Portemonnaie gestohlen, berichtete der Zeuge.

Der Prozess wird am 11. Dezember fortgesetzt. Ob dann schon ein Urteil verkündet wird, bleibt abzuwarten.

Rubriklistenbild: © dpa

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