Fachkräftemangel in Kindergärten

Samtgemeinde Grafschaft Hoya wünscht sich Vergütung für Erzieher-Ausbildung

Die Kindertagesstätte Sterntaler ist eine von drei Einrichtungen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya in kommunaler Trägerschaft.
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Die Kindertagesstätte Sterntaler ist eine von drei Einrichtungen in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya in kommunaler Trägerschaft.

Samtgemeinde – Wer Erzieher beziehungsweise Erzieherin werden will, stößt schnell auf zwei Dinge, die diese Ausbildung gegenüber anderen unattraktiv machen. „Zum einen dauert sie vier Jahre“, sagt Britta Grohs, Fachbereichsleiterin Bildung bei der Samtgemeinde. Zum anderen handele es sich um eine schulische Ausbildung. „Das heißt, die Azubis verdienen in dieser Zeit kein Geld.“ Das seien unter anderem Gründe, warum es einen Erziehermangel in Deutschland gebe. Davon bleibe auch die Samtgemeinde Grafschaft Hoya nicht verschont. „Die Luft wird immer dünner“, meint Detlef Meyer, Samtgemeindebürgermeister auf Nachfrage der Kreiszeitung.

Die Kommune ist Träger von drei Kindertagesstätten in der Samtgemeinde. Dort seien derzeit insgesamt 35 Fachkräfte im pädagogischen Bereich angestellt. „Im Laufe der Jahre sind die zu vergebenen Plätze immer mehr geworden“, meint Britta Grohs. Und es sei unwahrscheinlich, dass sich das in Zukunft ändere, prognostiziert sie.

„Im Moment gibt es bei uns einen regen Durchlauf in den Kitas“, erklärt die Fachbereichsleiterin – aus unterschiedlichen Gründen. Aktuell sucht die Samtgemeinde eine neue Leitung für die Kindertagesstätte Sterntaler in Bücken, weil die bisherige Leiterin Marita Prox im kommenden Jahr in den Ruhestand geht. Detlef Meyer geht davon aus, dass die Stelle problemlos neu besetzt werden kann. „Wenn man Leitungsstellen ausschreibt, ist die Lage sehr gut“, sagt er. „Problematisch wird es aber, wenn man Fachkräfte ohne leitende Funktion sucht.“

Erschwerend bei der Suche nach Erziehern komme die starke Konkurrenzsituation hinzu. „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Einrichtungen und Kommunen“, sagt Detlef Meyer. Bei Kitas in Trägerschaft einer Kommune sei es besonders schwer, attraktive Angebote zu machen. „Wir sind tarifgebunden“, erklärt Britta Grohs. Deswegen komme es besonders auf weiche Faktoren wie ein gutes Team oder eine gute Atmosphäre innerhalb des Kindergartens an. Was die Verwaltung aber bieten kann, seien beispielsweise ein gewisser Spielraum bei den Arbeitszeiten. „Wir können uns den Wünschen anpassen“, erklärt Britta Grohs.

„Wir sind sehr heterogen aufgestellt. Das schätze ich sehr“, sagt Detlef Meyer in Bezug darauf, dass von acht Kindertagesstätten nur drei im kommunalen Verantwortungsbereich liegen. Die Trägervielfalt in der Samtgemeinde biete nämlich auch positive Aspekte. „Trägervielfalt bedeutet Angebotsvielfalt“, erklärt Britta Grohs. „Vereine können beispielsweise ganz andere Angebote bieten als kirchliche oder kommunale Träger“, meint sie. So hätten Eltern in der Samtgemeinde viele Alternativen, von denen sie sich eine aussuchen könnten, die am besten zu ihnen passe.

Auch im Hinblick auf die Ausbildungsform gebe es Lösungsansätze, den Beruf des Erziehers attraktiver zu machen. „Die letzten beiden Ausbildungsjahre können in Verbindung mit dem Träger vergütet werden“, sagt die Fachbereichsleiterin. „Das ist ein berufsbegleitendes Angebot“, ergänzt sie. Derzeit seien das allerdings Einzelfälle. Das System sei im Moment noch so aufgestellt, dass Auszubildende in keinem Angestelltenverhältnis mit der Kommune stehen und somit auch kein Gehalt von dieser bekommen. „Das sind Praktika, die die Auszubildenden bei uns absolvieren.“, erklärt sie. „Die Verantwortung liegt weiter bei der ausbildenden Schule.“

Zusammenfassend sagt Britta Grohs: „Es wäre von Vorteil für den Beruf, wenn auch die Ausbildung vergütet wäre. Dann gäbe es wohl auch mehr Fachkräfte.“

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