Mehringen als Standort soll untersucht werden

Samtgemeinde favorisiert weiterhin Wechold als Standort für Umspannwerk

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Das Umspannwerk in Wechold überspannt eine Fläche von 3,5 Hektar. Das neue soll zusätzliche 10 Hektar umfassen. Es ist Teil der zu bauenden 380-Kilovolt-Stromleitung der Firma Tennet von Stade nach Landesbergen. Wo auch immer der Neubau entsteht, das bestehende Umspannwerk in Wechold bleibt erhalten, denn von dort aus verteilt die Firma Avacon den Strom in der Region. Magelsen, ebenfalls als Umspannwerksstandort im Gespräch, liegt wenige Kilometer nordöstlich von Wechold. Das Bild (bitte vergrößern) zeigt, dass die Gegend durch Stromleitungen, das bestehende Umspannwerk und den Windpark belastet ist.

Warpe - Von Michael Wendt. In Teilen einstimmig beschloss der Samtgemeinderat am Montagabend eine Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für die geplante 380-Kilovolt-Stromleitung von Stade nach Landesbergen.

Strittig war nur der Punkt drei darin, in dem die Samtgemeinde Wechold als Standort für ein neues Umspannwerk empfiehlt und die Prüfung von Mehringen als Alternativ-Standort anregt. Vier Ratsmitglieder stimmten gegen diesen Punkt. Ein Antrag von Lars Grotheer (SPD), der Stellungnahme eine überarbeitete Standort-Vergleichstabelle anzufügen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Die Sitzung am Montag stieß auf großes Interesse: 30 Zuhörer kamen ins Gasthaus Okelmann in Warpe. Grund dafür dürfte weder die einstimmig beschlossene Beförderung von Fachdienstleiterin Britta Grohs zur Samtgemeindeamtsrätin gewesen sein, noch die Feststellung der Jahresabschlüsse 2016 der samtgemeindeeigenen Betriebe für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Von Interesse waren vielmehr die im Hilgermisser Gemeinderat bereits kontrovers diskutierte Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren.

Der Verwaltungsausschuss des Bücker Gemeinderats hat der von der Samtgemeindeverwaltung erarbeiteten Fassung (siehe unten) bereits zugestimmt, ebenso der Hoyaer Stadtrat. Die Gemeinde Hilgermissen hat eine in Teilen abgeänderte Stellungnahme beschlossen (wir berichteten). Als weitere vom Leitungsbau betroffene Gemeinden entscheiden Hoyerhagen und Warpe heute darüber (siehe unten).

Das grundsätzliche Für und Wider zur Stellungnahme war in den Ratssitzungen der Gemeinde Hilgermissen und der Stadt Hoya bereits ausgetauscht worden (wir berichteten). Vieles davon wurde im Samtgemeinderat wiederholt.

Detaillierte Liste über Standorte

Neu war die von Lars Grotheer (Magelsen) zu Sitzungsbeginn verteilte Tabelle. Sie beschreibt detaillierter und übersichtlicher die Vor- und Nachteile der verschiedenen möglichen Umspannwerksstandorte als die ursprüngliche von der Verwaltung erarbeitete Tabelle, deren Inhalt und Gliederung im Hilgermisser Gemeinderat kritisiert worden war.

Aber auch diese neue, von Hilgermissens Gemeindedirektor Wilfried Imgarten im Auftrag des Gemeinderats erarbeitete Tabelle ist nicht vollständig, sagte Johann Hustedt (CDU). Nicht erwähnt seien zum Beispiel die am Standort Wechold lebenden Milane. Erst vergangene Woche habe er in der Nähe des Umspannwerks bei Mäharbeiten Rot-, Schwarz- und Grau-Milane gesehen und außerdem Störche.

Auf Antrag der Mehrheitsgruppe aus CDU, Unabhängiger Wählergemeinschaft (UWG) und FDP beschloss der Rat, über den umstrittenen Punkt drei in der Stellungnahme getrennt abzustimmen. Während die Punkte eins, zwei und vier die Zustimmung aller Ratsleute fanden, stimmten Johann Hustedt und Lüder Görtmüller (Hilgermissen und Wechold, beide CDU-Fraktion) gegen Punkt drei. Bereits im Hilgermisser Gemeinderat hatten sie beschlossen, dass es aus ihrer Sicht in der Gemeinde Hilgermissen keinen geeigneten Standort für ein Umspannwerk gibt – weder Magelsen, noch Wechold.

Hans Kaufmann und Ingo Schönfelder (Dedendorf und Eystrup, beide Bündnis 90/Die Grünen) stimmten ebenfalls gegen Punkt drei. „Wir haben uns die Argumente von Hilgermissen zu eigen gemacht und lehnen die Standorte Wechold und Magelsen ab. Dieser Raum ist übermäßig belastet“, erklärte Hans Kaufmann. „Mehringen als Suchraum können wir zustimmen“, fügte er hinzu.

Alle anderen stimmten auch für Punkt drei, sodass die Stellungnahme wie vorgelegt beschlossen wurde.

So geht es weiter:

Die vom Neubau der Stromleitung betroffenen Gemeinden haben nun noch bis zum 30. Juni Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Abgabeschluss für Privatleute war gestern. Am Montag waren beim Träger des Raumordnungsverfahrens, dem Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), bereits 50 Stellungnahmen eingegangen, teilte Detlef Meyer während der Ratssitzung mit. „Die ArL wiegt die Stellungnahmen jetzt ab, ich vermute bis Ende August“, sagte der Samtgemeindebürgermeister. „Das Ergebnis wird man uns vortragen, wir geben sie den Räten dann zur Kenntnis.“

Auf Basis des Raumordnungsverfahrens – es ist quasi eine Grobplanung des Projekts 380-Kilovolt-Leitung – folgt das Planfeststellungsverfahren, das die Detailplanung inklusive zum Beispiel der Masten-Standorte festlegt. Anders als gegen das Raumordungsverfahren können Betroffene gegen die im Planfeststellungsverfahren getroffenen Beschlüsse klagen.

Die Gemeinderäte Hoyerhagen und Warpe entscheiden heute in öffentlichen Sitzungen über ihre Stellungnahme zum Raumordnungsprogramm – jeweils ab 19 Uhr, im Gemeindehaus, Vogelsang 2 in Hoyerhagen, beziehungsweise im Dorfgemeinschafthaus, Helzendorf 35.

Der Wortlaut der beschlossenen Stellungnahme der Samtgemeinde:

Der Wortlaut der Stellungnahme: „Der Beschluss zu der vorgenannten Planung vom 2. Februar 2015* wird wie folgt ergänzt:

1. Nach der Planung unterschreitet die 380-kV-Leitung die einzuhaltenden Mindestabstände (200 Meter zu Einzelgebäuden im Außenbereich beziehungsweise 400 Meter zu Siedlungsbereichen). Die Leitung ist so zu trassieren, dass diese Mindestabstände eingehalten werden. Alternativ ist die Leitung als Erdkabel zu verlegen.

2. Die im Bereich der Gemeinde Warpe an der Grenze zur Nachbargemeinde Wietzen vorgesehene Kabelübergabestation ist in das Gebiet der Gemeinde Wietzen zu verlegen, da die Station der Verlegung des Erdkabels im Gebiet der Gemeinde Wietzen dienen soll.

3. Das neue Umspannwerk ist am bestehenden Standort in Wechold zu realisieren. Alternativ sollte ein Suchraum östlich von Mehringen unter Einbindung der Kabelübergabestation in die Prüfung mit einbezogen werden.

4. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und Ersatzgeldzahlungen für Beeinträchtigungen, die in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya entstehen, sind auch in der Samtgemeinde, vorrangig in der Gemeinde, in der das Umspannwerk gebaut wird, umzusetzen beziehungsweise auszugleichen.“

* 2015 hatte die Samtgemeinde   Stellung genommen für die Bündelung parallel laufender Leitungen, die Einhaltung derMindestabstände, den Bau des Umspannwerks in Wechold.

Quelle: kreiszeitung.de

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