Lehrer berichtet von Partnerschaftsprojekt und der Macht der Musik

Schüler aus zwei Nationen schlagen gleichen Takt an

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Peter Klein (stehend) informierte über ein Musikprojekt in Brasilien und dessen Partnerschaft mit der Marion-Blumenthal-Hauptschule Hoya. Schließlich sprachen die Besucher der Veranstaltung per Bildtelefon mit den Brasilianern. ·

Bücken - Von Jana WohlersWie kann Musik Kindern helfen – und warum? Diese Fragen standen jetzt in der Kleinkunstdiele in Bücken im Mittelpunkt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ sprach Kleinkunstdielen-Betreiber Peter Klein über eine kulturelle Partnerschaft der besonderen Art, einem transatlantischen Musikprojekt von Schülern in Brasilien und Hoya. Nicht nur der authentische Vortrag fand im Publikum großen Zuspruch. Am Ende des Abends kommunizierte Peter Klein via Bildschirmtelefon nach Brasilien.

2005 reiste Klein, der auch Lehrer an der Marion-Blumenthal-Hauptschule ist, nach Südamerika. Im Rahmen eines Sabbat-Jahrs führte sein Weg unter anderem in den im Nordosten Brasiliens gelegenen Ort Gravatá. Auf seiner Reise wollte Peter Klein Antworten auf die Frage finden, inwiefern Musik in der Sozialisation eine Rolle spielt – und welche.

Bei der Hilfsorganisation „Grupo de apolo de meninas e menino da rua“ (Hilfsgruppe der Mädchen und Jungen der Straße“), kurz GAMR, wurde er fündig. Die Organisation hat sich vor allem der Bekämpfung des Sozialverfalls in Brasilien, hauptsächlich in Gravatá, verschrieben.

„Brasilien gehört zu den Ländern, die am meisten mit dem Problem der Straßenkinder zu kämpfen haben“, sagte Klein. Schätzungsweise 100 Millionen Straßenkinder gebe es weltweit. In Brasilien leben je nach Schätzung zwischen einer und zehn Millionen Kindern auf der Straße.

Die GAMR, so Klein weiter, habe sich vorrangig das Ziel gesetzt, diese Straßenkinder zu resozialisieren. Die Hilfsorganisation bietet feste Mahlzeiten, eine Ersatzschule für Kinder, die in der normalen Schule Probleme haben, und eine feste Freizeitgestaltung: Fußballspielen, handwerkliche Angebote, vor allem aber das gemeinsame Musizieren, Tanzen und Theaterspielen.

Bei Tanz und Musik dreht sich viel um den sogenannte Maracatú, einen Rhythmus aus Westafrika, dem in Brasilien eine große kulturelle Bedeutung zukommt und der den Brasilianern „einfach im Blut liegt“, wie Klein sagt.

Mit einem umfangreichen Film, in dem sowohl teilnehmende Kinder als auch Mitarbeiter der Organisation zu Wort kommen, stellte der Hausherr das kulturelle Musikprojekt vor. Dabei wird dem Publikum schnell klar: GAMR bietet den Straßenkindern eine Lebensveränderung, eröffnete neue Chancen, bindet sie in das kulturelle Leben ein und gibt ihnen die Motivation und den Spaß am Lernen zurück. „Bei der GAMR wird Solidarität groß geschrieben“, kommentierte Peter Klein den starken Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.

Das Singen von Liedern diene unter anderem der Alphabetisierung der Kinder, die Auftritte geben ihnen Selbstbewusstsein und Halt auf der Suche nach einer eigenen Zukunft.

Vor sechs Jahre ist eine Partnerschaft zwischen der GAMR und der Marion-Blumenthal-Hauptschule entstanden. Ursprung war eine Projektwoche zum Thema Brasilien in Hoya. Bestärkt wurde Peter Klein in seiner Partnerschaftsidee, als er feststellte, dass sowohl Schüler in Brasilien als auch in Hoya dasselbe Lied unabhängig voneinander in der gleichen Tonart und Geschwindigkeit spielten. Als er die Aufnahmen in der Kleinkunstdiele abspielte, hörte man sofort die Synchronität der Klänge.

Zum Projektstart hielt das brasilianische Lied „o cego iluminado“ („Der erleuchtete Blinde“) Einzug in Hoya und wurde auch dort interpretiert. Das Ergebnis: Ein Musikstück, das Gemeinsamkeiten schafft und erhält, das sowohl deutsche als auch brasilianische Stimmen harmonisch miteinander verbindet.

„Das Musikprojekt war eine tolle Erfahrung für uns alle“, sagte Peter Klein, der bei ausreichendem Interesse eine Wiederholung nicht ausschließt. Auch eine Schulreise nach Brasilien könne er sich vorstellen.

Einen besonderen und ganz persönlichen Einblick in das brasilianische Leben bei der GAMR bot der Kleinkunstdielen-Betreiber mit einer „Skype“-Schaltung nach Brasilien: Während Klein übersetzte, konnten die Besucher sich ein eigenes Bild der Organisation machen und ihren Gesprächspartnern am Bildtelefon Fragen stellen. So erfuhr das Publikum, dass die GAMR mittlerweile über ein eigenes Tonstudio verfügt und ihre Aktivität auf weitere Stadtteilen ausgeweitet hat.

Dass Humor und Lebensfreude in Brasilien groß geschrieben werden, bewiesen die Gäste am anderen Ende der Leitung schnell: Als sie im Bücker Publikum einen Mann mit langem weißen Bart entdeckten, fragten sie, ob „Papa Noel“, der Weihnachtsmann, zu Gast sei.

Quelle: kreiszeitung.de

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