„Startoffensive“ als neue Möglichkeit im Jobcenter

Der Austausch für den Job ist Kern der Idee

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Tipps von den Beratern Matthias Witt (stehend links) und Dagmar Hütt (stehend rechts) sowie dem Initiator der Aktion, Dick Vink erhielt dieser Teilnehmer – und Vorschläge aus eigener Erfahrung von Absolventin Anja Wings (links).

NIENBURG. - Von Nikias Schmidetzki Aus den Niederlanden sind schon so einige Ideen nach Deutschland gekommen, vor allem aus dem Showgeschäft – häufig inklusive Moderator. Aus Helmond verbreitet Dick Vink seit einigen Jahren die Werkakademie „Startoffensive“ – seit Mai auch im Nienburger Jobcenter.

Der Grundgedanke dahinter: Die Arbeitssuchenden erhalten zwar Unterstützung von Vermittlern, helfen sich aber auch gegenseitig. Anja Wings war eine der ersten Absolventen des noch jungen Angebots. Ohne Ausbildung aber vielen Gelegenheitsjobs stand sie nach der Scheidung auf verlorenem Posten. „Ich fühlte mich wie aufgefangen“, sagt sie heute. Gemeinsam lernte sie in einer Gruppe mit Teilnehmern, die über unterschiedliche Hintergründe verfügten, nicht nur, wie sie sich bewerben kann, sondern auch Mitstreiter zum Austausch kennen.

25 Kunden befinden sich augenblicklich in der Maßnahme. 49 haben sie bereits beendet, 27 von ihnen stehen heute in einer Beschäftigung. Das sei eine richtig gute Quote, meint „Erfinder“ Dick Vink. Wie nachhaltig das Konzept ist, zeige sich aber erst in den kommenden Monaten. Aber wie funktioniert die Offensive? Intensiv setzen sich die Berater Matthias Witt und Dagmar Hütt mit den Betroffenen – allesamt haben sie frisch Arbeitslosengeld II beantragt – zusammen. In einem eigens dafür eingerichteten Arbeitsraum durchforsten sie Zeitungen und Internet nach Stellenangeboten, schreiben Bewerbungen und geben sich dabei stets gegenseitig Ratschläge. Die Resultate dürfen sie auf einem Speicherstick nach Hause nehmen, um für spätere Bewerbungen wieder schnell drauf zurückgreifen zu können. Und wenn es ernst wird, wenn das Vorstellungsgespräch ruft, sind Berater – wie auch wieder Teilnehmer – beim Training. „Sie gehen einfach auf einer anderen Ebene miteinander, als mit Mitarbeitern“, sagt Elke Schröder, Teamleiterin Markt und Integration beim Nienburger Jobcenter, über die Kunden. „Es entsteht so eine Art Netzwerk“, ergänzt Dagmar Hütt.

Als Selbsthilfegruppe will Anja Wings das Angebot nicht bezeichnen. Doch Dick Vink sieht das etwas anders. Und er muss es als kreativer Kopf hinter dem Projekt wissen: „Auf der einen Seite ist es Selbsthilfe.“ Allein schon die Kontakte, durch die möglich freie Stellen bekannt werden, die sonst vielleicht unentdeckt geblieben wären, sei ein nicht zu unterschätzender Punkt. „Auf der anderen ist die Hilfe der Mitarbeiter aber auch sehr wichtig“, ergänzt Vink. Und die – sogenannte Jobcoaches, Arbeitstrainer also, – blicken auf viele Jahre in ihrem Beruf zurück, kennen die Einrichtung und viele Kollegen. Dadurch entstünden kurze Wege im Haus, meint Matthias Witt. Ein Mehraufwand an Personal relativiere sich aufgrund Einsparungen an anderer Stelle, erklärt Dick Vink. Im optimalen Fall brauche es keine staatliche Unterstützung der Arbeitssuchenden mehr. Anja Wings ist zwar nach ihrer Teilnahme weiterhin hoch motiviert, das direkte Ergebnis der „Startoffensive“ hält sich bei ihr bislang allerdings in Grenzen: Drei Absagen habe es gegeben. Aber aufgeben will sie nicht. Mit vielen Teilnehmern ihrer Gruppe hat sie noch Kontakt, demnächst wollen sie sich treffen. Und den heutigen Arbeitssuchenden steht sie gern zur Seite: „Wenn ein Jobberater gesucht wird, ich würde sofort springen“, sagt sie – ihren Humor hat sie nicht verloren.

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