Premiere von „För ümmer Disco“

Theatergruppe Gandesbergen bringt Publikum zum Tanzen

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Zum Schreien komisch: „Der sieht aus wie Atze Schröder für Arme“, befindet Birgit Fiesebarg (Sabrina Böckmann), als sie ein Bild ihres Mannes als „Glitterboy“ in einer alten „Bravo“ entdeckt.

Gandesbergen - Von Maren Hustedt. Mit ihrem Stück „För ümmer Disco“ traf die Theatergruppe Gandesbergen den Nerv des Publikums. Und so spendeten die Premierengäste am Samstag im örtlichen Jugend- und Freizeitheim nach dem letzten Vorhang nicht nur kräftigen Applaus, sondern wagten zu den Anweisungen der rassigen „Danzlehrerin“ Conchita Rodriguez sogar einige Disco-Tanzschritte.

Die Story des Stücks ist so unglaublich, wie es eben nur eine niederdeutsche Komödie sein kann. Gekrönt wurde der humorige Dreiakter vom Plattdeutschen, das so überzeugend aus den Mündern aller Darsteller sprudelte, als seien sie damit aufgewachsen.

Die Tochter des Hauses, gespielt von Kathrin Böckmann – die übrigens ein ausgezeichnetes Debüt auf der Bühne gab – ist genervt. Zum einen, weil sie dem „oolen Gammelfleisch“ um sie herum die Rente finanzieren soll, und zum anderen, weil ihre nervigen Eltern sie zu Fleiß und Zuverlässigkeit erziehen wollen.

Eben diese Eltern verlieren jedoch im Lauf des Stücks jeglichen Sinn für die Realität, denn die resolute Eventmanagerin Regina Rautenstengel (Kerstin Runge) fällt in ihr friedliches Zuhause ein und lockt Vater Andreas Fiesebarg (herrlich dargestellt von Werner Schäfer) mit einer 80er-Jahre-Revival-Karriere.

Der in die Jahre gekommene und aus der Form geratene Tischlermeister war in jungen Jahren Sänger und Gitarrist der „Glitterboys“. Seiner Frau Birgit (Sabrina Böckmann) war das bis dato unbekannt, und beim Durchblättern eines alten Jugendmagazins bezeichnet sie ihren darin abgebildeten Mann als „Atze Schröder für Arme“. Dennoch ist ihr Gatte fest davon überzeugt, dass sein (mit einem dicken Kissen aus der Form gebrachte) Körper noch immer unwiderstehlich ist. Er lässt sich auf sein zweifelhaftes Comeback ein, ebenso sein ehemaliger Duo-Partner Bodo Käselau (humorig gespielt von Hans-Jürgen Meyer).

Das Ensemble erhielt kräftigen Applaus für seine Darstellung der so unglaublichen Story „op Platt“.

In Versuchung geführt durch in Aussicht gestellte Gagen und geschmeichelt von so durchgeknallten Fans wie Elvira Puvogel (wunderbar gespielt von Petra Böckmann), opfert „Andy“ Fiesebarg seine geliebte häusliche Ruhe ebenso wie seine hochkalorische Ernährung, einige Unterhosen und noch vieles mehr.

Es ist einfach zum Piepen, wenn Birgit Fiesebarg – Künstlername „Bierschitt“ – über „Fazebuk“ sinniert oder ihren „grenzdebilen“ Gatten ins Dschungelcamp vermitteln will.

Lauten Szenenapplaus sicherte sich auch Ulrich Böckmann: als Journalist Jens Schneckenreiter und in der Rolle des Hausarztes Dr. Richard Wurm, der den ehemaligen Glitterboy mit einer gewaltigen Vitaminspritze in Form bringen soll.

In der Rolle des ludrigen Filmnaivchens Coco Cabana verdreht Claudia Wilhelm Glitterboy Bodo Käselau den Kopf.

Und Susanne Buschmann überzeugt sowohl als arrogante Fernsehproduzentin als auch in der Rolle der mitreißenden Tanzlehrerin Conchita Rodriguez.

Zwischen den Akten mischten sich die Darsteller unter das Publikum, plauderten unbeschwert und nahmen die ein oder andere Stärkung zu sich.

Von Nervosität war nichts zu spüren. Regisseurin Anke Hittmeyer erklärte dazu: „Die Darsteller sind nicht aufgeregt, weil sie ihre Rollen beherrschen. Und ich bin es nicht, weil ich weiß, dass sie alle auch gut improvisieren können …“

Quelle: kreiszeitung.de

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