Seit neun Tagen im Amt: Nienburgs neue Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters

Gleichstellung in Nienburg statt Erforschung ferner Galaxien

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Das Buch „Frauenwelten“, in dem Sarah Peters liest, ist ein Einstandsgeschenk von Landkreiskollegin Petra Bauer.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Eigentlich wollte sie Astrophysikerin werden. Statt der Erforschung ferner Galaxien setzt sich die 31-Jährige nun für die Gleichstellung der Geschlechter in Nienburg ein. Seit neun Tagen ist Sarah Peters Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt.

„Schuld“ daran sind vor allem zwei Personen: Ihr Physiklehrer und Judith Butler. Der Pädagoge redete der gebürtigen Nienburgerin ein, dass Frauen in Naturwissenschaften grundsätzlich schlecht seien und sie von der Astrophysik besser die Finger lassen solle. Die US-amerikanische Professorin Judith Butler hat zahlreiche Arbeiten zu feministischen Theorien verfasst und ist Begründerin der Gender-Studies. „Sie hat mich geprägt und mir gezeigt, wie die Welt tickt“, erzählt die aktuell in Hannover lebende Sarah Peters. Während ihres Studiums der Sozialwissenschaften in Berlin „rutschte“ die junge Frau zufällig in Vorlesungen, die sich mit Gleichstellung und Feminismus befassten. „Ich merkte, dass in diesem Bereich noch viele Dinge versteckt unter der Oberfläche schlummern. Das weckte mein Interesse.“ Sarah Peters begann zu graben und landete über einige Umwege schließlich im Nienburger Rathaus in ihrem Traumberuf.

Damit kehrt sie zurück in die Heimat – zumindest beruflich. Geboren und aufgewachsen ist Sarah Peters im Landkreis Nienburg und hat daran noch viele schöne Erinnerungen. Ihren ersten Kinostreifen „Ariel, die Meerjungfrau“ sah sie im Film-Eck, ihr erstes Open-Air-Festival war das „Burn Out“ am Weserufer und das Altstadtfest war ihre erste große Party.

Nun setzt sich Sarah Peters in erster Linie für die Belange der Frauen in der Kreisstadt ein. Gleichstellung bedeute vor allem die Auflösung oft männlich geprägter Strukturen in der Gesellschaft, erklärt sie. Auch Rollenstereotype möchte sie aufbrechen – für Männer und Frauen. „Niemandem sollte aufgrund seines Geschlechts etwas aufgezwängt werden. Wenn ein Mann Elternzeit nehmen will, sollte das genauso selbstverständlich sein, wie bei einer Frau“, erklärt sie. Auch müssten berufliche Vorurteile bei beiden Geschlechtern – auch gegenüber Männern in klassischen weiblichen Berufen – beseitigt werden. „Männern, die im Kindergarten oder einer Kita arbeiten, werden allein aufgrund ihres Berufes oft pädophile Neigungen unterstellt“, erläutert sie. „Das ist ein erschreckend weit verbreitetes Vorurteil.“

Grundsätzlich seien heute übrigens längst nicht nur Frauen feministisch. „Gerade in der jüngeren Generation ist Feminismus keine Frage des Geschlechts mehr“, versichert Sarah Peters. Überhaupt habe Feminismus nicht das Geringste mit Männerhass zu tun.

Der Weg ins Nienburger Rathaus war für Sarah Peters lang. Nach einem kurzen Abstecher in die Privatwirtschaft wechselte sie nach Sehnde, um dort als Gleichstellungsbeauftragte zu arbeiten. Als ihre Vorgängerin Flora Auf dem Berge sich vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand verabschiedete, war das Interesse von Sarah Peters an deren Position geweckt. Allerdings musste sie sich nicht nur gegen zahlreiche Mitbewerberinnen durchsetzen. Verwaltung und Politik stritten nämlich endlos lange, ob diese Position wieder mit einer Vollzeitstelle zu besetzen sei oder ob nicht eine halbe reiche. Eine bereits vom vorherigen Stadtrat getroffene Entscheidung zugunsten einer halben Stelle wurde vom neuen gekippt, mit dem Ergebnis, dass Sarah Peters sich nun in Vollzeit in ihrem Traumberuf um Gleichstellungsbelange kümmern kann.

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