Junge aus Winzlar möchte Ziegenbauer werden

Spaziergang mit Ziege

Ein Junge hält eine Ziege an der Leine.
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Unterwegs auch bei minus 15 Grad: Fero zeigt seiner Ziege Schnucki die Landschaft.

Fero und Schnucki sind ein Pärchen, das Aufmerksamkeit erregt. Der Junge aus Winzlar und seine Ziege gehen regelmäßig gemeinsam spazieren.

Winzlar - von Beate Ney Janßen. Schnucki bockt. Kein Wunder. Minus 15 Grad können den Spaß an einem Ausflug schon mindern. Mit gutem Zureden und kurzer Leine macht Fero seiner Ziege Beine. Der Spaziergang kann beginnen.

Fero und Schnucki sind ein Pärchen, das Aufmerksamkeit erregt. Es ist schließlich nicht alltäglich, dass an einem Ende der Hundeleine ein Kind, am anderen eine Ziege läuft. „Sie soll doch mal was anderes zu sehen bekommen“, sagt Fero. Etwas anderes als Stall und Hof. Weswegen er täglich vom elterlichen Hof in Winzlar mit ihr loszieht. Mal über Feldwege zum Haarberg, mal auf dem Rundwanderweg am Steinhuder Meer.

Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten trottet Schnucki ergeben neben ihrem Herrchen her, hockt sich nur einmal nieder, um eine gelbe Pfütze auf den weißen Schnee rinnen zu lassen. Ohne diesen Schnee findet sie die Spaziergänge spannender. Hier einen Halm abrupfen, dort ein Blättchen fressen, macht ihr noch mehr Freude als die Landschaft. „Mal was anderes sehen“ ist Ansichtssache.

Schnuckis Herrchen hat etwas übrig für Landschaft. Und für Landwirtschaft. Fero ist gerade mal zehn Jahre alt, weiß aber schon genau, was er werden will: „Ziegenbauer.“ Eine ganze Ziegenherde ist sein Traum.

An diesem bitterkalten Vormittag besteht die künftige Herde lediglich aus Schnucki. Das wird sich bis zum Abend geändert haben, denn gleich will Fero mit seinen Eltern aufbrechen, um einen Ziegenbock auszusuchen. Der Bock, der Schnucki bislang Gesellschaft leistete, ist gestorben. Seitdem meckert sie kläglich im Stall. Trotz der täglichen Spaziergänge mit Fero fühlt sie sich einsam. Die Familie mag das nicht mehr anhören. Tierische Gesellschaft muss her.

Für Fero besteht nun wieder die leise Hoffnung, dass Schnucki irgendwann Zicklein bekommen wird. Mit leuchtenden Augen zeigt er auf das Feld hinter dem Hof. Das gehört seinen Eltern und dort sieht er förmlich schon Ziegen, Böcke und Zicklein springen. Den eigenen Ziegenhof müsste er sich aufbauen, denn Landwirtschaft haben seine Eltern nicht. Aber Fero ist zielstrebig.

25 Hühner nennt er schon sein eigen. Deren Eier darf die ganze Familie essen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Geschäftstüchtig ist er in anderer Beziehung. „Ich habe ein eigenes Lohnunternehmen“, sagt er, grinst breit und flitzt in die Scheune, um dieses Unternehmen vorzustellen.

Dort präsentiert er einen Rasenmäher-Trecker. Auf dem dunkelgrünen Lack leuchtet in gelben Lettern der Schriftzug „Feros Fuhr- und Mähservice“. Auf eigenem Rasen und bei Nachbarn, sagt seine Mutter lachend, sei er seit dem vergangenen Sommer mit dem Trecker unterwegs. Neuerdings auch mit einem vorgespannten Schneeschieber.

Fero ist also beschäftigt. Sehr sogar. Ziegen, Hühner, das Lohnunternehmen. Sein Opa bringt ihm das Drechseln bei und mit Freunden hat er sich eine Hütte gebaut. In Gummistiefeln und Arbeitskleidung fühlt er sich glücklich.

Dann kommt ihm sein großes Tagesereignis wieder in den Sinn. Der Ziegenbock. Seine Eltern sind soweit. Gleich geht es los. Bald muss Schnucki nicht mehr traurig meckern. Und Fero wird auf den Wegen um Winzlar mit zwei Ziegen an der Leine gesichtet. Bei jedem Wetter.

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