Angeklagter sagt in Prozess aus

Steuerhinterziehung: Angeklagter aus Rehburg-Loccum muss sich in 14 Fällen verantworten

Landgericht Verden Steuerhinterziehung
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In dem Steuerhinterziehungsprozess vor dem Verdener Landgericht sagte der Angeklagte aus.

Verden - von Wiebke Bruns. Ein Mann aus Rehburg-Loccum muss sich vor dem Verdener Landgericht in 14 Fällen wegen Steuerhinterziehung verantworten. 1,5 Millionen Euro soll er hinterzogen haben.

Nach einem Lebensweg mit vielen Hindernissen klang das, was am Freitag ein 55 Jahre alter Angeklagter aus Rehburg-Loccum am Landgericht Verden geschildert hat. 1,5 Millionen Euro an Steuern, erwirtschaftet in den Jahren 2009 bis 2012, soll er laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Stade hinterzogen haben. Wegen Steuerhinterziehung in 14 Fällen muss er sich vor der 4. Großen Strafkammer verantworten.

Bei der Fortsetzung seiner Befragung am Freitag ging es vorrangig um den persönlichen Werdegang des gebürtigen Schleswig-Holsteiners. Trotz eines Handicaps hat er Hauptschule und eine Maurerlehre erfolgreich abgeschlossen. Später habe er eine Umschulung zum Tankstellenkaufmann gemacht. „Damals gehörte auch etwas Kfz-Bereich dazu“, erklärte er. Heute sei es mehr ein Bäcker.

Nach schwerem Motorradunfall keine volle Erwerbsfähigkeit mehr

1990 habe er sich mit einem Motorradladen selbstständig gemacht. „Mutig“, merkte der Vorsitzende Richter Markus Tittel an. Doch zweieinhalb Jahre später hatte er einen schweren Motorradunfall gehabt. Drei Jahre Reha, keine volle Erwerbsfähigkeit mehr. Mit 150 000 Mark Schulden habe er dagestanden.

„Dann rutschten Sie in die Windkraftbranche, wo große Zampanos unheimlich viel Geld verdienen“, so der Vorsitzende. Nebenbei vermietete der Angeklagte noch zwei Minibagger. Diese habe er gegen ein Motorrad getauscht. „Weil ich keinen Platz hatte, standen sie an der Straße und es wurde immer wieder gefragt, ob man die Mieten kann“, erklärte der aktuell als Lackierer arbeitende Angeklagte.

Angeklagter: Das Finanzamt ist verantwortlich

Ein ehemaliger Geschäftspartner schulde ihm 240 000 Euro. Der würde auch bezahlen, „wenn er könnte“, so der Angeklagte. Grund sei eine Insolvenz und dafür verantwortlich offenbar aus Sicht des Angeklagten das Finanzamt. Es sei um Umsatzsteuer gegangen, die wegen einer Rechnungsstellung fällig gewesen, aber noch gar nicht bei dem Geschäftspartner eingegangen sei. In diesem konkreten Fall hätte das Finanzamt auf die Forderungen verzichten können, so der Vorwurf des 55-Jährigen.

„Da war ich zickig und bockig und habe gesagt, das machen wir auch so“, erklärte der Angeklagte. Dies mündete in seiner Verurteilung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung. Die Strafe wurde 2012 erlassen, doch die Bewährungszeit lag damit in dem Tatzeitraum, um den es in dem aktuellen Prozess geht.

Sehr zurückhaltend war der Angeklagte mit seinen Antworten betreffend der Eigentumsverhältnisse an der Villa, in der er mit seiner Frau in Rehburg-Loccum lebt. Der Grund nachvollziehbar, die Gläubiger hätten darauf gerne Zugriff.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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