Anlage stellt Stroh-Pellets her

Die „rollende Supermaschine“

Edwin Kraus (Zweiter von links) mit den Gastgebern und geladenen Gästen eines Empfangs, der am Freitag anlässlich der Vorstellung des Films „Power to change“ im Hoyaer Kino stattfand. - Foto: hfr

Hoya - Von Horst Friedrichs. Edwin „Edy“ Kraus weiß, wovon er spricht. Darauf verließ sich Regisseur Carl-A. Fechner, als er Edy Kraus einfach reden ließ, ohne Drehbuch und ohne vorgefertigten Text. Denn Kraus, ehemaliger Inhaber einer Haustechnikfirma, hatte die Idee für den Film „Power to change – die Energierebellion“. Der Streifen war am Freitagabend im Filmhof in Hoya zu sehen. Dort, im Kino, erlebten die Zuschauer die Geschichten von Menschen wie Edy Kraus, die ihre ganz besonderen Ideen zur Energiewende in die Tat umgesetzt haben.

Eine fahrbare Pelletieranlage – das war die Idee des Haustechnikers Kraus vor acht Jahren in seinem süddeutschen Heimatort Kirchberg an der Jagst. Inzwischen ist die „rollende Supermaschine“ Wirklichkeit geworden. Vor drei Jahren verabschiedete er sich aus seinem Betrieb und hat nun alle Hände voll damit zu tun, die mobile Anlage zu vermarkten. „Zurzeit sind wir in Norddeutschland unterwegs“, sagt Kraus, während er gemeinsam mit seiner Ehefrau auf der Terrasse des Filmhofs den Ausblick auf die Weser genießt. In diesen Tagen wird die Pelletmaschine in Hannover vorgeführt. Ein Ding für Wohnhausheizungen ist sie allerdings nicht.

Der Blick fällt während des Pressegesprächs auf die Papierfabrik Smurfit Kappa am gegenüberliegenden Weserufer. „Solche Unternehmen sind unsere Zielgruppe“, sagt Kraus. „Unsere Pellets sind nur für die Industrie geeignet.“ Er holt etwas hervor, das auf den ersten Blick wie eine Havanna-Zigarre aussieht. Doch so sehen sie aus, die Industrie-Pellets, in diesem Fall aus Strohresten hergestellt.

„Pellet-Anlagen haben mich schon immer fasziniert“, beschreibt Kraus den Grund der Begeisterung für seine Sache. Als die Preise für Holz-Pellets in die Höhe schossen und der damit verbundene Boom abflaute, kam er durch Landwirte auf andere Ideen: Die Strohreste, die nach der Getreideernte anfallen, wurden zum neuen Pellet-Grundstoff. „Heute fahren wir mit unserer Maschine auf die Höfe“, erläutert Kraus. „Bis zu 50 Tonnen Rohmaterial können wir vor Ort verarbeiten.“ Und bei Stroh soll es keineswegs bleiben. Die Gedanken des Erfinders der mobilen Pelletieranlage kreisen längst um Gärreste, Pferdemist und Dinkelspelzen – alles Sachen, aus denen sich vergasungsfähige „Havannas“ machen lassen. Angedacht ist auch Klärschlamm. Aber: „So weit sind wir noch nicht“, sagt Kraus. Denn das Pelletieren mit der mobilen Anlage funktioniert nur mit einem Rohstoff, der nicht mehr als 15 bis 17 Prozent Feuchtigkeit aufweist. Schon jetzt ist die Nachfrage nach der fahrbaren Pelletmaschine enorm. Gerade hat Kraus zwei Anlagen nach Kasachstan verkauft, und zuvor gab es – neben dem Absatz in Deutschland – mehrere weitere Auslandsverkäufe.

Auf einer Fachmesse begegnete Edy Kraus dem Regisseur Fechner, und schon war die Idee für den Film über das Jahrhundertprojekt Energiewende geboren. „In nur einer Woche haben bei uns 600 Zuschauer den Film gesehen“, berichtet Ulrike Gieger-Graßl von der Klimaschutzagentur Mittelweser in Nienburg, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Maren Hoffmann zu der Veranstaltung im Filmhof eingeladen hatte.

Die Zuschauer erlebten auf der Leinwand die Geschichte von Edy Kraus ebenso wie die von Stromsparhelfer Lutz Machalewski und Stadtwerke-Chef Frank Günther sowie die von Roman Zinchenko, einem ukrainischen Aktivisten in der Diskussion mit Umweltminister Peter Smith, ehemaliger Sicherheitschef in einem Atomkraftwerk, und Unternehmer Amir Roughani auf seinem Weg zum persönlichen Wandel.

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