ASB, Polizei und Unternehmen äußern sich

Wenn in Hilgermissen Hausnummer 41 zu 33 wird

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Verwechslungsgefahr: Um eine Großbaustelle zu finden wurden Schilder aufgestellt, die den richtigen Weg weisen sollen. Foto: 

Hilgermissen - Von Marion Thiermann. Am Sonntag, 3. Februar, ist es soweit, in der Gemeinde Hilgermissen wird wieder abgestimmt, ob es zur Einführung von Straßennamen kommt oder nicht.

Die betroffenen Bürger sollten jedoch genau auf die Fragestellung achten, denn es wird nicht gefragt, ob Straßennamen eingeführt werden sollen, sondern: „Soll das Ergebnis der Bürgerbefragung von 2013 weiterhin Gültigkeit haben und deshalb keine Straßennamen in der Gemeinde Hilgermissen eingeführt werden?“. Wer also für Straßennamen ist, muss mit „Nein“ stimmen und wer dagegen ist, mit „Ja“. Genau wie im Jahr 2013 vor der letzten Abstimmung sind auch nun wieder Flyer mit unterschiedlichen Auffassungen der Befürworter und Gegner der Straßennamen im Umlauf.

Auf dem „Infozettel Straßennamen“ von der Wählerinitiative für Hilgermissen (WfH) wird erklärt, dass Straßennamen beim Melden von Notfällen helfen und zum schnelleren Eintreffen von Rettungskräften und Polizei beitragen würden. Zudem kommen laut dem Schriftstück auf die Bürger bei der notwendigen Änderung von Papieren, wie dem Personalausweis, keine Kosten zu.

Flyer gibt Überblick

Noch etwas ausführlicher, sogar mit Nennung der Ansprechpartner und deren Zitaten, ist der Flyer der „Interessengemeinschaft für Straßennamen“. Bezüglich der Argumente gleichen sich die beiden Flyer. Zudem beinhalten sie Beispiele, wie die neuen Adressen aussehen könnten. Darunter unter anderem Vorschläge wie „Wienberger Meyersweg“, „Niederboyen“, „Wecholder Kirchstraße“ oder „Heeser Freedehoopstraße“. Die Ortsnamen blieben also, entgegen der Behauptungen der Straßennamen-Gegner, dass dies nicht funktionieren würde, bestehen. Die Adressen würden einen Zusatz bekommen, wie etwa eine historische Flurbezeichnung, und dreizeilig bleiben. Ein weiterer Vorteil sei, dass Dörfer, die aus den derzeitigen Adressen verschwunden sind, wie Dahlhausen, Niederboyen, Fredelake und Hellberg, wieder auftauchen sollen.

Vor einigen Tagen hatten die Verantwortlichen des „Bürgerbegehrens gegen Straßennamen“ Plakate mit der Aufschrift „Wir brauchen keine Straßennamen in Hilgermissen“ aufgehängt. Diese wurden jedoch so hoch an den Straßenlaternen angebracht, dass Passanten nur schwer einen genauen Blick darauf erhaschen können. Auf dem Infozettel der Straßennamen-Gegner wird behauptet, dass Rettungsdienste und Feuerwehren nach eigenen Aussagen keine Probleme hätten, die Adressen zu finden. Auch Paketdienste und Lieferanten würden reibungslos die angegebenen Adressen finden. Schließlich wären Navigationssysteme und Onlinekartendienste wie Google Maps in der Lage, jede Hausnummer in Verbindung mit dem Ortsnamen zu finden. Von wem genau diese Aussagen jedoch tatsächlich stammen, wird nicht deutlich.

Was sagen Rettungsdienst und Polizei zur Auffindbarkeit in der Gemeinde und wie finden Lieferanten sich mithilfe von Navis in einer Gemeinde mit mehreren Ortsteilen und verzweigten Straßen zurecht?

Rettungsdienst

Die Pressesprecherin des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) Anke Dieckmann, erklärt, dass der Rettungsdienst bei Notrufeingang den Zielort anhand von Koordinaten von der Leitstelle auf die Navigationssysteme gesendet bekomme. „Im Notfall sollte das Licht am Haus angemacht werden und sich jemand an die Straße stellen. Das gilt auch in Orten mit Straßennamen“, sagt sie.

Uwe Sauer, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Verkehr beim Landkreis Nienburg erklärt, in einem Zitat vom 14. Januar auf dem Flyer der Interessengemeinschaft: „Als Träger des Rettungsdiensts sieht der Landkreis Nienburg/Weser die Einführung von Straßennamen positiv. Für Rettungsdienste und Einsatzkräfte ist es äußerst hilfreich, wenn sie sich anhand von Straßennamen orientieren können. Straßennamen mit geordneten Hausnummern helfen, die Hilfsfristen so niedrig wie möglich zu halten. Dies kann unter Umständen lebensrettend sein.“ 

Im Gespräch bestätigte er die Richtigkeit dieser Aussage und fügte hinzu, dass sein Zitat auch die Stellungnahme der Rettungsleitstelle Nienburg/Schaumburg beinhalte, die ihm vorliege. Auf die Frage, wie er die Aussage des Bürgerbegehrens „Für schnellere Auffindbarkeit sind gut sichtbar beleuchtete Hausnummern wichtiger als Straßennamen“ beurteilen würde, antwortete er „Es geht, aber es dauert länger. Es geht um die Eintreffzeit des Rettungswagens, im Notfall zählt jede Minute.“ Auch in der Stellungnahme der Rettungsleitstelle heißt es laut Sauer: „Es geht um die Schnelligkeit. Zudem ist nicht das gesamte Personal im Rettungswesen auch ortskundig.“ Auch die Kostenfreiheit bei der Änderung von Fahrzeugpapieren bestätigte Uwe Sauer: „Bei einem Umzug würden Kosten von zwölf Euro entstehen, da es sich bei der Einführung von Straßennamen um ein öffentliches Interesse handle, würden keine Kosten entstehen.“

Polizei

In einem Zitat von Frank Kolanoski, Leiter des Polizeikommissariats Hoya, welches ebenfalls auf dem Flyer der Interessengemeinschaft zu finden ist, heißt es: „Die Polizei hat Interesse an der Einführung von Straßennamen, um schneller und zielgerichteter den Einsatzort erreichen zu können. In der Gemeinde Hilgermissen orientieren wir uns nur mit Karten, da hier die Navigationsgeräte für die polizeiliche Arbeit nicht tauglich sind. Es gibt zudem Probleme mit ortsunkundigen Einsatzkräften aus anderen Landkreisen, die dieses Kartenmaterial nicht besitzen. Wir unterstützen deshalb den Ratsbeschluss zur Einführung von Straßennamen in der Gemeinde Hilgermissen.“ Auch er bestätigte auf Nachfrage der Kreiszeitung die Richtigkeit dieser Aussage, denn Straßennamen und geordnete Hausnummern würden die Arbeit der Polizei wesentlich erleichtern. „Wir haben in Hoya viele neue Kollegen, die nicht ortskundig sind. Das Gleiche gilt für angeforderte Unterstützung aus Nienburg oder Verden. Zudem geht es auch dabei um den Zeitfaktor. Bei der Aufnahme einer Zeugenaussage haben wir Zeit, aber bei einem Einbruch, wo möglicherweise sogar noch ein Täter im Haus ist, müssen wir schnell agieren können“, fügt er hinzu.

Unternehmen

Auch Paketdienste und Lieferanten von Unternehmen in der Gemeinde sowie deren Kunden, die teilweise aus Bremen und Hannover kommen, würden sich an ihren Navigationsgeräten orientieren und fänden den Weg oft nicht, meint Axel Bösche, Chef der Bau- und Möbeltischlerei Bösche und spricht stellvertretend für alle Unternehmen, die laut einem jüngst verteilten Flyer den Ratsbeschluss zur Einführung von Straßennamen unterstützen. Sobald sie jedoch in einem Funkloch landen, können auch Onlinekartendienste wie Google Maps und Co nicht mehr weiterhelfen und die Lieferanten müssen sich durchfragen.

Selbst eine Großbaustelle am Ortsausgang von Hoya mit der Adresse Mehringen 80 werde nicht gefunden, diverse Male sei es bereits vorgekommen, dass Lieferanten ihre Lieferung bei der Bau- und Möbeltischlerei Axel Bösche in Mehringen 33 abladen wollten, erinnert er sich. Auch Lastwagen, die eigentlich nach der Spedition Dieter Bösche in Mehringen 41 gegenüber der Classic-Tankstelle in Hoya suchen, landen bei Bösches Möbeltischlerei.

Auch andere Unternehmen seien betroffen, die von Kunden, Vertretern und Lieferanten in der Gemeinde nicht gefunden werden, fügt er hinzu. Zudem gäbe es viele umherirrende Fahrer, die während der Arbeitszeit in Betrieben anhalten würden, um nach dem Weg zu fragen.

Quelle: kreiszeitung.de

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