Lkw mit Press-Technik lädt Menge von fünf Sattelzügen

Schaumstoff und Zeit im Nacken

Kreiszeitung Syke

Nienburg - Von Kurt HenschelHOYA · Carsten Rippe aus Hoya (Landkreis Nienburg) ist Lkw-Fahrer – aber er sitzt in einem besonderen Truck. Einem mit ausgefeilter Hydraulik-Technik, deshalb auch besonders wertvoll. Das Fahrzeug ist so umgerüstet worden, dass es eine Lade-Menge aufnehmen kann, für die im Normalfall vier bis fünf Sattelzüge erforderlich wären.

Der 42-Jährige aus Hoya ist angestellt bei der holländischen Firma „De Zwart Vervoers Consultacy B.V.“. Firmen-Chef Ronald de Zwart hält große Stücke auf seinen Fahrer aus Hoya sowie dessen ihm und dem Wagen „zugeordneten“ Kollegen Siegfried („Siggi“) Stühlmeyer aus Barnstorf. „Ich brauche sehr gute Fahrer – und die habe ich“, so der Firmen-Chef, der sich nicht zu schade dazu ist, beim Beladen des Spezial-Lastwagens die „Blöcke“ mit dem Stapler selbst auf die Ladefläche zu hieven.

Was für Blöcke ? Nun, die holländische Firma in Sassenheim westlich von Amsterdam produziert Schaumstoff. Und den transportieren Carsten Rippe und sein Fahrer-Pendant Siggi in Richtung Dänemark, Belgien, Frankreich, nach Polen sowie in verschiedene Regionen Deutschlands.

Da die Schaumstoff-Blöcke sehr voluminös sind und viel Platz auf einer Ladefläche einnehmen, musste eine Idee her. Und die hatte Firmen-Chef Ronald de Zwart, der zusammen mit den Experten der holländischen Firma Van Eck eine Technik realisierte, die es ermöglicht, die Schaumstoff-Blöcke auf gut ein Viertel ihres ursprünglichen Volumens zu pressen. Ergebnis: 54 Blöcke gehen mit einer Ladung in Richtung Bestimmungs-Ort. „Das ist Effizienz“, erklärt Ronald de Zwart nicht ohne Stolz.

Zwar habe der Lastwagen mit dem hydraulisch zu öffnenden Ladeflächen-Dach, das wieder einzufahren ist, wobei das Pressen der Blöcke vor sich geht, sehr viel Geld gekostet (siehe gesonderten Text auf dieser Seite), aber der Nutzen liegt klar auf der Hand.

Der Hoyaer, der mit seinem Kollegen Siggi abwechselnd am Lenkrad dafür sorgt, dass der Lastwagen quasi rund um die Uhr unterwegs ist, hat buchstäblich dauernd Schaumstoff im Nacken. Aber auch die Zeit: „Wir müssen ständig unsere erlaubten Lenkzeiten im Auge haben“, erklärt Kollege Stühlmeyer. Sie müssen beispielsweise nach viereinhalbstündiger Fahrt eine 45-minütige Pause nachweisen können. Wie das nachzuweisen ist? „Das speichert alles unsere Fahrerkarte, die wir vor Antritt der Fahrt installieren müssen, damit alle relevanten Aufzeichnungen erfolgen können“, so Stühlmeyer. „Mogeln geht nicht“, fügte er hinzu, denn das technische System inklusive der fest installierten Maut-Geräte „lässt sich nicht betrügen“.

Eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist ausgeschlossen. „Der Motor blockiert bei 89 km / h“, erklären die erfahrenen Trucker, von denen Rippe vor seiner „Holland-Zeit“ bereits Altglas, Kies und Sand gefahren und zuletzt bei der Firma „Smurfit Kappa“ in Hoya gearbeitet hatte.

Bei „seiner“ holländischen Firma fühle er sich „sehr wohl“, denn „das Klima ist hervorragend“, schwärmt er: „Der Chef lädt uns regelmäßig mit unseren Frauen ein. Dann unternehmen wir etwas gemeinsam und lernen uns auf diese Weise auch immer besser kennen.“ Das „Motiv“ des Chefs verriet Rippe auch: Ihm sei in erster Linie an einem harmonierenden Team gelegen. Dazu Ronald de Zwart: „Es funktioniert nur, wenn sich alle gut verstehen.“

Dass das so ist, beweise die Tatsache, dass keiner seiner Fahrer sich beschwere. „Jeder hilft jedem“, beteuert Rippe. Ein Beispiel: Als bei einer der jüngsten Fahrten das Wetter derart schlecht war, dass er langsamer fahren musste, reichte die zur Verfügung stehende Lenkzeit nicht mehr aus. Aber kein Problem: Carsten Rippe rief bei Kollege Siggi an und vereinbarte einen Ablöse-Treffpunkt in Diepholz. Siggi kam mit dem Pkw und übernahm den Truck, Carsten Rippe fuhr anschließend mit dem Pkw nach Hause.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Reisen

Strandwandern und Walfang-Historie auf Borkum

Strandwandern und Walfang-Historie auf Borkum
Technik

Navigation-Apps als digitaler Kompass

Navigation-Apps als digitaler Kompass
Boulevard

Jean Paul Gaultiers spektakulärer Abschied vom Laufsteg

Jean Paul Gaultiers spektakulärer Abschied vom Laufsteg
Boulevard

Jean Paul Gaultiers spektakulärer Abschied vom Laufsteg

Jean Paul Gaultiers spektakulärer Abschied vom Laufsteg

Meistgelesene Artikel

Nienburg: Polizei schnappt betrunkenen Einbrecher

Nienburg: Polizei schnappt betrunkenen Einbrecher

Landkreis Nienburg: Krätze breitet sich weiter aus

Landkreis Nienburg: Krätze breitet sich weiter aus

Bürgermeister tritt nach Angriffen von rechts zurück - und erhält weiter Drohungen

Bürgermeister tritt nach Angriffen von rechts zurück - und erhält weiter Drohungen

Nienburg: Kassiererin verhindert Überfall - also zieht Täter weiter

Nienburg: Kassiererin verhindert Überfall - also zieht Täter weiter

Kommentare