Standortentscheidung lässt Gräben bestehen

Obdachlosenunterkunft wird im Dienstleistungspark Meerbachbogen gebaut

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Jetzt steht fest, dass auf diesem Grundstück die neue Obdachlosenunterkunft der Stadt Nienburg gebaut wird.

Nienburg - Wenig besinnlich verlief die letzte Sitzung des Nienburger Stadtrates vor dem Weihnachtsfest. Die Diskussion um einen geeigneten Standort für die neue Obdachlosenunterkunft verdeutlichte erneut die unvereinbaren Gräben zwischen der Mehrheit der Ratsmitglieder, der Verwaltung und der Position der Grünen beziehungsweise der Liberalen.

Wie erwartet, stimmte der Stadtrat für einen Neubau im Dienstleistungspark Meerbachbogen. Daran bestanden nach dem eindeutigen Votum des Fachausschusses keine Zweifel. Fragen warf die vorangegangene Debatte trotzdem auf. Insbesondere die Grünen kritisierten die Verlegung der Obdachlosenunterkunft grundlegend und lehnten sie deshalb kategorisch ab. 

Die Stadt sei in der Vergangenheit sehr gut aufgestellt gewesen. Es habe genügend Unterbringungsmöglichkeiten gegeben – auch dezentral. „Das einzige Manko war die Bausubstanz der jetzigen Unterkunft in ,Zickzackhausen‘“, erklärte der Grünen-Fraktionschef Peter Schmithüsen. Die Stadt habe das Gebäude verfallen lassen, weil ein Investor Interesse an dem Areal hatte, warf er der Verwaltung vor. Für das Bauprojekt „Wohnen westlich des Meerbachs“ seien Personen vertrieben worden.

Differenzen bei der Grundstückswahl

Als das politische Gremium wenig später dem entsprechenden Bebauungsplan zustimmte, kommentierte Mechthild Schmithüsen (Grüne) das sarkastisch: „Wie passend, dass wir den Hinderungsgrund, die Wohnungslosen, gerade aus dem Weg geräumt haben.“ Die Stadt hatte das Grundstück, auf dem sich die marode Obdachlosenunterkunft derzeit befindet, bereits an den Investor verkauft, bevor ein Nachfolgestandort gefunden war. Die offizielle Begründung der Stadtverwaltung: Man habe sich damit selbst unter Zugzwang setzen wollen. Das ist allerdings keine Erklärung dafür, warum für den Neubau nicht das alte Gelände genutzt wird.

Es ist nicht der einzige Graben in der Debatte um die Obdachlosenunterkunft. Der zweite besteht hinsichtlich der Wahl eines passenden Grundstücks. Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes rührte noch einmal die Werbetrommel für das von der Politik längst abgelehnte stadteigene Grundstück neben der Feuerwehr. Die Lösbarkeiten hinsichtlich der Anforderungen des Feuerwehrbedarfsplanes habe die Stadt dargelegt, argumentierte der Bürgermeister.

Angst vor alkoholisierten, drogenabhängigen Obdachlosen

Heiner Werner (FDP) machte klar, dass dieses Grundstück kein Thema mehr sei. Man müsse sich allerdings fragen, ob der jetzt geplante Standort im Dienstleistungszentrum am Meerbachbogen der beste sei. Angesichts der benachbarten Polizei und des Krankenhauses würde er sich für den Bau einer Kindertagesstätte sowie einer Krippe eignen. „Hier vergeben wir uns die Chance einer Entwicklung“, erklärte Werner.

Philipp Keßler vermisste zu diesem Thema Kompromissbereitschaft. „Niemand möchte die Obdachlosen vor seiner Tür haben“, kritisierte er. Der Sozialdemokrat spielte damit auf die massive Ablehnung seitens der Eltern, Lehrer und Schüler der benachbarten drei Schulen des zukünftigen Standortes an. Die hatten im vorangegangenen Fachausschuss sowie in Schreiben an die Stadtverwaltung Angst vor alkoholisierten, drogenabhängigen Obdachlosen geäußert. 

„Mich hat erschreckt, dass es Menschen gibt, die glauben, ihr Kind bekommt Lernstörungen, wenn es einen Obdachlosen sieht“, kommentierte Rüdiger Altmann (SPD) diese Äußerungen. Solche Stimmungsmache blieb in der Sitzung des Stadtrates aus. Der Ratsbeschluss mit neun Gegenstimmen und einer Enthaltung zeigt indes, dass die Gräben zwischen den verschiedenen Positionen nach wie vor bestehen. - ru

Quelle: kreiszeitung.de

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