Erfolg mit Teilzeitausbildung: Lea Schwarzer nutzt ihre zweite Chance

Richtig viel Stress

Voll zufrieden mit der Teilzeitausbildung: Lea Schwarzer (Mitte) arbeitet jetzt als Friseurin im Salon ihrer Ausbilderinnen Janine Schubert (l.) und Lisa Campbell.  J Foto: Jobcenter

Uchte - Bea bestimmt den Tagesablauf. Seit fast drei Jahren geht das schon so. In diesen Tagen feiert Bea ihren zweiten Geburtstag, und ihre Mutter Lea Schwarzer hat allen Grund, sich ebenfalls hochleben zu lassen.

Vor rund acht Wochen hat sie ihren Gesellenbrief bekommen. Trotz Schwangerschaft, trotz alleiniger Verantwortung für Ihre Tochter, trotz dreifacher Belastung.

Erziehung des Kindes, Berufsschule und Lehre hat sie gleichermaßen erfolgreich gemeistert, das teilt das Jobcenter im Landkreis Nienburg mit. „Teilzeitausbildung“ heißt das Erfolgsrezept.

„Gerade für Mütter ist das eine tolle Idee“, sagt Lea Schwarzer, die jetzt für „JaLi’s Friseursalon“ in Uchte arbeitet. Vor zwölf Jahren hat das Berufsbildungsgesetz Heranwachsenden mit familiären Verpflichtungen die Ausbildung erleichtert, indem ihnen ermöglicht wird, die betriebliche Lehrzeit zu verkürzen; jedenfalls wenn zu erwarten ist, dass die jungen Menschen ihre Gesellenprüfung trotzdem packen werden. Gerade junge Mütter seien auf dem Arbeitsmarkt immer wieder benachteiligt, vor allem als Alleinerziehende. 

„Das Thema steht bei uns im Fokus“

Aus diesem Grund engagiert sich das Jobcenter im Landkreis Nienburg für dieses Thema und ermöglichte Lea Schwarzer eine Ausbildung in Teilzeit. „Das Thema steht bei uns im Jobcenter mit im Fokus“, sagt Frank Köhring. Der Geschäftsführer des Jobcenters Nienburg erinnert daran, dass eine fehlende Lehre oder die Alleinverantwortung für Kinder gerade Frauen schnell zu Verlierern auf dem Arbeitsmarkt stempelte. Vor allem, wenn sich beide Faktoren paaren.

Köhring: „Lea Schwarzer beweist, dass Familiengründung und Berufseinstieg mit diesem Konzept gelingen können.“

So sehen das auch Janine Schubert und Lisa Campbell, die Schwarzer in der Praxis angelernt haben.

„Baby, Lernen, Arbeiten – das war für ein Jahr der Alltag von Lea, und den hat sie vorbildlich gemeistert“, sagt Campbell.

Immerhin musste Lea Schwarzer nur das dritte Lehrjahr in Teilzeit absolvieren, die komplette Lehre in Teilzeit wäre aber gesetzlich möglich.

„Ohne Bea hätte ich auch auf die Ausbildung verzichtet“, sagt die 21-Jährige, der unvorstellbar erschienen war, ihre Tochter den ganzen Tag über in fremde Obhut geben zu müssen. „Aber ich wollte ihr etwas bieten, und deswegen habe ich die Lehre für meine Tochter zu Ende gebracht. Aufgrund der Teilzeit hatten wir ja auch tagsüber noch etwas voneinander.“ Leas Chefin Nadine Schubert jedenfalls lobt die Einsatzbereitschaft ihrer Azubine: „Lea hat das ganze Wissen schnell aufgesogen und war sehr stark am Kunden. Wir haben schnell gemerkt, dass wir sie eher wie eine Kollegin einsetzen können, anstatt sie als Lehrkraft mitlaufen zu lassen.“

Familiäre Pflichten motivieren Azubis

So hatte der Gesetzgeber das Modell auch geplant, wie Frank Köhring sagt: „Durch Teilzeitausbildung sichern sich Arbeitgeber motivierte Auszubildende, die gerade wegen ihrer familiären Pflichten ein hohes Maß an sozialen und organisatorischen Kompetenzen sowie an Verantwortungsbewusstsein mitbringen.“ Alleine allerdings ist jeder Teilzeit-Lehrling nahezu chancenlos, das muss von vornherein klar sein.

Die Teilzeit ermöglicht zwar eine Verringerung der Lehrzeit im Betrieb, die Berufsschule läuft allerdings normal weiter. Schwarzer: „Ohne meine Schwester, meine Schwägerin und meine Mutter hätte ich beim besten Willen keine Chance gehabt, Bea eine gute Mutter zu sein und den Lernstoff zu schaffen.“ Initiiert und gefördert wurde diese Möglichkeit durch das Jobcenter Nienburg.

So erwies es sich außerdem für die Existenzsicherung als verlässlicher Partner. „Wie wir helfen können, entscheidet immer die konkrete Lebenssituation der Menschen, die Leistungen beziehen“, sagt Köhring.

Bea Schwarzer braucht eine Tagesmutter, die über die geförderte Ausbildung finanziert wird.

Damit ihre Mutter Lea wenigstens an einigen Tagen über ihre Zeit selbst bestimmen kann.

Quelle: kreiszeitung.de

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