Experte referiert

LEB-Diskussionsreihe „Landwirtschaft heute“ fehlen die Diskutanten

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Dr. Christian Hanisch (links) bedankte sich mit einem Buchgeschenk beim Referenten des Abends, Dr. Joachim Wendt.

Hoya - Von Heiner Büntemeyer. Die dritte Runde der Informationsreihe „Landwirtschaft heute“ mit dem Thema „Pflanzenschutz und Verbraucher- und Umweltschutz“ war leider wieder nur von knapp 20 Zuhörern besucht.

Sie wurden im „Lindenhof“ in Hoya von Dr. Christian Hanisch (Bücken) begrüßt, der ihnen den Referenten des Abends, Dr. Joachim Wendt, vorstellte, den Leiter des Pflanzenschutzamts Nienburg der Landwirtschaftskammer Hannover.

Hanisch, der selbst im Bereich Pflanzenschutz promoviert hat, gab zu, dass sich seit seiner Promotion vieles verändert hat. Speziell in diesem Bereich gebe es Themen, die sehr kontrovers diskutiert werden. Um so wichtiger seien solche Veranstaltungen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass miteinander reden weiterhilft“, sagte er.

Aber wie schon bei den vorangegangenen Veranstaltungen dieser Reihe blieben nach dem Referat Gegenpositionen aus. Selbst bei dem sensiblen Thema „Glyphosat“ gab es keine zwei Meinungen: Eine Alternative gegen den Einsatz von Glyphosat sei die mechanische Unkrautbekämpfung, doch die sei sehr zeit- und energieaufwendig. Auch der Einsatz von Nützlingen sei durchaus als Alternative denkbar. An dieser Lösung werde gegenwärtig intensiv geforscht, erklärte Wendt.

Pflanzenschutz: mehr als Gifteinsatz

Er hatte zuvor in einem Referat über das Pflanzenschutzgesetz, über Voraussetzungen für eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und über die Institutionen informiert, die eingeschaltet sind, bevor die Zulassung eines Wirkstoffs erfolgt.

Pflanzenschutzmittel hätten die Aufgabe, Kulturpflanzen vor Schäden zu schützen. Dabei müsse sichergestellt sein, dass bei der Anwendung keine Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Tieren zu erwarten sind.

Pflanzenschutz sei nicht allein auf den Einsatz von Wirkstoffen begrenzt, er beinhalte auch vorbeugende pflanzenbauliche und resistenzfördernde züchterische Maßnahmen.

Eine große Rolle spielt dabei der Integrierte Pflanzenschutz. Diese Form der Bewirtschaftung beschränkt die Anwendung der Mittel auf das erforderliche Maß. Dabei beginne Pflanzenschutz schon bei der Wahl des Standorts der Pflanzen. Weitere Parameter seien Fruchtfolge, Sortenwahl, Saat- oder Pflanztermin, Bodenbearbeitung und Düngung.

Von allen Anwendern werde ein Sachkundenachweis verlangt. „Beim Pflanzenschutz bleibt nichts dem Zufall überlassen, der Einsatz der Mittel erfolgt nach genau definierten Strukturen und Schadschwellen“, sagte Wendt. Selbst für die dabei zum Einsatz gelangenden Geräte und Maschinen müssten genaue Standards eingehalten werden.

Zulassung: hohe Hürden

Für die Zulassung eines Wirkstoffs gibt es verschiedene Ausschluss-Kriterien. Mittel, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, das Erbgut zu verändern, die Fortpflanzung zu gefährden oder hormonelle Schäden hervorzurufen, hätten keine Chancen auf eine Zulassung. Selbst bereits zugelassene Mittel werden weiter überprüft, wobei auch eine Rückstandsbewertung erfolgt. Dabei werde der Verbleib der Substanzen im Boden, im Wasser oder in der Luft ermittelt.

Die Zulassungen erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) darüber hinaus nur im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt.

Wendt sprach auch Problemfelder an, zu denen er den starken Rückgang der Insekten ebenso zählte wie Rückstände im Grundwasser. Diese seien nicht allein dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zuzuschreiben.

Saumbiotope, Blühstreifen, Bienenwiesen und Gewässerrandstreifen seien neben den bereits beschriebenen Vorschriften und einer umfangreichen Dokumentation seitens der Landwirte sichtbare Maßnahmen zum Umweltschutz.

Quelle: kreiszeitung.de

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