Sterben bleibt ein Tabu-Thema

Hospizverein „Dasein“ berichtet vor nur wenigen Zuhörern von seiner Arbeit

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Edeltraut Güttler und Franka Hannig (von links) berichteten von ihrer Arbeit für den Hospizverein.

Hoya - Von Uwe Campe. Im Rahmen ihrer diesjährigen Vortragsreihe hatte die katholische Erwachsenenbildung jetzt im Lindenhof Hoya zu einem Vortrag des Hospizvereins „Dasein“ eingeladen. Wie fast zu erwarten war, konnte Monika Berg aber nur wenige Interessierte begrüßen, stellt doch der Tod für die meisten Menschen immer noch ein TabuThema dar, mit dem sie sich - wenn überhaupt - nur mit großem Unbehagen und in der Regel auch erst dann auseinandersetzen, wenn sie von einem konkreten Fall im eigenen Umfeld betroffen sind.

Edeltraut Güttler, Vorsitzende des im Jahr 2006 gegründeten Vereins, vermittelte zunächst einen Überblick über dessen Struktur und Aufgabenfeld. Bereits der Vereinsname „Dasein“ macht die Ausrichtung deutlich, zielt er doch einerseits ganz allgemein auf die menschliche Existenz, andererseits aber auch auf die Bereitschaft, für andere da zu sein. Insgesamt gehören dem Verein derzeit etwa 80 Mitglieder an, von denen 21 nach vorheriger Ausbildung und Schulung als aktive Sterbebegleiter eingesetzt werden. Sein Einsatzbereich umfasst die beiden Samtgemeinden Hoya und Bruchhausen-Vilsen, die Finanzierung erfolgt ausschließlich aus den Mitgliedbeiträgen sowie aus Spenden.

Das Aufgabenfeld des Vereins beschrieb Güttler mit der Begleitung Schwerstkranker und Sterbender zu Hause und in Pflegeeinrichtungen. Dabei stehe immer der sterbende Mensch mit seinen Bedürfnissen nach Geborgenheit und Sicherheit, aber auch nach Selbstbestimmung und Würde im Mittelpunkt. Die derzeit 19 Begleiterinnen und zwei Begleiter, von denen bei Bedarf immer zwei für einen Fall zuständig seien, nähmen sich Zeit, um mit den Betroffenen über Krankheit, das gelebte Leben, Abschied und Trauer zu sprechen, wobei das dabei Erfahrene einer strikten Schweigepflicht unterliege. Auf Wunsch würden auch Familienangehörige und Freunde entlastet. Darüber hinaus könne man mit Ärzten, Sozialdiensten, Pflegekräften und Seelsorgern sprechen oder Kontakte herstellen.

Franka Hannig, eine der Begleiterinnen des Vereins, gab im zweiten Teil des Vortrags Einblicke in ihre Arbeit vor Ort. Die ehrenamtlichen Begleitungen erfolgen ambulant und sind frei von Religion und Weltanschauung. Sie beschränken sich allerdings ausschließlich auf Erwachsene, da für die Betreuung von Kindern besondere zusätzliche Anforderungen gelten. Die erste Kontaktaufnahme, die unter anderem durch ein ständig besetztes Bereitschaftstelefon möglich ist, geht immer von den Betroffenen aus, wobei der Kranke ausdrücklich involviert sein muss. Der Verein erscheint niemals irgendwo ungefragt.

Zu Beginn der Begleitung wird zunächst einmal versucht, unter Einbeziehung des Umfeldes des Kranken, aber unter strikter Wahrung seiner Privatsphäre, herauszufinden, wie diese im Einzelnen aussehen kann. Die Betroffenen stehen immer im Mittelpunkt und werden dort abgeholt, wo sie sich aufgrund ihres Krankheitsbilds und Krankheitsverlaufs befinden. Individuell wie die Menschen, so auch die Form der Begleitung, betonte Hannig. Manche wollen über den Tod sprechen, andere nur spazieren gehen, Kaffee trinken oder ein Buch lesen. Auch die Häufigkeit der Besuche, die selten weniger als eine Stunde dauern, kann von wöchentlich bis monatlich stark variieren, in akuten Fällen aber auch in kürzeren Intervallen erfolgen. In diesem Zusammenhang wurde aber Wert auf die Feststellung gelegt, dass der Hospizverein kein Pflegedienst sei und den Begleitern auch entsprechende Tätigkeiten untersagt seien. Auch das Thema „Sternenfahrten“ wurde kurz angeschnitten. Diese Fahrten sollen es den Kranken ermöglichen, Orte, die sie vor ihrem Tod gern noch einmal wiedersehen möchten, aufzusuchen.

Bevor die Zuhörer Gelegenheit hatten, auch über eigene Erfahrungen im Umgang mit Sterbenskranken zu berichten, erzählten die beiden Frauen noch von einigen Fällen, die ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind. So hat Edeltraut Güttler zwei Strampelanzüge für ein erwartetes Zwillingspärchen zu Ende gestrickt, nachdem die Kranke dazu kräftemäßig nicht mehr in der Lage war. In einem anderen Falle ist sie auch schon einmal von einer etwas „feineren Dame“ aufgefordert worden, in ihrer Wohnung Staub zu wischen. Unvergesslich bleibt für Franka Hannig der Fall, in dem eine Frau während der Phase der Begleitung von ihrer eigentlich tödlichen Krankheit wieder genesen ist.

Beide Vortragenden machten deutlich, dass das Lächeln und die Dankbarkeit eines todkranken Menschen den eigentlichen Lohn für ihr Engagement darstellten.

Quelle: kreiszeitung.de

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