Ronald Reimann sucht nach archäologischen Schätzen im Südkreis

Von römischen Münzen bis Lügenbaronen

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Ronald Reimann zeigt eines seiner Fundstücke: Das wahrscheinlich älteste christliche Metallobjekt, das bisher auf dem Haarberg, im vermuteten Dorf Münchhausen, gefunden wurde.

Rehburg - Von Julia Kreykenbohm. 8 Uhr morgens an einer Grabungsstelle im ehemaligen Römerlager Barkhausen (Porta Westfalica). Die Archäologen sitzen noch bei einer Tasse Kaffee zusammen. Ronald Reimann aus Hohnhorst ist ehrenamtlicher Beauftragter für die archäologische Denkmalpflege im Landkreis Schaumburg und aus Interesse angereist.

Er will sich an der Grabung beteiligen und so noch mehr dazulernen. Denn Reimann ist wohl das, was man als „Archäologe aus Leidenschaft“ bezeichnen kann. Jede freie Minute widmet der kaufmännische Angestellte seinem Steckenpferd.

Es ist recht kühl an diesem Morgen und er marschiert mit seinem Metalldektor los, um sich warm zu halten. Plötzlich entdeckt er etwas, was er im ersten Moment für einen Kronkorken hält. Als er es näher in Augenschein nimmt, erkennt er, dass es eine römische Münze ist. Geprägt im Jahr 42 vor Christus, zwei Jahre nach der Ermordung Cäsars. „Das war wirklich etwas Besonders“, sagt Reimann und strahlt. Seit den 90er-Jahren hat er sich der Archäologie verschrieben und weiß genau, dass solche Funde eher eine Ausnahme bilden. Nun ist der 50-Jährige auch ehrenamtlicher Beauftragter für die archäologische Denkmalpflege im Nienburger Südkreis und unterstützt den Kommunalarchäologen Dr. Jens Berthold.

Doch wie genau muss man sich sein Ehrenamt vorstellen? Zum einen arbeitet Reimann „auf Zuruf“. Wenn beispielsweise Berthold ihn bittet, bei einer Baustelle vorbeizuschauen, fährt er los. Denn Reimann hat die Erlaubnis, jede Baustelle zu betreten und dort nach eventuellen Fundstücken zu gucken, bevor vielleicht etwas versehentlich für immer zerstört wird, was erhalten werden sollte. Meist findet er Keramikscherben aus Epochen, wie der Steinzeit oder auch dem Mittelalter.

Für viele sehen sie aus wie Steine, doch Reimann erzählen sie Geschichten, ob sie in der Region hergestellt oder importiert wurden und in welcher Zeit. „Der Schatz ist hierbei nicht das Fundstück, sondern die Information, die es liefert“, sagt Reimann. Danach nimmt er die Objekte mit nach Hause, säubert sie, dokumentiert, wo er sie aufgelesen hat, und legt sie Berthold zur Prüfung vor.

Andererseits kann er auch auf eigene Faust forschen. Zunächst studiert er Karten unter dem Gesichtspunkt, wie die Region beispielsweise in der Steinzeit beschaffen war. „Die Fläche, auf der Rehburg erbaut wurde, lag vor 5 000 Jahren am Grund des Steinhuder Meeres“, erzählt er. Da Menschen immer am Ufer von Gewässern siedelten, sucht Reimann die ehemaligen Grenzen des Meeres nach Spuren seiner damaligen Bewohner ab. Und ist schon fündig geworden. Reimann zeigt Feuersteine, das Werkzeug und „den Stahl der Steinzeit-Menschen“. „Die Klingen, die daraus gefertigt werden, sind teilweise heute noch scharf“, sagt der 50-Jährige. Und sie hätten noch einen Vorteil: Sie sind keimfrei, weswegen mit ihnen auch Menschen operiert werden konnten.

Eine zähe Arbeit

Hat Reimann sich eine Stelle ausgeguckt, wandert er dorthin, schaut sich um, stochert in der Erde, denn richtig tief graben darf er nicht, klopft mit der Kelle das ab, was auf dem Boden liegt, um am Klang zu erkennen, ob es ein Stein ist. Eine zähe Arbeit, die meist wenig Ertrag bringt. „Man muss sich zehnmal bücken, um einmal etwas zu finden“, sagt Reimann. Liegen die Stellen auf dem Grundstück von Landwirten, sucht er das Gespräch. „Zu 90 Prozent sind die Leute aufgeschlossen und einverstanden, dass ich mich umschaue. Ich habe auch immer Keramik in der Tasche, um ihnen zu zeigen, wonach ich suche.“ Hat Reimann den Eindruck, dass ein archäologisches Denkmal gefährdet ist, gibt er der Unteren Denkmalschutzbehörde einen Hinweis. „Ich bin im Grunde nur Beobachter und habe keine Befugnisse.“

Reimann liegt es sehr am Herzen, den Menschen in der Region bewusst zu machen, welche Schätze sich teilweise unter ihren Füßen verbergen, und ihnen die Augen für die Besonderheiten ihrer Heimat zu öffnen. Aus diesem Grund regt er auch an, Info-Tafeln aufzustellen, und überlegt, wie man Geschichte anschaulicher darstellen könnte.

Und welchen Projekten möchte er sich als nächstes widmen? „Die Burg Neuhaus bei Liebenau“, erklärt Reimann. Auch der Haarberg, auf dem das Dorf Münchhausen vermutet wird, das wiederm als Stammsitz des Adelsgeschlechts Münchhausen gehandelt wird, steht weiterhin auf seiner Liste. Diesem soll auch der berühmte Lügenbaron entstammen. Aber auch das Gräberfeld in Liebenau interessiert ihn. „Ich möchte herausfinden, wo die Menschen lebten, die dort ihre Angehörigen bestattet haben.“

Quelle: kreiszeitung.de

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