Insider referiert in Hoya

Tempel hin, Tempel her – Freimaurerei ist keine Religion

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Referent Andreas Jonda ist Meister vom Stuhl der Hoyaer Loge „St. Alban zum Æchten Feuer“.

Hoya - Von Jana Wohlers. In welchem Bezug steht die Freimaurerei zur Kirche? Gibt es religiöse Züge? Und handelt es sich bei der Freimaurerei um eine Sekte? Vorurteile gibt es viele, wenn das Gespräch auf die Freimaurer kommt. Was dran ist an den Behauptungen und wie die Realität wirklich aussieht, verdeutlichte am Sonntag der Vortrag „Freimaurerei und Religion“ im Heimatmuseum in Hoya.

Referent war ein Insider: Andreas Jonda aus Ottersberg, Meister vom Stuhl der Loge „St. Alban zum Æchten Feuer“ in Hoya. Sein Vortrag war Teil des Begleitprogramms zur aktuellen Ausstellung „Freimaurer in Hoya – 1786 bis heute“. Wie schon beim ersten Vortrag im Rahmen der Ausstellung war das Interesse groß: Rund 50 Männer und Frauen lauschten gespannt. Zuvor hatte Museumsleiterin Ulrike Taenzer mehr und mehr Sitzgelegenheiten für die Besucher heranschaffen müssen. Sie freute sich aber natürlich über den guten Besuch.

„Keine Antworten auf metaphysische Fragen“

Die zahlreichen Zuhörer wurden nicht enttäuscht: Andreas Jonda bot als langjähriger Freimaurer einen ebenso spannenden wie lehrreichen Vortrag über das Thema „Freimaurerei und Religion“. Gleich zu Beginn stellte der Referent eine Tatsache klar, die er auch im Laufe seines Vortrags immer wieder betonte: „Es ist schwer, über DIE Freimaurer im Sinne einer Gleichheit zu sprechen“, sagte er. „Jede Loge der Freimaurer ist anders, viele haben spezielle Eigenheiten. Es gibt teilweise große Unterschiede zwischen den einzelnen Logen, und besonders auch zwischen den Freimaurern verschiedener Länder.“

Um nicht zu sehr verallgemeinern zu müssen, erzählte der Meister vom Stuhl insbesondere von der Hoyaer Loge und von ihm gut bekannten Beispielen aus anderen Logen und Ländern.

Die derzeitige Ausstellung über die Hoyaer Freimaurergeschichte enthält unter anderem eine Bibel. Auch die Tempel der Freimaurer haben den salomonischen Tempel zum Urbild, wie Jonda erzählte. „Da liegt die Vermutung nahe, Freimaurerei und Religion zu verknüpfen. Es ist ein scheinbarer Widerspruch, das Gegenteil zu behaupten.“ Aber wer die Freimaurerei einmal mit den typischen Kennzeichen einer Religion vergleicht, sieht schnell: „Es gibt keine freimaurerliche Existenz eines übernatürlichen Kraftfelds, es wird keine Antwort auf metaphysische Fragen geboten, typisch religiöse Handlungen und Sakramente fehlen, und auch ein Jenseitsbegriff wird nicht näher definiert.“

Der Sozialwissenschaftler und Freimaurer Hans-Hermann Höhmann (Kassel) formulierte einmal, ein Freimaurer habe sich „moralisch, nicht religiös zu verpflichten“. Er traf damit die Aussage, die auch Jonda seinen Zuhörern zu vermitteln vermochte. „In der humanitären Freimaurerei geht es um Toleranz. Sie ist offen für Menschen aller Weltanschauungen und Religionen. Es gilt, Bräuche und Ansichten zu respektieren, ohne Vorschriften zu setzen, ohne Hinterfragung und ohne Rechtfertigung.“

„Freimaurerei ist etwas höchst Individuelles“

Laut Jonda sind etwa die Tempel der Freimaurer als „Tempel der Humanität“ zu verstehen, also universal und nicht religionsspezifisch. Auch spirituelle Elemente oder Symbole weisen keinen religiösen Bezug auf. Es sei denn, der einzelne Freimaurer – der eben auch ein Christ, Jude, Moslem, Buddhist, Hinduist, Atheist oder sonst einer Glaubensgemeinschaft angehörig sein kann – sieht sie als religiöse Symbole an. „Es ist jedem Bruder selbst überlassen, sich darüber Gedanken zu machen. Freimaurerei ist etwas höchst Individuelles“, folgerte Jonda.

An den interessant gestalteten Vortrag schloss sich eine Fragerunde an. Die Besucher stellten ganz verschiedene Fragen zum Thema Freimaurerei und gestalteten den Nachmittag damit als spannende Frage- und Diskussionsrunde.

Der nächste Vortrag zur Ausstellung „Freimaurer in Hoya – 1786 bis heute“ steht am Dienstag, 17. April, auf dem Programm. Um 19 Uhr referiert Dietmar Brandstädter aus Martfeld zum Thema „Künstler, Kunst und Freimaurerei“ im Heimatmuseum in Hoya (Im Park 1).

Quelle: kreiszeitung.de

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