William Boehart liest beim Salonabend in Hoya aus seinem historischen Roman „Das Judaskreuz“ vor

Auf Spurensuche nach dem Mörder

William Boehart las aus seinem Werk „Das Judaskreuz“ im Logenhaus der Hoyaer Freimaurer. Foto: HORST FRIEDRICHS

Hoya - Von Horst Friedrichs. „’Das Judaskreuz’ ist ein historischer Roman.“ So stufte William Boehart sein erstes belletristisches Werk ein. 500 Seiten stark, ist es auf dem deutschen Buchmarkt erschienen. Am Freitagabend las der Autor daraus im Haus der Hoyaer Freimaurerloge vor zahlreichen Gästen vor. William Boehart ist Historiker, und der Buchmarkt ist ihm nicht fremd. Allerdings hat er bislang nur Sachbücher innerhalb seines Fachgebiets geschrieben. Doch an dem für ihn neuen literarischen Metier habe er Gefallen gefunden, bekundete er vor seinem Publikum. Und in der ihm eigenen verschmitzten Art hielt er mit der Konsequenz nicht hinter dem Berg: „Ich habe angefangen, meinen zweiten Roman zu schreiben.“

Es war der zweite Salonabend der Loge „St. Alban zum Aechten Feuer“, den deren Vorsitzender Carlos Urban am Freitag mit einer Begrüßungsansprache eröffnete. Die für manchen Besucher zunächst ungewöhnliche Sitzreihenanordnung – im rechten Winkel zum Vortragenden saßen sich Zuhörer in jeweils zwei Stuhlreihen gegenüber – erklärte Urban mit einer 300 Jahre alten Tradition der Freimaurer: „So kann jeder jeden sehen.“ Dieser Vorteil schloss auch den Autor ein, der unter dem großen Wandgemälde Platz nahm, gleich neben einer stattlichen Anzahl seiner Bücher, die von der Hoyaer Buchhandlung „Die Leserei“ bereitgestellt worden waren.

Mit dem fundierten Hintergrundwissen eines Historikers verstand es William Boehart als bester Kenner seines Romans, prägnante Szenen und Kapitel herauszugreifen und vorzutragen, um seine Zuhörer in die atmosphärische Dichte, in den Handlungszeitraum und nicht zuletzt in die spannende Geschichte selbst zu entführen. Denn „Das Judaskreuz“ schildert nicht nur das Hamburg des 19. Jahrhunderts nach der Revolution von 1848, sondern vor diesem zeitlichen Hintergrund auch einen Kriminalfall um ein Kapitalverbrechen. Im Oktober 1879 ist Mölln der Schauplatz eines mysteriösen Mordes, den ein Hamburger Kriminalinspektor aufzuklären hat.

Mittels der roten Fäden seines Romans beschrieb William Boehart den Handlungsablauf und mehrere tragende Charaktere auf der Spurensuche nach dem Mörder – schließlich mit dem berüchtigten Hamburger Gängeviertel als Ort des verzwickten Geschehens. Gotthold Ephraim Lessing, über den William Boehart promoviert hat, spielt in seinem Roman eine wesentliche Rolle. Ebenso das Lessing-Denkmal, das 1881 auf dem Gänsemarkt in Hamburg aufgestellt wurde. Im Roman ist es der fiktive antisemitische Geheimbund „Das Judaskreuz“, der das Denkmal des großen Aufklärers Lessing mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Wie der Geheimbund damit scheiterte und, nicht zuletzt, wie der Mord in Mölln aufgeklärt wurde, verriet William Boehart seinem Hoyaer Publikum verständlicherweise nicht. Zum Schluss der Lesung hatten die Gäste indessen Gelegenheit, das Buch zu kaufen und vom Autor signieren zu lassen.

Sein Roman „Das Judaskreuz“ ist im August 2018 im Hamburger Osburg Verlag erschienen.

Info: Der Autor William Boehart

William Boehart ist US-amerikanischer Staatsbürger, 1947 in Woodstock, Illinois, nahe Chicago geboren. An der University of Chicago studierte er Geschichte, Literatur und Philosophie. 1975 kam er nach Deutschland, in das Land seiner Vorfahren, das ihn stets interessierte. An der Universität Hamburg setzte er sein Studium fort und promovierte dort schließlich über Gotthold Ephraim Lessing. Der Liebe wegen blieb er in Deutschland und lebt heute in Mölln.

Quelle: kreiszeitung.de

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