Papierfabrik modernisiert Maschine

Smurfit Kappa investiert 35 Millionen Euro in Hoyaer Standort

In der Papiermaschine 2 will der Konzern die mehrere Hundert Tonnen schwere Presspartie (rechts im Bild) austauschen und durch eine neue Technologie ersetzen. Damit könnten dann laut Geschäftsführer Andreas Noss 1 250 Meter Wellpappenrohpapier pro Minute produziert werden.
+
In der Papiermaschine 2 will der Konzern die mehrere Hundert Tonnen schwere Presspartie (rechts im Bild) austauschen und durch eine neue Technologie ersetzen. Damit könnten dann laut Geschäftsführer Andreas Noss 1 250 Meter Wellpappenrohpapier pro Minute produziert werden.

Hoya – Die Papierfabrik Smurfit Kappa will am Standort Hoya eine Großinvestition vornehmen. 35 Millionen Euro lässt sich der Konzern die neue Technologie kosten.

Es ist heiß. Und laut. Fast schon tropische Temperaturen herrschen in der Halle, in der die Papiermaschine 2, kurz PM 2, steht. Ihre Walzen rattern an sieben Tagen in der Woche ohne Unterlass. Jetzt steht genau hier eine Großinvestition an: Der Konzern Smurfit Kappa tauscht die komplette und mehrere Hundert Tonnen schwere Presspartie der PM2 aus und ersetzt sie durch eine neue Technologie.

„Damit können wir dann 1 250 Meter Wellpappenrohpapier pro Minute produzieren“, sagt Andreas Noss, Geschäftsführer von Smurfit Kappa in Hoya. „Das entspricht einer Steigerung von 25 Prozent“, erläutert der 56-Jährige.

Damit kann die PM2 ab 2023 insgesamt 450 000 Tonnen Wellpappenrohpapier pro Jahr produzieren – das sind 70 000 Tonnen mehr als aktuell. Damit hat das Werk nach dem Umbau eine Gesamtkapazität von 535 000 Tonnen pro Jahr. Rund 35 Millionen Euro lässt sich der Konzern diese Modernisierungsmaßnahme kosten. „Investitionen in unserer Branche sind immer sehr langfristig angelegt“, weiß Andreas Noss. So habe die aktuelle Presspartie der PM 2 bereits 30 Jahre Einsatz auf dem Buckel. Die zweite Papiermaschine am Standort, die PM 4, die Faltdeckelkartons produziert, stammt gar von 1956.

Dass Smurfit Kappa gerade am Standort Hoya so investiert, komme nicht von ungefähr. „Wir sind hier von der geografischen Lage die Drehscheibe für Transporte nach Polen und Skandinavien. Und mit dieser Investition werden wir die leistungsstärkste Maschine in Europa im Smurfit Kappa-Firmenverbund haben“, freut sich Andreas Noss.

Die Papiermaschine 2 sei bereits nach und nach modernisiert worden. Die neue Presspartie bildet den Schlusspunkt der Modernisierung der 7,50 Meter breiten Maschine. In dieser wird Altpapier zu hochwertiger Wellpappe verarbeitet: In der Siebpartie werden zunächst stark verdünnte Fasern zusammen mit Wasser auf Siebe aufgespritzt. „Das Wasser läuft weg, die Faser bleibt“, erläutert Andreas Noss. Und doch stecken zu diesem Zeitpunkt noch 80 Prozent Wasser in der Faser. Dann gelangt das Papier in die Presspartie. Hier wirken starke Kräfte: Bis zu 1 400 Kilonewton beträgt der Pressdruck, der das Wasser aus dem Papier drückt. „Dabei presst eine Walze gegen ein stehendes Element, das ist die sogenannte Schuhpressentechnologie“, sagt Andreas Noss. Am Ende dieses Prozesses verbleiben noch immer 45 Prozent Wasser im Papier, das im Anschluss in die Trocknung geht.

Dass das Werk in Hoya durch die neue Presspartie noch leistungsfähiger wird, freut den Geschäftsführer. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort“, sagt er über die Investitionsmaßnahme, die bis Anfang 2023 abgeschlossen sein soll.

Darüber hinaus nimmt der Konzern weitere 15 Millionen Euro in die Hand, um das Werk zukunftsfähig aufzustellen: „Es macht Sinn, aus Abwasser Energie zu holen“, freut sich Andreas Noss angesichts der neuen Biogasreinigung, die im Bereich der Abwasserkläranlage entstehen soll. Durch das Biogas werden acht bis neun Prozent vom aktuellen Brennstoffeinsatz ersetzt, der zur Dampfproduktion benötigt wird. „Das spart CO2“, sagt der Geschäftsführer und macht auf eine weitere Investition aufmerksam: „Im Moment hat jeder unserer beiden Papiermaschinen ein eigenes Kraftwerk. Wir bauen einen neuen Erdgaskessel, um künftig mit einem Kraftwerk beide Maschinen mit Energie zu versorgen. Ab Anfang 2022 soll das erweiterte Kraftwerk in Betrieb gehen.“ Damit wird das Kraftwerk, das noch aus den 1950er Jahren stammt und die Papiermaschine 4 bedient, obsolet.

Genau wie ein Wahrzeichen von Hoya, das im Zuge der Maßnahmen fallen wird: Über kurz oder lang werde auch der das Ortsbild prägende Schornstein abgerissen, da er nicht mehr benötigt werde, sagt Andreas Noss. Mit allen aktuellen Projekten am Standort werden zehn Prozent CO2 eingespart. „Das ist ein erster wichtiger Schritt“, sagt der Geschäftsführer.

Darüber hinaus arbeite der Konzern an einer Strategie zur Klimaneutralität. „Wir versuchen zum Beispiel, unseren Bahnanteil immer weiter zu erhöhen.“ Am Standort Hoya werden derzeit bereits 18 Prozent aller Transporte über die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH) abgewickelt. „Wir wollen mehr Lkw-Transporte durch die Bahn ersetzen“, sagt Andreas Noss, der auch weiß: „Der Lkw ist flexibler.“ Auf dem Weg der weiteren Umstellung müsse man daher auch die Kunden mitnehmen und überzeugen sowie die internen Abläufe anpassen und abstimmen. „Wie es gehen kann, machen uns die Skandinavier vor. Die sagen uns, dass wir mit der Bahn liefern müssen.“

Mit dieser Investition werden wir die leistungsstärkste Maschine in Europa im Smurfit Kappa-Firmenverbund haben.

Der Geschäftsführer unterstreicht: „Wir investieren aber in Hoya nicht nur in Prozesse, sondern auch in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Neue Sozialräume mit Umkleiden und Duschen sind das Eine, die Hallenfassade der Papiermaschine 2 das Andere. „Hier werden wir große Fensterflächen im Rahmen der Sanierung der Hallenfassade einbauen, damit Tageslicht in die Halle kommt“, sagt der Geschäftsführer. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden lobt er sehr. Dabei müsse man nicht immer einer Meinung sein. „Wir brauchen einfach Leute, mit denen man sich konstruktiv und lösungsorientiert an einen Tisch setzen kann.“ Genau das sei in Hoya der Fall.

Die Corona-Pandemie beeinträchtigte das Unternehmen übrigens kaum. Von Anfang an habe es im Werk strikte Hygienemaßnahmen gegeben, nur vereinzelt seien Infektionsfälle aufgetreten. Auf dem Markt habe das Unternehmen auch kaum Einbrüche erfahren, eher das Gegenteil sei der Fall gewesen: „Die Nachfrage an beiden Maschinen war höher als sie vor der Pandemie war“, sagt Andreas Noss. Der gute Konsum habe seinen Beitrag dazu geleistet, vermutet er. Und auch Branchen, die die Produkte von Smurfit Kappa benötigen, seien von der Pandemie kaum betroffen gewesen, berichtet der Geschäftsführer und nennt die Pharma-Industrie, Drogerieketten oder den Internethandel als Beispiele.

Das Karton-Ergebnis hätte sich in 2021 gar verdoppelt, führt er aus. Davon profitierten alle rund 340 Beschäftigten des Werks: Jeder erhielt je einen 50 Euro Bruvi- und einen 50 Euro Hoya-Gutschein. „Unser Hintergedanke war es dabei, nicht nur unseren Leuten, sondern auch der Region und dem Einzelhandel vor Ort etwas Gutes zu tun. Eine echte Win-Win-Situation also“, erzählt Andreas Noss.

Übrigens: Zu 100 Prozent wird im Werk in Hoya Altpapier verarbeitet. Das sei mit Abstand der größte Kostenfaktor, so Noss. Für Smurfit Kappa sei Altpapier der Rohstoff schlechthin – „das ist sogar ein internationales Handelsgut.“ Das derzeit ebenfalls große Preissteigerungen aufweist: „Im vergangenen halben Jahr hat sich der Preis fast verdoppelt“, sagt Andreas Noss. Auf diesen Rohstoff schwört der Geschäftsführer: „Unser Produkt ist komplett biologisch abbaubar“, sagt er. Recycelte Kunststoffe könnten da lange nicht mithalten: „Wir haben hier eine Recyclingquote von 100 Prozent“, so der Geschäftsführer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Fußball

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet

Fußball-EM mit Show vor Italien-Türkei eröffnet
Fußball

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Löw-Stars vor EM: Kroos-Warnung und Sorgen um Hofmann

Skispringen: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Skispringen: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22
Politik

Überwiegend positive Reaktionen auf Papst-Brief

Überwiegend positive Reaktionen auf Papst-Brief

Meistgelesene Artikel

Die unglaubliche Reise des Nienburger Fußballers Jens Todt

Die unglaubliche Reise des Nienburger Fußballers Jens Todt

Corona im Landkreis Nienburg: Geringes Infektionsgeschehen

Corona im Landkreis Nienburg: Geringes Infektionsgeschehen

Nienburg: Keine Corona-Prämie von Helios

Nienburg: Keine Corona-Prämie von Helios

Am Heye See wird ab sofort durchgegriffen

Am Heye See wird ab sofort durchgegriffen

Kommentare