Warten auf Abschuss von „Roddi“

Rodewalder Wolf: Landvolk beantragt Abschuss des Rudels

Landkreis Nienburg - Noch bis Donnerstag ist die Abschussgenehmigung für den Leitwolf des Rodewalder Rudels gültig. Bis Dienstagnachmittag gab es noch keine Meldung zur Tötung von „GW717m“, der von Tierschützern liebevoll „Roddi“ getauft wurde. Doch auch unabhängig davon, bleibt der Wolf in der Region ein Thema.

Das Landvolk etwa wartet seit fast zwei Wochen auf eine Antwort des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Wir fordern den Abschuss des gesamten „Rodewalder Rudels“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landvolk-Kreisverbandes Mittelweser. „Als deutschlandweit erster Berufsverband haben wir zum Schutz unserer Weidetierhalter beim NLWKN die Entnahme des kompletten Rudels beantragt, dessen Leitwolf GW717m ist“, berichtet das Landvolk Mittelweser.

Das Rudel, das mittlerweile aus mindestens sechs Tieren bestehe, habe sich auf die Jagd größerer Nutztiere von bis zu 400 Kilogramm spezialisiert. Dies zeige sich auch darin, dass seit November 2018 alle amtlich registrierten Angriffe des Rudels auf Rinder und Pferde erfolgt seien, berichtet das Landvolk. „Allein den Leitwolf zu entnehmen wird nichts bringen“, ist der Verband sich sicher. Die drei erwachsenen Wölfe hätten ihr Wissen bereits an die Jungwölfe und Welpen weitergegeben. Das Rudel werde genauso weitermachen. Außerdem sei fraglich, wie ein beauftragter Schütze GW717m einwandfrei identifizieren will.

Wolf: Auch Weibchen eine Gefahr 

Das Rudel habe sich auf große Tiere spezialisiert. In Heemsen und Sonnenborstel habe es in direkter Nähe von Wohnhäusern und Stallgebäuden Nutztiere gerissen. In Stöckse sei sogar in ein Stallgebäude eingedrungen worden, wo Kälber gerissen wurden. Aufgrund der Häufigkeit der Risse und der Jagd auf Herdentiere aus Weidehaltungen ist es nach Ansicht des Landvolk-Kreisverbandes absolut notwendig auch die beiden erwachsenen Weibchen, besser das ganze Rudel, zu entnehmen. Die gesetzlichen Anforderungen für eine Entnahme seien erfüllt. Es gebe erhebliche Schäden für die Weidetierhaltung.

Kleinere Schafhaltungsbetriebe hätten zum Teil bereits ihren Betrieb eingestellt. Da der Schutz durch die Herde nicht helfe, bleibe nichts anderes übrig, als eine schnelle Entnahme des Rudels. Außerdem sei die Gefahrenlage soweit fortgeschritten, dass man auch im Interesse der Gesundheit des Menschen und der öffentlichen Sicherheit einen weiteren Ausnahmetatbestand vorliegen habe. Die Entwicklung des Jagdverhaltens des Rodewalder Wolfsrudels zeige bei konsequenter Betrachtung, dass eine latente Gefahr für die Gesundheit des Menschen und auch der öffentlichen Sicherheit besteht.

Das Landvolk Mittelweser sieht die Entnahme dieses Rudels als keineswegs bestandsgefährdend für die Art an, wenn man die Entwicklung der Wolfspopulation in Niedersachsen in den vergangenen Jahren begutachtet, welche sich exponentiell vervielfacht hat. Es ist davon auszugehen, dass durch die beantragte Ausnahmeregelung der günstige Erhaltungszustand in keiner Weise behindert wird. Die dynamisch steigende Wolfspopulation in Deutschland sei dafür ein hinreichender Nachweis, heißt es.

Ausnahmen von Naturschutz gefordert

Auch die FDP im Niedersächsischen Landtag hat sich näher mit den Wölfen und der Landwirtschaft beschäftigt. Die Fraktion will Jägern künftig die Tötung von Wölfen mit problematischen Jagdverhalten ermöglichen. Einen entsprechenden Entwurf einer Wolfsverordnung werde seine Fraktion in dieser Woche in den Landtag einbringen, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Stefan Birkner am Montag in Hannover.

Das Papier der FDP sieht vor, dass in Niedersachsen für auffällige Wölfe eine Ausnahme vom Bundesnaturschutzgesetz gelten soll. Wölfe, die in eine umzäunte Weide eindringen oder eine Gefahr für Nutztierherden, Siedlungen und Höfe darstellen, können demnach von Jägern abgeschossen werden. „Das Bundesnaturschutzgesetz ermöglicht es den Landesregierungen, solche Ausnahmen mithilfe eine Ermächtigungsverordnung festzulegen“, sagte Birkner. Die Debatten über den als gefährlich geltenden Rodewalder Wolf hätten gezeigt, dass die Regelung sich nicht bewährt habe.

jom

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