Spektakuläre Marketing-Maßnahme: Nienburg macht Namen zu Geld

Auf der „Red Bull Brücke“ über die „Vilsa“

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Probeweise montierten Bauhofmitarbeiter das neue Straßenschild für einen Tag. Wer will kann also heute  - passend zum aktuellen Datum - über die „Straße des 1. Aprils“ flanieren

Nienburg - von Leif Rullhusen. Harte Zeiten erfordern kreative Ideen: In der Kasse der Stadt Nienburg herrscht seit Jahren chronische Ebbe. Zahlreiche Projekte und dringende Sanierungsmaßnahmen befinden sich in der Warteschleife.

Eine spektakuläre Marketing-Maßnahme könnte in den kommenden Jahren Abhilfe schaffen und einen ordentlichen Batzen Geld in die ausgetrocknete Stadtkasse spülen: Bürgermeister Henning Onkes und Wirtschaftsförderin Kerstin Lüders greifen nach exklusiven Blickpunkt-Informationen nun zu einer Idee, die in dieser Form absolut einzigartig – grundsätzlich aber gar nicht so neu ist. Warum nicht die Namen prägnanter Objekte, Gebäude oder Straßennamen an Sponsoren verkaufen? Fußballvereine machen das schon seit langem.

„Die Stadt hat bereits einige Kontakte diesbezüglich zu regionelen Unternehmen geknüpft“, berichtet ein geheimer Informant aus internen Rathauskreisen. Für das Wesavi, die beiden städtischen Gymnasien und der Wesertorbrücke gebe es bereits Interessenten. Dieser Quelle zufolge wird die Albert-Schweitzer-Schule den Namen eines erfolgreichen Youtubers bekommen. Die stark an Popularität verlorene Jugendzeitschrift „Bravo“ soll als Namensgeberin des Marion-Dönhoff-Gymnasiums im Gespräch sein. Bezüglich der Wesertorbrücke verhandelt die Stadt angeblich mit einem großen östereichischen Sponsoren. Manager von „Red Bull“ sollen schon zu ersten Gesprächen in Nienburg gewesen sein.

Bei der Umbenennung von Straßennamen kann sich Lüders nach bislang noch unbestätigten Informationen auch die Vergabe an Privatpersonen vorstellen – so sie denn entsprechend tief in die Tasche greifen. Ähnlich, wie seit Jahren Wetter-Hochs und -Tiefs Namen bekommen, könnte das auch für Nienburgs Straßen organisiert werden – je nach Betrag für einen begrenzten Zeitraum oder auf Dauer. An der technischen Umsetzung arbeiten die Fachleute in der Stadverwaltung intensiv. Schließlich müssten nicht nur die Straßenschilder womöglich ständig geändert werden, auch die Anwohner hätten mit wechselnden Adressen zu kämpfen. „Kompliziert könnte es außerdem bei Nachbarschaftsstreitigkeiten werden. Stellen Sie sich vor, ihre Straße wird ausgerechnet nach ihrem verhassten Nachbarn benannt, weil der den Namen gekauft hat“, verdeutlicht der Rathaus-Informant gegenüber dieser Zeitung eine noch zu beseitigende Hürde. Relativ einfach ist dagegen das Problem der Straßenschilder zu lösen: Hier sollen digitale LED-Schilder die nötige Flexibilität gewährleisten.

Um eine langwierige Diskussion in den politischen Gremien – also in den entsprechenden Fachausschüssen und im Stadtrat – zu umgehen, greift der Bürgermeister womöglich in die Trickkiste. Ähnlich wie bei einer Haushaltssperre, die Onkes ja bereits vor acht Jahren verhängte, kann er aufgrund einer finanziellen Notlage entsprechende Maßnahmen im Alleingang umsetzen.

Ein großer Coup liegt bereits nahezu unterschriftsreif in der Schreibtischschublade von Bürgermeister Henning Onkes. „Wenn das klappt, wird die Weser zwischen Drakenburg und Landesbergen demnächst Vilsa heißen“, lässt ein weiterer Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung durchblicken. Große Hemmungen hat Onkes bislang wohl noch bei der Umbenennung des Rathauses. Dem Vernehmen nach soll ein Unternehmen aus der Erotikbranche einen siebenstelligen Betrag geboten haben. Daran geknüpft ist allerdings ein entsprechender Schriftzug am Weserrenaissance-Erker des historischen und stadtprägenden Gebäudes.

Auch ein prominenter Straßenname soll vergeben sein. Gerüchten zufolge wird Nienburgs Flaniermeile, die „Lange Straße, zur „Straße des 1. Aprils“ umbenannt, in Anlehnung an eine alte Tradition, die Menschen an diesem Datum aufs Glatteis zu führen. Ein Scherzartikelproduzent will hierfür wohl eine ordentliche Summe springen lassen.

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