Jugendlicher als Zeuge vernommen

17-Jähriger soll im Prozess um versuchten Totschlag gelogen haben

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. In dem Verdener Landgerichtsprozess um einen versuchten Totschlag am Vatertag dieses Jahres am Nienburger Rolle-See soll am Mittwoch die Beweisaufnahme geschlossen und plädiert werden. Einen Zeugen will die Kammer noch hören, und dieser ist, wie alle anderen Zeugen, zur Wahrheit verpflichtet. Andernfalls kann es mächtig Ärger geben. Der kommt nun auf einen 17 Jahre alten Afghanen zu, der besonders dreist gelogen haben soll.

„Es lohnt sich nicht, bei Gericht etwas Falsches auszusagen. Das ist für einen selbst sehr, sehr schlecht. Also schön bei der Wahrheit bleiben“, hatte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe dem 17-Jährigen vor Beginn der Aussage noch verdeutlicht. Der in Nienburg wohnende Zeuge war am Tattag mit dem Angeklagten und Freunden unterwegs gewesen. Der Angeklagte soll dabei eine Glasflasche zerschlagen und dem Opfer den scharfkantigen Flaschenhals in den Hals gerammt haben.

Davon will der Zeuge nichts mitbekommen haben. Er habe nur ganze Bierflaschen gesehen, übersetzte eine Dolmetscherin. Dass er der Freundin des Angeklagten später etwas anderes erzählt habe, stimme nicht. Da wurde der Vorsitzende das erste Mal laut. Dann behauptete der Zeuge, dass er zum Zeitpunkt der Tat rund 300 Meter entfernt gewesen sei. Bei der Polizei soll er von 100 Metern gesprochen haben. „Ich habe es nicht gesehen. Ehrlich“, übersetzte die Dolmetscherin.

„Sie verspielen Ihre eigene Zukunft in Deutschland“

Der Zeuge wurde an den Richtertisch gebeten. Ihm wurden Fotos gezeigt, auf denen er neben dem Angeklagten zu sehen ist. Der Zeuge setzte zu Erklärungsversuchen an, die für Zuhörer nicht verständlich waren. Dann wurde der Vorsitzende laut: „Jetzt lügen Sie nicht schon wieder. Da stehen Sie, und da ist der Angeklagte mit einer abgebrochenen Flasche in der Hand.“

Dann versuchte es die Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. Eine Falschaussage habe weitreichende Konsequenzen, erklärte sie dem Zeugen. Sie habe eine Anfrage des im Asylverfahren zuständigen Bundesamtes vorliegen. „Die möchten wissen, ob Hinweise bestehen, dass Sie eine Straftat begangen haben“, erklärte sie dem Zeugen. Der 17-Jährige war zu Beginn der Ermittlungen selbst als Beschuldigter geführt worden, weil er Blut an der Kleidung hatte. „Sie können sich ausrechnen, was passiert, wenn ich dem Bundesamt mitteile, dass Sie hier heute nachweislich gelogen haben.“ „Sie verspielen Ihre eigene Zukunft in Deutschland“, ergänzte der Vorsitzende. „Wenn Sie verurteilt werden, dann ist die Abschiebung nicht mehr weit.“

Angeklagte bleibt bei Aussage

Der Angeklagte bekam die Möglichkeit, seine Aussage zu korrigieren, zeigte sich aber völlig unbeeindruckt. Er hab in die andere Richtung geguckt. Was er gesehen habe, habe er gesagt. „Und wenn Sie noch hundert Mal fragen, werden Sie die gleiche Antwort bekommen. Ich habe nicht gelogen. Ich wohne hier. Ich habe ein gutes Leben hier“, übersetzte die Dolmetscherin den Abschluss der Zeugenaussage. „Nicht mehr lange“, merkte der Vorsitzende an.

Quelle: kreiszeitung.de

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