TEIL 14 DER SERIE

Straßenzüge in Hoya: Woher hat die Wulzer Straße ihren Namen?

Eine Aufnahme, die um 1900 entstand: Das Gesinde versammelt sich vor dem Niedersachsenhaus des Gutes Wulzen.
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Eine Aufnahme, die um 1900 entstand: Das Gesinde versammelt sich vor dem Niedersachsenhaus des Gutes Wulzen.

Hoya – Der etwa 400 Meter langen, in Höhe des heutigen Ärztezentrums in leicht nordwestlicher Richtung von der Von-Kronenfeldt-Straße abzweigenden und auf dem Kuhkamp mündenden Wulzer Straße gilt der 14. und letzte Teil der Serie über Hoyaer Straßenzüge. Mit ihr endet der Rundgang durch die Stadt an seinem Ausgangspunkt Von-Kronenfeldt-Straße.

  • Im letzten Teil der Serie über die Hoyaer Straßenzüge geht es um die Wulzer Straße.
  • Der Name Wulzer Straße stammt ursprünglich vom nahe gelegenen Gut Wulzen.
  • Das Gut Wulzen befindet sich heute im Besitz der Hitzackers.

Wulzer Straße war zuerst nur ein einfacher Feldweg - Erschließung eines Baugebiets umfasst auch diesen

Mit der Anlage der bis dahin nur als einfacher Feldweg bestehenden Straße wurde 1936 begonnen. Das Hoyaer Wochenblatt notierte am 14. September: „Ein neues Baugebiet soll hier demnächst erschlossen werden. Der zwischen den Grundstücken des Kreistierarzt Dr. Hemprich und Tierarzt Dr. Beckendorf nach dem Kiebitzberge führende Feldweg ist in seinem ersten Teil hierfür streckenmäßig ausgebaut.

Das Steinmaterial hat der Bauunternehmer Johann Zech, der an diesem Weg seinen Garten hat, in dankenswerter Weise der Stadt geschenkeweise überlassen. Hinter dem Zechschen Grundstück liegt das der Stadt gehörende Baugelände. Hier ist eine Siedlung geplant, wozu sich bereits sechs Volksgenossen gemeldet haben.“

Die eigentliche Bebauung hat aber offenbar erst nach dem Krieg eingesetzt, denn der überwiegende Teil der Häuser wurde in dem typischen, auch heute noch gut zu erkennenden Stil der 1950er-Jahre gebaut. Wie die Kreiszeitung am 25. April 1962 notierte, ist einige Jahre später auf dem Gelände jenseits des als Emte bezeichneten Grabens ein Gewerbe- und Kleinindustriegebiet entstanden, in dem sich damals unter anderem die Firmen Oehlschläger und Sorger angesiedelt haben.

Name der Straße stammt vom Gut Wulzen - Meierfamilie wird auch als „zu Wulzen“ bezeichnet

Benannt ist die Straße nach dem nicht weit entfernten Gut Wulzen, das sich als Einzelgehöft auf einem flachen Dünenrücken vor den Toren der Stadt befindet. Wie hier gefundene steinzeitliche Artefakte vermuten lassen, haben auf dem zur heutigen Kommune Hilgermissen gehörenden Gebiet schon vor langer Zeit Menschen gesiedelt. Dem 2006 erschienenen Buch „Die Rittergüter der Hoya-Diepholz’schen Landschaft“ von Thorsten Neubert-Preine ist zu entnehmen, dass Wulzen vor 1300 noch Bruchhauser Gut, danach aber ein Lehen der Hoyaer Grafen gewesen sein soll.

Das zunächst wohl noch aus Haupthof (Kurie) und weiteren Einzelhöfen bestehende Gut wurde mit dem Aussterben der Hoyaer Grafenlinie im Jahr 1582 und der damit verbundenen Übernahme der Herrschaft durch die welfischen Herzöge aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, zu einem Vollmeierhof vereinigt. Auf dem Haupthof scheint von alters her ein und dieselbe Meierfamilie ansässig gewesen zu sein, für die seit mindestens 1576 auch die Bezeichnung „zu Wulzen“ belegt ist.

Mit Johann Phillip zu Wulzen starb die Familie dann aber 1761 im Mannesstamm aus, seine Witwe Rebecca geb. Kanenbley heiratete zwei Jahre später den Vollmeier Johann Joachim Rumpf. Das hier 1742 errichtete Niedersachsenhaus (siehe Bild) wurde 1986 abgebrochen, die auch auf der Aufnahme gut zu erkennenden Spruchbalken sind jedoch noch vorhanden.

Heute ist das Gut Wulzen im Bezug der Hitzackers - Gut wird 1884 lantagsfähig

1819 musste der Hof liquidiert werden. Er wurde von dem späteren Steuerschätzer Johann Friedrich Meyer, der auch darauf lastende Schulden in Höhe von 16000 Taler übernahm, für 6000 Taler erworben. Seine Nichte Dorothea Meyer heiratete 1854 den Wasserbau-Inspektor und späteren Baurat Eduard Heye aus Hitzacker, wodurch das Anwesen an dessen Familie kam, in deren Besitz es sich auch heute noch befindet.

Nach dem Erwerb des Stimmrechtes eines ehemaligen Nienburger Burgmannshofes wurde Wulzen mit königlichem Erlass vom 13. Oktober 1884 zum landtagsfähigen Gut erklärt. Eine lesenswerte Darstellung seiner Historie findet sich im Übrigen in dem erwähnten Buch von Neubert-Preine.

Die Wulzer Straße: vorne rechts das Haus des ehemaligen Kreistierarztes Hemprich.

Mit der Wulzer Straße endet die an Personen- oder Familiennamen geknüpfte Serie über Hoyaer Straßen. Ergänzend aber noch einige Anmerkungen: Die Quellenlage zu den vorgestellten Straßen ist recht unterschiedlich, die Bandbreite reicht von spärlich bis umfassend. Es war daher nicht in allen Fällen möglich, vertieft und detailliert auf sämtliche relevanten Aspekte einzugehen, zumal vieles auch nicht schriftlich fixiert ist, sondern nur im kollektiven Gedächtnis der Einwohner fortlebt.

Straßen ausschließlich nach Männern benannt - Anstoß auch Frauen für Namensgebung einzubeziehen

Auffallend ist darüber hinaus, dass es in Hoya weder nach Frauen, noch nach früheren jüdischen Einwohnern benannte Straßen gibt. Die den Namen Marion Blumenthals tragende Oberschule ist bislang die einzige öffentliche Einrichtung, die entsprechend bedacht wurde. Da zweifelsfrei ausreichend in Betracht kommende Personen vorhanden sind, sollten bei künftigen Namensvergaben vielleicht auch einmal Überlegungen in diese Richtung angestellt werden.

Die in Hoya zur Welt gekommene Frauenrechtlerin Paula Müller-Otfried (1865-1946), die hier geborene Johanna Pilz (1908-2009), Erfinderin der Baby-Tragetasche und Verfasserin einer noch im hohen Alter zu Papier gebrachten Autobiografie, sowie der ebenfalls von hier gebürtige Mäzen Dr. Julius Elias (1861-1927), wären sicherlich geeignete Anwärter, um nur drei mögliche Namen zu nennen.

Am Rande sei noch vermerkt, dass einige der Hinweistafeln an den Straßenschildern ungenaue, vereinzelt sogar falsche Angaben tragen.

Von Uwe Campe

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