Umsetzung trotz Widerstand

Stolzenau: Neubau des Rewe-Marktes im Mittelpunkt der Einwohnerversammlung

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Das Gremium: (v. l.) stehend Bauamtsleiter Schräpel, Protokollant Schiller, Samtgemeindedirektor Beckmeyer, Bürgermeister Siemann, REWE-Vertreter Keil und Investor Niendorf im Gespräch mit den Einwohnern.

Stolzenau - Von Rovena Engehausen. Jens Beckmeyer, Direktor der Samtgemeinde Mittelweser, hatte die Stolzenauer zu einer Einwohnerversammlung eingeladen. Zusammen mit Bürgermeister Siemann, Bauamtsleiter Schräpel, REWE-Vertreter Keil und Investor Niendorf stellte er das Konzept für die Innenstadtentwicklung vor.

Hauptthema war das Bauvorhaben eines neuen Rewe-Marktes direkt im Ort. Um diesen Neubau realisieren zu können, sollen sechs Gebäude abgerissen werden, darunter auch die alte Post, das Glenewinkelhaus, das Beutlerhaus und – was bei vielen Stolzenauern besonders auf Widerstand stößt – auch das Haus der Sparkasse.

Mit Ausnahme des um 1875 herum erbauten Sparkassengebäudes, handelt es sich eher um schlichte Häuser, deren Abriss wohl niemanden gestört hätte, ständen sie nicht im Zusammenhang mit dem umstrittenen Bauvorhaben. Keines der Gebäude steht unter Denkmalschutz, das betonte der Stolzenauer Bürgermeister ausdrücklich.

Bauamtsleiter Schräpel gab einen Überblick über den Ablauf eines solchen Bauvorhabens. Aktuell wird die Öffentlichkeit nach § 3, Abs. 3, S. 3 BauGB und §4, Abs. 1 beteiligt. Mit der Einwohnerversammlung und vorausgegangenen Veranstaltungen ist die Gemeinde nach Auffassung von Beckmeyer ihrer Verpflichtung nachgekommen. Dennoch gibt es Kritik von der Interessengemeinschaft „Fassadenretter“, die dem Rat vorwirft, die Öffentlichkeit mit dem klotzigen Neubau vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben.

Der öffentlichen Auslegung der Bauplanung folgen weitere Verwaltungsschritte, ein Beschluss über die Durchführung muss gefasst und erneut öffentlich ausgelegt werden. Vier Wochen lang haben die Einwohner die Möglichkeit, sich zu informieren und Stellung zu nehmen. Erst dann kann die Gemeinde den Bebauungsplan beschließen.

Die einzelnen Abschnitte der Planung wurden umfangreich erläutert. Schutz und Erhalt von Straßenbäumen, Lärmbelästigung durch Lieferverkehr, Zufahrten und etliche weitere Punkte müssen berücksichtigt werden. Die Behauptung, dass es kein erhöhtes Verkehrsaufkommen geben werde, sorgte für bittere Heiterkeit beim Publikum. Für den Einwand eines Zuhörers, dass REWE doch sicher Vergleichszahlen aus anderen Märkten vorliegen habe und daher das Verkehrsaufkommen zuverlässig berechnen könne, erhielt der Sprecher denn auch zustimmenden Beifall.

Apotheker Dr. Thieß, der sich für die Sparkassenimmobilie interessiert hatte, erläuterte sehr ausführlich und verständlich, warum Erhalt und Einbindung des Anwesens in den neuen REWE-Markt nicht wirtschaftlich seien. Dazu zeigte er Bilder der Fassade und eines der zahlreichen Treppenhäuser im Inneren des Hauses. Zum Schutz vor Hochwasser wurden seinerzeit die Häuser in Wesernähe mit Hochkellern gebaut, sodass das Erdgeschoss ein Hochparterre und nur über Treppen zu erreichen ist. Ein ebenerdiger Zugang sei nicht möglich. Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte sowie Eltern mit Kinderwagen müssten entweder einen Treppenlift oder eine Rampe nutzen. Der Flachbau an der Rückseite ist statisch mit dem Haupthaus verbunden, er könne nicht einfach entfernt werden.

Investor Niendorf erläuterte den Entwurf des neuen Marktes, insbesondere ging er auf das Kongruenzgebot ein, welches bestimmt, dass umliegende Orte vor einem übermäßig hohen Abzug von Kaufkraftanteilen geschützt werden müssen. Sein Konzept beinhaltet die Ansiedlung einer Apotheke, zweier Ärzte und eines Reisebüros. Die Frage, ob es sich dabei um Ortsansässige oder um zusätzliche Angebote handle, beantwortete er mit dem Hinweis, dass derzeit noch keine konkreten Partner feststünden.

REWE-Vertreter Keil zeigte einen Kurzfilm, um zu veranschaulichen, wie der neue Markt aufgebaut sein wird. Zur Ausstattung gehört ein Backshop, ebenso ein Bereich, der für Internetbesteller vorgesehen ist.

Abschließend hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Im Verlauf der regen Beteiligung zeigte sich, dass die Stolzenauer durchaus unterschiedlicher Auffassungen sind. Für und Wider hielten sich in etwa die Waage. Die Initiatorin der „Fassadenretter“ und Investor Niendorf lieferten sich einen kurzen Schlagabtausch, der die verhärteten Fronten abbildete. Der Tenor seitens der Verwaltung ist jedoch trotz aller Widerstände, dass der Bebauungsplan so umgesetzt werden soll.

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