Untersuchungen der Düsselburg

Neue Erkenntnisse über Rehburgs älteste Besiedelung

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Froh über neue Erkenntnisse zur Düsselburg (v.l.): Fritz Mackeben, Tobias Scholz, Jens Berthold und Ronald Reimann.

Rehburg - Mehr als 100 Jahre hat sich niemand ernsthaft für die Überreste der Düsselburg bei Rehburg interessiert. Nun haben einige Archäologen die ehemalige Ringwallanlage etwas genauer unter die Lupe genommen.

Rehburgs Düsselburger Straße immer geradeaus fahren, das Ortsausgangsschild um einiges hinter sich und sich nicht beirren lassen – dann folgt irgendwann ein Hinweisschild zur Ringwallanlage Düsselburg. 800 Meter sind es noch, bis vor einem Straßenknick der Blick auf zwei steinerne Tische, einige Bänke und eine verwitterte Hinweistafel fällt. Die Düsselburg soll dort einmal gestanden haben? Dort, wo eine Weide nun für Pferde abgezäunt ist?

Rings um diese Weide stehen Bäume auf leichten Erhöhungen. Das war früher einmal der Ringwall, der die Burg vor Feinden schützen sollte. Im hinteren Bereich sind noch Einschnitte ins Gelände zu erkennen. Das war Teil des Systems, mit dem die Bewohner einen überraschenden Einfall verhindern wollten – herauf und herunter und wieder herauf ist der Weg hinein beschwerlich.

Im Inneren des knapp 120 Meter im Durchschnitt messenden Rundes kommt eine Herde Rappen neugierig angaloppiert, holt sich Streicheleinheiten ab, als eine Besuchergruppe auf die Weide geht und zieht wieder ab. Die Pferde kennen das mit dem Besuch schon. Schließlich haben etliche Archäologie-Studenten aus Göttingen so manche Vermessung auf dem Gelände vorgenommen.

Enno Holzhausen hat das Gelände der Düsselburg gepachtet – und zeigt eine alte Fotografie, auf der der Baumgürtel den Ringwall markiert.

Fritz Mackeben, Vorsitzender des Rehburger Bürger- und Heimatvereins, habe ihn angesprochen, sagt Jens Berthold, der Kommunal-Archäologe für die Landkreise Schaumburg und Nienburg. Ob es nicht an der Zeit sei, den Geheimnissen der Düsselburg auf den Grund zu gehen. Weil seine rechte Hand Tobias Scholz noch Kapazitäten frei gehabt habe und die Düsselburg für ein Projekt mit Studierenden geeignet sein könnte, willigte Berthold ein. So konnten die Forschungen beginnen.

Eine gute Grundlage, so Scholz, hätten die Ergebnisse von 1904 geliefert. Damals sei das Gelände erstmals vermessen worden. Und es gab auch Grabungen. Rund 30 Kilogramm Scherben aus diversen Epochen seien damals geborgen worden – manche davon lagern nun im örtlichen Heimatmuseum, der überwiegende Teil in Hannovers Landesmuseum.

Hölzerne Palisade mit einem Wehrgang

Viele der Scherben wurden auf die vorrömische Eisenzeit, also rund 1000 Jahre vor Christus, datiert worden. Andere stammen aus dem neunten und zehnten Jahrhundert nach Christus, weitere sind nochmal 200 Jahre jünger. Den Namen trägt die Burg wegen der ersten Erwähnung dieses Fleckens – so wird das Gelände in einer Urkunde von 1207 genannt. Damals, meint Berthold, war sie als Burg schon längst passé.

Dass es die Düsselburg in dieser Funktion um 1200 nicht mehr gab – das wissen die Archäologen. Wann dort allerdings eine wehrhafte Anlage stand, wissen sie nicht. Die ältesten der Funde, die 1904 geborgen wurden, könnten auch von einer Siedlung stammen, die dort schon lange vor der Burg gewesen ist, sagen Berthold und Scholz. Eine gewisse Vorstellung davon, wie die Burg ausgesehen haben könnte, geben sie dennoch ab.

Rund 400 Meter Wehranlage ringsum sollen es gewesen sein, eine hölzerne Palisade mit einem Wehrgang. Der Eingang in die Burg habe sich gegenüber dem Platz befunden, an dem heute die Hinweistafel steht. Der Ort war klug gewählt, meint Scholz. Denn die Düsselburg habe sich auf einer Landzunge befunden – von drei Seiten durch den Schäfergraben und den Steinhuder Meerbach geschützt. Feinde hätten entweder mühsam Graben und Bach überqueren oder gut sichtbar am Wehrgang entlang gehen müssen.

Bei der Frage nach der Anzahl der Bewohner der Burg schüttelt Berthold nur den Kopf. Jede Zahl, die er nenne, könne nur falsch sein. Er gibt aber zu bedenken, dass 400 Meter Wehrgang nicht von einer Handvoll Soldaten hätten verteidigt werden können. Die Anlage lasse in ihrer Großzügigkeit auf eine adelige Familie schließen. Welche, liegt dann wieder völlig im Dunkeln.

Was die Archäologen nun untersucht haben, sind in erster Linie die geophysikalischen Daten der Anlage. „In den Boden hineinhören“, nennt Berthold das. Scholz zeigt zusätzlich eine Untersuchung zahlreicher Kernbohrungen, die im Inneren und auf dem Wall gemacht wurden. Die Scherben von damals sind ebenso unter die Lupe genommen worden. Viele der Ergebnisse von 1904 haben die Archäologen nun bestätigt.

Das ganze Dorf packt mit an

Um den Boden untersuchen zu können, haben vorher etliche Helfer zupacken müssen. Enno Holzhausen, der die Weide gepachtet hat, setzte einen Misthaufen um. Der Bürger- und Heimatverein rückte zu einem Arbeitseinsatz an, um Gestrüpp zu entfernen. Und Ronald Reimann, ehrenamtlich Beauftragter der Denkmalpflege, machte nähere Bekanntschaft mit den Pferden, als er zwei Tage lang mit dem Metall-Detektor den Boden absuchte. Er suchte die neuzeitlichen metallenen Hinterlassenschaften, um den Archäologen falsche Ergebnisse zu ersparen.

All diese Untersuchungen bestätigen nun manches, was bereits bekannt war, und fügen einige Details hinzu. Nicht zuletzt, sagt Berthold, wüssten sie nun, an welchen Stellen sich eines Tages Grabungen lohnen könnten. Solch ein Eingriff in den Boden ist jedoch in absehbarer Zeit noch nicht geplant. Dafür muss Berthold Zeit haben, müssen studentische Hilfskräfte zur Verfügung stehen – und auch Geld ist vonnöten.

Schon die jetzigen Untersuchungen, sagt Berthold, hätten lediglich realisiert werden können, weil viele Parteien zusammengearbeitet haben. Aber wenn auch die Erkenntnisse zur Düsselburg nur ein sehr unvollständiges Bild zu ihrer Geschichte abgeben, so stehe doch außer Frage, dass sie der vermutlich älteste besiedelte Fleck in der Umgebung Rehburgs war. Mit dem Bau der Reheburgk, die dem Ort seinen Namen gab, wurde erst Jahrhunderte später begonnen.  

ade

Quelle: kreiszeitung.de

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