Kontroverse Themen folgen

LEB startet Diskussionsreihe mit rund 60 Gästen in Hoya

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Henrich Meyer zu Vilsendorf präsentierte Fakten und führte durch die Diskussion.

Hoya - Von Heiner Büntemeyer. Die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) hat am Montag eine Vortragsreihe zum Thema „Landwirtschaft heute: Miteinander reden – voneinander lernen“ gestartet. Im „Lindenhof“ in Hoya begrüßte der Vorsitzende der LEB-Kreisarbeitsgemeinschaft Grafschaft Hoya, Hans-Christian Hanisch aus Bücken, rund 60 Gäste und den Leiter der Bezirksstelle Nienburg der Landwirtschaftskammer, Henrich Meyer zu Vilsendorf, der die Veranstaltung moderierte, Fakten präsentierte und die Diskussion leitete.

Hintergrund dieser Diskussionsreihe ist der Wunsch, dass diese Gespräche und Diskussionen zu einem besseren Verständnis zwischen Verbrauchern und Landwirten führen, hatte Hanisch zu Beginn erklärt.

Ökonomische Zwänge und andere Gegner

Unter den Besuchern hielt sich die Zahl der Landwirte und die der Verbraucher in etwa die Waage, und es war schnell erkennbar, dass beide Seiten sehr an einer sachlichen Diskussion interessiert waren. Ein Gast brachte es gegen Ende des Abends auf den Punkt: „Artenschutz, Naturschutz und Landwirtschaft sollten eine Einheit bilden. Unsere Gegner sind andere.“

Es herrschte in sehr vielen Fragen Konsens auf beiden Seiten. Die Landwirte betonten, wie sehr sie an Natur- und Landschaftsschutz interessiert sind, dass es für sie aber auch ökonomische Zwänge gibt. Sie müssten sich um angemessene Erträge bemühen und ihre Tätigkeit auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten.

Meyer zu Vilsendorf erinnerte daran, dass die Bevölkerungszahl wächst, die landwirtschaftliche Nutzfläche abnimmt und von der Landwirtschaft gleichwohl erwartet wird, dass sie trotz weniger Fläche, weniger Dünger, weniger Pflanzenschutz mehr Lebensmittel und dazu Strom produzieren müsse.

Die Landwirtschaft sollte allen dienen, meinte eine Zuhörerin und bedauerte, dass bei Kindern die Umweltbildung nachlässt. „Wenn sie keine blühenden Pflanzen und keine Insekten mehr sehen, ist das für sie nicht mehr attraktiv“, erklärte sie.

Dagegen argumentierte ein Landwirt, einst sei von „Grüner Seite“ die Anregung gekommen, Landwirte könnten auch Energie produzieren, „und jetzt stören die Maisfelder links und rechts der Straßen“.

300.000 Jobs rund um die Landwirtschaft

Landvolk-Vorsitzender Tobias Göckeritz gab zu bedenken, das rund 1 600 Verordnungen und Gesetze die deutsche Landwirtschaft gegenüber der Weltwirtschaft benachteiligen und die EU-Subventionen dafür als Ausgleich dienen. Ein Beispiel: Wenn Gewässerrandstreifen und Blühstreifen angelegt werden müssen, fallen die Flächen dafür betriebswirtschaftlich aus und müssten entsprechend honoriert werden, was aber nicht der Fall sei. „Landschaftspflege ist für Landwirte ein Verlustgeschäft“, sagte Göckeritz.

Die Landwirtschaft sei ein bedeutender gesamtwirtschaftlicher Faktor, rund 300 000 Arbeitsplätze in Niedersachsen sind davon abhängig, aber die Preise gebe der Verbraucher vor, sagte Vilsendorf. Es tobe ein knallharter Wettbewerb, und der führe zu Zwängen, denen sich kein Landwirt entziehen könne. Die fünf größten Handelsketten bestimmten die Preise.

Bio-Produkte bringen den Landwirten kaum mehr Gewinn

Die Landwirte hätten doch eine sehr einflussreiche Lobby, warum sie diese nicht auch gegenüber den Handelsketten ausspielen, wollte ein Zuhörer wissen. Ein Hinweis auf die Gewinnmargen für die Erzeuger und eine Übersicht über die Sonderangebote, die an jedem Wochenende im Nahrungsmittelbereich von den Verbrauchermärkten angepriesen werden, beantworteten diese Frage. 

Bio- und regional erzeugte Produkte erzielen zwar höhere Preise, die aber nur bei einer Direktvermarktung den Landwirten zugutekommen. Bei einem Verkauf im Supermarkt sei die Gewinnmarge bei diesen Produkten nur unwesentlich höher als bei herkömmlichen.

Ob dieser Gesprächsabend zum gegenseitigen Verständnis beigetragen hat, bleibt offen, denn die besonders kontroversen Themen wie „Düngung und Wasserschutz“, „Pflanzen-, Verbraucher- und Umweltschutz“, „Tierhaltung und Tierschutz“ sowie „Landwirtschaft: Wie sieht die Zukunft aus ?“ sollen erst an weiteren Abenden im nächsten Jahr diskutiert werden.

Quelle: kreiszeitung.de

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