Streik bei der Lebenshilfe und kommunalen Kitas

„Qualifizierte soziale Arbeit finanziell honorieren“

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Für eine bessere Honorierung ihrer Arbeit gingen diese Angestellten auf die Straße.

Nienburg - Für eine Aufwertung ihrer Tätigkeit gingen Beschäftigte aus Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen – auch aus dem Landkreis Nienburg – auf die Straße.

„Wer qualifiziertes Personal auch in Zukunft haben will, muss auch etwas für die Bezahlung tun“, meint Isabel Petrat, Erzieherin an einer Nienburger Kindertagesstätte. Und ihre Kollegin Silke Klemeyer aus Verden verdeutlichte: „Ich kann täglich zehn Euro auf den Tisch legen, um mir den Unterschied zur Bezahlung eines Technikers vor Augen zu führen“, so die langjährige Fachkraft.

Ebenso geht es den Sozialarbeitern, weißt Volker Medeke als ver.di-Vertrauensperson zu berichten. Es wurmt ihn, dass soziale Berufe unter Wert bezahlt werden. Medeke: „Bei Kindeswohlgefährdung stehen wir mit unseren Entscheidungen mit einem Fuß im Gefängnis. Wir kümmern uns um die in der Gesellschaft, die ansonsten verloren wären. Es ist harte und verantwortungsvolle Arbeit, mit einer hohen persönlichen Belastung“. Zu den Hintergründen erklärt ver.di-Vertreter Volker Selent: „Geht es sonst in den Tarifrunden um Inflationsausgleich und Teilhabe an dem wirtschaftlichen Erfolg, streikten fast 500 kommunale Beschäftigte aus Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen aus den Landkreisen Diepholz, Verden und Nienburg in Twistringen für eine Aufwertung ihrer Tätigkeit.“

Beschäftigte aus Kindertagesstätten und anderen sozialen Einrichtungen streikten.

An die 120 Beschäftigte kamen dabei aus dem Landkreis Nienburg. Vorwiegend aus den Werkstätten und Kindertagesstätten der Lebenshilfe, aber auch aus Kindertagesstätten der Stadt Rehburg-Loccum und der Samtgemeinden Mittelweser und Liebenau. „Schon heute macht sich die schlechte Bezahlung bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften in der Sozialarbeit bemerkbar“, berichtete Tanja Scholz aus ihrer Erfahrung als Betriebsrätin bei der Nienburger Lebenshilfe. Lars Niclas weist darauf hin, dass erst eine vierjährige unentgeltliche Ausbildung durchlaufen werden muss – um dann als Erzieherin oft nur eine Teilzeitstelle angeboten zu bekommen.

„Neben einer statusverbesserende Einkommenserhöhung fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft auch eine Anpassung der Eingruppierungsmerkmale. Das Fehlen einer Formalqualifikation soll bei gleicher Arbeit nicht zu einer geringeren Bezahlung führen. Außerdem sei es dringend notwendig, dass für die Leitungskräfte in Kindertagesstätten nicht nur die Kinderzahl ein Kriterium ist, sondern alternativ die Gruppenanzahl und Beschäftigtenzahl“, berichtet Volker Selent.

Nicole Krug von der ver.di ging auch auf die Streikenden der Werkstatt Bremen und den Lebenshilfe-Werkstätten ein. Um dort mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten, ist eine dreijährige handwerkliche Ausbildung und eine sonderpädagogische Zusatzausbildung erforderlich. Dies ist sicherlich richtig und notwendig erklärt die ver.di-Sekretärin, nur muss sich dies auch in einer angemessenen Eingruppierung und Bezahlung ausdrücken.

Sascha Gröters von der ver.di war überrascht über die hohe Beteiligung. Mit dabei waren auch Beschäftigte, wo bei deren Arbeitgeber zum ersten Mal gestreikt wurde. Er konnte auch berichten, dass weitere Einrichtungen aus dem Landkreis Verden angekündigt haben, bei einem nächsten Streiktag dabei zu sein. „Der heutige Tag ist ein bedeutender Hinweis an die Arbeitgeber, dass sie sich einer Aufwertung nicht verweigern dürfen“, so der Gewerkschaftssekretär. Nicht ohne Grund fuhren daher auch die Beschäftigten nach Twistringen. Deren Bürgermeister Martin Schlake ist Mitglied im Präsidium des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Niedersachsen. Er erhielt an diesem Tag hunderte persönliche Postkarten. Immerhin bestätigte Schlake gegenüber den Streikenden den Handlungsbedarf. „Wir hoffen, dass er die Botschaft auch weiterträgt“, so Gröters. Am 23. März ist der nächste Verhandlungstag.

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