Einblicke in Dreh mit Behinderten

Aufführung des Films „All inclusive“ kommt in Hoya gut an

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Regisseur Eike Besuden (links) sowie die Schauspieler Hannelore Sporleder und Kevin Alamsyah standen dem interessierten Publikum nach der Vorführung Rede und Antwort.

Hoya - Von Jana Wohlers. Ein Film der besonderen Art flimmerte am Sonntag über die Leinwand des Filmhofs in Hoya. „All inclusive“ – übersetzt also „alles inklusive“ – hielt für die rund 100 Zuschauer ein ungewöhnliches Kinoerlebnis bereit. Der Name war Programm: Vor der Kamera standen nicht nur Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung, einige der Schauspieler waren für die Vorführung auch extra in die Grafenstadt gereist.

Vielen Kinobesuchern fiel die dreiköpfige Crew um Regisseur Eike Besuden vor dem Film gar nicht so sehr auf. Doch nach der Begrüßung der Gäste aus der Hansestadt Bremen fragte sich so manch ein Besucher, ob er nicht gerade eben jene Personen, die nun als Schauspieler vorgestellt worden waren, auf der Weserterrasse des Filmhofs und auf diversen Plakaten gesehen hatte.

Inklusion mit großer Portion Humor aufgegriffen

„All inclusive“ entpuppte sich als ebenso humorvoller wie zeitweise nachdenklich stimmender Film, erfrischend, charmant und mit einer großen Portion Herzblut gedreht. Er erzählt die Geschichte des jungen, behinderten Ricky Rogalsky (Kevin Alamsyah), der nach dem Tod seiner Mutter vor der Herausforderung steht, ihr Hotel „Weserlust“ zu übernehmen.

Schon der Beginn des Films ließ erahnen, dass Produzenten und Schauspieler das Thema Inklusion mit einer großen Portion Humor aufgegriffen haben. Zu sehen ist eine Beerdigungsszene der ungewöhnlichen Art – rosa Cowboystiefel, roséfarbener Sarg und ein so gar nicht traurig stimmender Chor inklusive.

Im Verlauf der Handlung wird schnell klar: Zusammenhalt, Vertrauen und der Glaube an das eigene Können lassen jede Behinderung in den Hintergrund rücken. Jeder hat Stärken, die erkannt werden wollen. Und manchmal ist es gar nicht ratsam, zu viel nachzudenken – das Leben will gelebt werden!

Regisseur und Darsteller stehen Rede und Antwort

„All inklusive“ reizte Emotionen wie Lachmuskeln gleichermaßen und berührte auf eine besondere Art und Weise die Herzen der Zuschauer.

Viel zu schnell endete die Geschichte um Ricky und seine charakterstarken Freunde. In der anschließenden Gesprächsrunde lautete die erste Frage aus dem Publikum prompt: „Gibt es eine Fortsetzung?“ So sehr hatte die Handlung die Kinobesucher in ihren Bann gezogen, zu herzerwärmend ist die Lebensgeschichte eines jeden Schauspielers – ob mit oder ohne Behinderung.

Tosender Applaus war nicht nur nach der Vorführung aufgebrandet, er begleitete die Darsteller auch im Gespräch. Flinke Augen hatten die angereisten Schauspieler um ihren Regisseur Eike Besuden natürlich sofort erkannt: Kevin Alamsyah, der den Protagonisten Ricky verkörpert, saß im Publikum. Und auch Darstellerin Hannelore Sporleder stand den neugierigen Besuchern Rede und Antwort. Sie verkörperte die Rolle der Britta, einer etwas älteren Dame mit Behinderung, die Ricky schöne Augen macht und in der „Weserlust“ die Gäste bekocht.

„Verkörpern oft mehr Authentizität als professionelle Schauspieler“

„Es war harte Arbeit“, erzählten die Schauspieler, die alle in und um Bremen wohnen, über die dreieinhalb Wochen lange Drehzeit. Für fast alle Darsteller war es die erste Erfahrung vor der Kamera. Schauspielerin Hannelore Sporleder sagte: „Das Lernen fiel mir schon sehr schwer, die Zeit war knapp, und man stand unter großer Anspannung. Am Ende fühlte es sich wunderbar und einfach unglaublich an, dass wir einen ganzen Film auf die Beine gestellt hatten.“

Eike Besuden hat schon einige Projekte mit geistig und körperlich behinderten Menschen vor und hinter der Kamera umgesetzt. „Die Arbeit mit ihnen ist einfach immer geradeaus und unheimlich authentisch. Oft verkörpern sie weit mehr Authentizität als professionelle Schauspieler aufsetzen können“, sagte er.

Geplant ist über „All inclusive“ hinaus ein Dokumentarfilm „Weserlust Hotel“, sozusagen ein Film über den Film. Dabei werfen die Produzenten einen Blick hinter die Kulissen der Arbeiten zu „All inclusive“.

Quelle: kreiszeitung.de

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