Künstlerische Umarbeitung geplant

Schweringer entwidmen umstrittene Hakenkreuz-Glocke

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Unbekannte hatten die Nazi-Symbole von der Glocke entfernt.

Schweringen - Die evangelische Kirchengemeinde in Schweringen entwidmet am Mittwoch, 21. November, ihre umstrittene Hakenkreuz-Glocke. Die Predigt in dem Gottesdienst am Buß- und Bettag hält der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries, wie die Landeskirche mitteilte.

Das Landeskirchenamt und der örtliche Kapellenvorstand hatten sich im Streit um die Glocke auf einen Kompromiss geeinigt: Auf die Glocke mit dem inzwischen weggefrästen Hakenkreuz sollen neue Symbole und eine neue Inschrift oder eine Überdeckung der alten Inschrift aus der NS-Zeit gelötet werden.

Dafür wollen beide Seiten gemeinsam einen Künstler-Wettbewerb ausschreiben. „Wir sind froh, dass wir nach langer Zeit eine Lösung gefunden haben, bei der die Glocke erhalten bleibt, aber das Hakenkreuz und die nationalsozialistische Inschrift nicht mehr sichtbar sein werden“, sagte de Vries. „Ziel der Umwandlung muss sein, der Glocke eine neue Deutung zu geben, die von Toleranz und Versöhnung geprägt ist.“

Auch Vertreter der Gemeinde zeigten sich zufrieden. „Die große Mehrheit im Dorf ist froh, dass wieder Frieden herrscht“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Kapellenvorstandes, Heinrich Eickhoff. Die meisten Schweringer wollten die Glocke behalten, denn an ihr hingen viele Emotionen. Sie habe bei Taufen geläutet, zur Konfirmation, zu Hochzeiten und Beerdigungen. „Einige haben gefragt, ob das jetzt alles nicht mehr zählt?“ Kaum jemand habe die Glocke selbst gesehen, sagte Eickhoff. „Fast alle kennen sie nur von ihrem Klang.“ 

Der Kirchenvorsteher verwies darauf, dass die Schweringer Kreuzkirche nach dem Ersten Weltkrieg von den Bewohnern des Dorfes zum größten Teil in Eigenleistung erbaut und 1922 fertiggestellt worden sei. Anschließend hätten die Schweringer für ein Geläut gespart. Die Glocke konnte schließlich nach einigen Jahren bestellt werden. 

Allerdings ohne Hakenkreuz, betont Eickhoff: Dieses habe die „linientreue“ Gießerei nach 1933 ungefragt daraufgesetzt. Die 1934 gegossene und aufgehängte Glocke war vor einem Jahr stillgelegt worden, nachdem die Landeskirche bei allen Gemeinden zwischen Hann. Münden und Cuxhaven nachgefragt hatte, ob dort noch Glocken aus der Nazi-Zeit existierten. Daraufhin kam es in dem 800-Einwohner-Dorf zu einem heftigen Streit, der auch überregional für Aufsehen sorgte.

Die Landeskirche bot einen Austausch der Glocke an, da eine Glocke mit Hakenkreuz-Symbol nicht zu Gottesdienst, Andacht und Gebet einladen könne. Viele Schweringer wollten die Glocke jedoch behalten. Kurz vor Ostern stiegen Unbekannte heimlich auf den Kirchturm und frästen das 35 mal 35 Zentimeter große Hakenkreuz und Teile der Inschrift mit einem Winkelschleifer weg. Nach der künstlerischen Umarbeitung soll die Glocke in einem Gottesdienst neu gewidmet werden.

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