„Demokratielotsen sind radikale Minderheit“ / Erste Zertifikate in Heimvolkshochschule übergeben

Sie sind keineswegs „Spitzel“

Neun Demokratielotsen haben ihre Ausbildung an der HVHS in Loccum vollendet. Sie engagieren sich künftig „gegen Gleichgültigkeit und für den Schutz der Demokratie“.

Nienburg - Von Beate Ney-JanßenLOCCUM · Mit der Ausbildung zu Demokratielotsen hat das Land Niedersachsen ein Pilotprojekt gestartet, das deutschlandweit einmalig ist. Die erste Ausbildung haben inzwischen neun Niedersachsen in der Evangelischen Heimvolkshochschule (HVHS) in Loccum absolviert.

Nicht nur Stephan Walter, Leiter der „Niedersächsischen Extremismus-Informationsstelle“ (NIS) im Innenministerium, war neugierig auf die ersten Niedersachsen, die Demokratielotsen geworden sind. Auch seine Tochter Charlotte wollte gerne erfahren, was dort an zwei Wochenenden in der Heimvolkshochschule eigentlich gemacht worden ist. Bis die Zwölfjährige sich selbst zu einem Kursus der Demokratielotsen anmelden kann, muss sie allerdings noch vier Jahre warten. Ein Alter von 16 Jahren ist aber auch die einzige Zugangsvoraussetzung.

Marie Gießler und Larissa Lüder haben dieses Alter erreicht – und gehören zu den ersten Demokratielotsen Niedersachsens. Den Altersdurchschnitt haben die beiden Loccumer Schülerinnen damit erheblich gesenkt. Mehr über Demokratie wollten sie erfahren und sich gern auch selbst engagieren. „Wir können jetzt wählen gehen“, sagt Marie – das war ein Beweggrund. Hinzu kam, dass der Kursus nah an ihrem Wohnort stattfand und auch für Bewerbungen für die Zeit nach der Schule sei die Teilnahme sicherlich sinnvoll, meinen beide. Eigene Projekte in Rehburg-Loccum mit ihrem Wissen als Demokratielotsen wollen sie jetzt folgen lassen.

Finanziert werden die Kurse vom Niedersächsischen Verfassungsschutz. Wenn Stephan Walter von dessen Leitbild erzählt, ist er in seinem Element. Die landläufige Meinung über den Verfassungsschutz habe wenig mit der Wirklichkeit zu tun, sagt er, mit den Kursen sollten auch keineswegs „Spitzel“ ausgebildet werden. Es gelte, Vorurteile zu überwinden, der Kalte Krieg sei schließlich vorbei. Das Leitbild sei vielmehr der mündige, aufgeklärte Bürger. Und um dem Namen gerecht zu werden und die Verfassung zu schützen, sei eben dieses zu fördern, denn in erster Linie schützten die Bürger die Demokratie.

Um dieses Ziel zu fördern, habe Niedersachsen als erstes Bundesland die Demokratielotsen-Ausbildung angeboten. Was Demokratie überhaupt ist, was und wer sie gefährdet und was der Einzelne dagegen tun kann – das seien die Inhalte der Kurse.

Von den Teilnehmern erhofft sich Walter nun, dass sie in ihren jeweiligen Kommunen Projekte initiieren, die Demokratie sowie das Miteinander der Kulturen und Generationen fördern, die gegen die Gleichgültigkeit arbeiten und andere für diesen Weg begeistern. Den ersten Lotsen gab Walter scherzhaft mit auf den Weg, dass sie eine „radikale Minderheit“ seien.

Wer selbst Interesse an der Teilnahme an einem der kostenfreien Kurse hat (der nächste beginnt am Freitag, 18. März), bekommt nähere Informationen in der Heimvolkshochschule unter Tel. 057 66 / 96 09 51 oder im Internet unter

WWW.

hvhs-loccum.de

Quelle: kreiszeitung.de

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