Noch Hoffnung auf Altstadtfest und kleine Jahrmärkte

Schausteller in Sorge

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Sie wollen nicht in Vergessenheit geraten: Die Schausteller Bernd Weber, Jordan Stummer, Lars Stummer, Marvin Fick und Andreas Fick haben in Nienburg Banner aufgestellt.

Nienburg - Von Janina Stosch. Schützenfeste, Frühjahrsmärkte, Pfingstfeste – für Schausteller die erste Hochsaison im Jahr. Normalerweise würden auch die Schaustellerfamilien aus Nienburg und Bruchhausen-Vilsen jetzt von Markt zu Markt ziehen. Doch in diesem Jahr bleiben die Fahrgeschäfte und Fressbuden vorerst eingelagert.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung alle Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt. Eine bittere Nachricht für die rund 5300 Schaustellerbetriebe in Deutschland. 

Diese Entscheidung bedeutet das Aus für zahlreiche Märkte und Feste in der Region. Betroffen sind bisher das Schützenfest und Maschseefest in Hannover, die Bremer Osterwiese und die Verdener Domweih. Selbst das Flaggschiff der deutschen Volksfeste, das Oktoberfest in München wird in diesem Jahr nicht stattfinden. In Nienburg wurden bereits der Frühjahrsmarkt Anfang April und das Scheibenschießen im Juni abgesagt. Ob das Nienburger Altstadtfest vom 24. bis 27. September stattfinden kann, ist noch unklar. Der Brokser Heiratsmarkt in Bruchhausen-Vilsen wurde am Donnerstag abgesagt. Eine zuvor überlegte Verschiebung gibt es nicht. Das Risiko sei einfach zu hoch, heißt es vonseiten der Verwaltung.

Auch die Winterpause kostet Geld

„Seit dem Winter haben wir keine Einnahmen mehr“, sagt Marvin Fick, Schausteller aus Nienburg. „Weihnachtsmärkte waren die letzten Veranstaltungen, die Umsatz eingespielt haben.“ 

Danach folgt für die Schausteller meist eine Winterpause, bevor die Saison im März wieder losgeht. Doch auch die Winterpause koste Geld. Die Fahrgeschäfte werden in dieser Zeit gewartet und für den TüV vorbereitet. „Wir stecken da viel Herzblut und Leidenschaft rein, uns auf jedem Markt toll zu präsentieren. Wir müssen über den Winter alles in Schuss halten und auch Versicherungen müssen bezahlt werden.“

Die Schausteller hoffen darauf, dass das Altstadtfest in Nienburg stattfinden wird. 

Finanzielle Unterstützung vom Staat sei zwar da, doch wie lange diese reicht, weiß auch Andreas Fick nicht. „Unseren Beruf können wir derzeit nicht ausüben und ein zweites Standbein haben die wenigsten von uns. Am liebsten würden wir einfach wieder arbeiten.“ Der 1. Vorsitzende des Schaustellerverbands Nienburg ist besorgt. „Wir wissen nicht wie es weitergeht und ob es weitergeht.“ 

Reise ins Ungewisse - Schausteller hoffen auf kleinere Märkte

Laut Schausteller Bernd Weber sei die Stimmung derzeit gedrückt. „Wir teilen alle die gleichen Sorgen. Wir reisen das ganze Jahr, von Stadt zu Stadt, von Markt zu Markt. Doch wo diese Reise hinführt, das wissen wir nicht“, sagt er resigniert. 

Lars Stummer, Vorsitzender des Schaustellerverbands in Bruchhausen-Vilsen, hofft, dass nicht auch noch die kleineren Märkte wegbrechen. An genau diesen Veranstaltungen würden nun ihre Existenzen hängen. „Die Bevölkerung braucht nach so einer schweren, trüben Zeit etwas positives. Für viele gehören die Volksfeste und Jahrmärkte zu den Highlights des Jahres. Das wollen wir den Menschen nicht nehmen. Wir wollen wieder leuchtende Kinderaugen sehen und lächelnde Gesichter.“

Die Hoffnung aufs Nienburger Altstadtfest Ende September haben die hiesigen Schausteller noch nicht aufgegeben. „Wir hoffen, dass nicht vorschnell alles abgesagt wird. Man sollte erstmal abwarten, wie sich die Lage über den Sommer entwickelt. Ganz klar, die Gesundheit steht natürlich an erster Stelle, aber die Märkte hier sind ja auch nicht mit dem Oktoberfest zu vergleichen.“

Die Lichter aus der Ferne -  "Wir sind immer noch da und kommen wieder"

Wir sehen uns auf dem Jahrmarkt“ Auch wenn Jahrmärkte derzeit nicht stattfinden, wollen die Schausteller nicht in Vergessenheit geraten, weder bei der Bevölkerung, noch bei der Politik. Deswegen hat der Schaustellerverband Banner in Nienburg aufgestellt. „Wir sind die Lichter aus der Ferne. Bitte bleibt gesund und zuhause, damit wir uns bald wieder auf den Jahrmärkten sehen“, steht auf den bunten Schildern. 

„Wir sind immer noch da und wir kommen wieder“, ist die Botschaft, die nun durch die Banner in den Köpfen der Nienburger verankert werden soll.

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