„Schlendrian“ überzeugt mit Auftritt in KKD

Sänger mit Comedian-Qualität

Das Sextett „Schlendrian“ begeisterte in der KKD. Drei von ihnen sind (von links) Sänger und Conférencier Horst Hahlbohm, Gitarrist Jörg Sommerfeld und Bassist Andreas Kruse. - Foto: Horst Friedrichs

Bücken - Von Horst Friedrichs. Die Zigarettenspitzen waren lang und silbern, die Kleider bunt und knielang, die Frisuren wie gelackt. Der Mann am Klavier spielte auf Tasten aus Elfenbein und Ebenholz, und auf dem Tanzparkett war von Tango bis Tarantella alles angesagt, was die Sehnsucht nach fernen Ländern erfüllte – wenigstens musikalisch. Für das bildliche Wahrwerden von Träumen sorgte das Kino mit Stummfilmen und Musikbegleitung und dann mit der neuen Errungenschaft der Tonfilme. Wer seine Lieblingslieder auch zu Hause genießen wollte, kaufte Schallplatten aus Schellack, die, sofern er behutsam genug mit ihnen umging, nicht zerbrachen, bevor er sie aufs Grammofon legte.

Das war die Zeit, in die das Sextett „Schlendrian“ seine Zuhörer am Freitagabend in der Kleinkunstdiele (KKD) Bücken entführte. Im Kleinkonzertsaal gab es keinen freien Platz mehr, als die sechs Musiker die 30er- und 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts mit Bild, Text und Ton lebendig werden ließen. Das Bücker Publikum ließ sich verzaubern vom musikalischen, sprachlichen und filmischen Frohsinn einer Epoche, deren Lebensbedingungen alles andere als fröhlichkeitsfördernd waren.

Mit einer scheinbar mühelos erzeugten Mixtur aus Wortwitz, Gesang und musikalischem Können, garniert mit „gebeamten“ Filmbeispielen und Originaltonaufnahmen von anno dazumal, gelang es dem „Schlendrian“, jenes beschwingte Deutschland lebendig werden zu lassen, das der Komponist Werner Richard Heymann (1896-1961) auf unvergesslich-unvergleichliche Weise bereicherte.

Ob „Unter Palmen am Meer“ oder „Irgendwo auf der Welt“ – mit Humor und komödiantischem Charme brillierte „Frontman“ Horst Hahlbohm als Sänger und Conférencier, lebhaft unterstützt von seinen Mitmusikern und jenen Originaltönen aus der Konserve, die den Komponisten, Dirigenten und Filmpionier Heymann mehrfach persönlich zu Gehör brachten. Dass sie indessen auch eigene musikalische Wege beschreiten, stellten die Sechs im zweiten Teil des Konzerts unter Beweis.

Horst Hahlbohm, der in Helzendorf wohnt, erwies sich als der große Gestalter des Abends mit Comedian-Qualitäten. Noch bevor es richtig losging, gewann er die Herzen des Publikums mit einem Hauch von Slapstick per Zimmerpalmen-Stelltests, zugleich als Hinweis auf die später folgenden Palmen am Meer während einer Nacht in Monte Carlo. Ob beim tollpatschigen Lösen technischer Bühnenprobleme oder als versierter Interpret früher Ufa-Tonfilm-Hits, Horst Hahlbohm verstand es ganz im Sinne von Hans Albers, sich als Kapitän zu produzieren, der sein Publikum mit auf die Reise nimmt. Versteht sich, dass es für Hahlbohm eine seiner leichtesten Übungen war, die Zuhörer zum Call-and-Response-Gesang zu animieren und sie ein markiges „Jawoll, Herr Kapitän“ schmettern zu lassen.

Schon vor drei Jahren gastierte das „Schlendrian“-Sextett einmal in der Kleinkunstdiele. Daran erinnerte deren Inhaber Peter Klein in seiner Begrüßungsansprache – und auch daran, dass es sich beim aktuellen Abend um eine Veranstaltung im Rahmen des noch laufenden zehnten Jubiläumsjahrs handelt. Dass die Formation wegen ihrer Regionalität dafür prädestiniert war, bewiesen neben Horst Hahlbohm die weiteren Mitglieder: Natascha Befort (Gesang und Klavier) aus Sulingen, Günter Laue (Schlagzeug) aus Sulingen, Jörg Sommerfeld (Gitarre) aus Hoya, Andreas Kruse (Bass) aus Marklohe und Arthur Sadowski (E-Piano) aus Nienburg.

Die Musiker ließen ein begeistertes Publikum zurück, wohl auch in der Hoffnung, dass sich der gute, alte Heymann-Hit „Das gibt’s nur einmal“ in Bezug auf einen „Schlendrian“-Auftritt nicht bewahrheiten möge.

Quelle: kreiszeitung.de

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