Klosterwaldprozess: Gutachter berichtet

Rückfallquote bei Jörg N. über 50 Prozent

Verden - Von Wiebke Bruns. Voll schuldfähig und hochgradig gefährlich, so stuft der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Norbert Leygraf den Angeklagten Jörg N. ein.

Unabhängig davon, ob der 49-Jährige im September 2015 die 23-Jährige Judith Thijsen getötet hat, sieht Leygraf eine „sehr hohe Gefahr“ für weitere gewalttätige Sexualdelikte an Frauen, sagte der Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen beim gestrigen Verhandlungstag im Landgericht Verden.

Maßregelvollzug habe keine Auswirkung auf das Verhalten des Mannes

Durch die Behandlung im Maßregelvollzugszentrum (MRVZN) in Bad Rehburg habe sich an der Gefährlichkeit des mehrfach vorbestraften Vergewaltigers „keine wesentliche Änderung“ ergeben, so Leygraf. Auf einem von rund 50 unbegleiteten Ausgängen aus dem MRVZN soll der siebenfache Vater die 23-Jährige ermordet haben.

Seit September 2016 muss sich Jörg N. vor dem Landgericht Verden verantworten. Eine Exploration (Erkunden bestimmter Sachverhalte und Stimmungen mittels qualifizierter Gesprächsführung, d. Red.) durch den Sachverständigen hat der Angeklagte abgelehnt. In dem Prozess hat er sich bislang mit keinem Wort zu den Vorwürfen und auch nicht zu seiner Person geäußert. „Das schränkt die psychiatrischen Beurteilungsmöglichkeiten natürlich ein“, so Leygraf.

Ihm lagen aber umfangreiche Unterlagen, wie frühere Urteile, Gutachten und Behandlungspläne vor. Aus all dem ergibt sich für ihn ein scheinbar eindeutiges Bild.

Keine Alkoholabhängigkeit, sondern Alkoholmissbrauch

Leygraf hält es für fraglich, ob eine Alkoholabhängigkeit überhaupt vorliegt. Wegen einer solchen war der Angeklagte in Bad Rehburg behandelt werden. „Eher ist von einem massiven Alkoholmissbrauch auszugehen“, so der Sachverständige.

Nach Leygrafs Überzeugung liegen die Voraussetzungen weder für eine Unterbringung im Maßregelvollzug noch in einem psychiatrischen Krankenhaus vor. Der Angeklagte ist voll schuldfähig. Also keine Rückkehr nach Bad Rehburg.

Spannend war gestern insbesondere, wie Leygraf die Gefährlichkeit des Angeklagten einschätzt. Hierzu äußerte er sich ebenfalls eindeutig: Bei Jörg N. bestehe eine „deutlich über 50 Prozent liegende Wahrscheinlichkeit, dass er in Freiheit ein weiteres Sexualdelikt begehen würde“. Sadistische Anteile bei den Vergewaltigungen, wofür bei den von Jörg N. begangenen Taten einiges spreche, würden die Rückfallgefahr noch erhöhen.

Wollte er Ohnmachtsgefühle kompensieren?

Im MRVZN war man der Meinung, dass der Angeklagte mit den Taten selbst erlebte Ohnmacht mit einem Machtgefühl über seine Opfer kompensieren wollte. „Das entspricht eher theoriegeleiteten psychodynamischen Deutungsversuchen“, so Leygraf.

Schon zum Zeitpunkt der Unterbringung in Bad Rehburg habe sich bei dem Angeklagten durch „fest an seine Persönlichkeit gebundene Faktoren eine hohe Bereitschaft gezeigt, gewaltsame Sexualdelikte an Frauen zu begehen. Von einer sehr hohen Gefahr weiterer sexueller Gewaltdelikte an Frauen war auszugehen“, so Leygraf.

„An diesem Persönlichkeitsbild und dieser Gefährlichkeit hat sich durch die Behandlung in Rehburg keine wesentliche Änderung ergeben.“ Sollte sich die Tat wie in der Anklageschrift beschrieben ereignet haben, „hätte der Angeklagte den Fortbestand seines Hanges zu gewalttätigen Sexualdelikten auf schreckliche Weise unter Beweis gestellt“. Sollte er die 23-Jährige aus Verdeckungsabsicht getötet haben, würde dies zeigen, dass er zudem aus „egoistischen Gründen zur Tötung eines Menschen bereit ist“.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa

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