Mafiosi vertreiben Tristesse aus Kloster

Theatergruppe Gandesbergen feiert gelungene Premiere von „Nonnenpoker“

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Die Langeweile im Kloster, wo die Nonnen um Oblaten pokern, durchbricht die Ankunft der Mafiosi Salvatore und Antonio (oben rechts), die ihrem Boss, umwerfend gespielt von Jorna Lehmeier (unten rechts), nach dem letzten Deal etwas zu wenig ausgezahlt haben. 

Gandesbergen - Von Uwe Campe. Nach monatelangen Proben, Mühen und Vorbereitungen feierte die Theatergruppe Gandesbergen am Samstagabend im voll besetzten Saal des Jugend- und Freizeitheims mit ihrem neuen Stück „Nonnenpoker“ eine gelungene Premiere.

Der ursprünglich in Hochdeutsch verfasste Dreiakter stammt aus der Feder von Jennifer Hülser (Iserlohn), die niederdeutsche Fassung hat der Oldenburger Helmut Schmidt geschrieben.

Die Handlung des Stücks ist rasch erzählt. Auch am katholischen Kloster ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen, und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Weil die Kirchgänger ausbleiben, das Gebäude zusehends verfällt und auch die Kassen leer sind, herrscht allgemeine Tristesse. Anstatt zu beten und zu arbeiten, vertreiben sich die vier verbliebenen Nonnen Agathe (Susanne Buschmann), Elisabeth (Anke Precht), Eva Maria (Sabrina Böckmann) und Lucy (Kathrin Böckmann) die Zeit mit Pokerspielen um Oblaten - jedoch nur, wenn die gestrenge Oberin Lucretia (Petra Böckmann) nicht in der Nähe ist. Gleichzeitig stellen sie Überlegungen an, wie sie den kirchlichen Laden wieder in Schwung bringen können.

Mit dem Auftritt der beiden großmauligen, aber tölpelhaften Mafiosi Salvatore (Torsten Jüttner) und Antonio (Frank Lehmeier), die aus einem Deal etwas zu viel Kohle für sich selbst abgezweigt haben und nun in ständiger Angst vor ihrem „Big Boss“ leben, ändert sich die Situation schlagartig. Als angebliche Klosterprüfer des Vatikans getarnt, suchen die beiden für einige Zeit Unterschlupf im Kloster. Der von ihnen mitgeführte Koffer voller Geld weckt auch bei den Klosterschwestern Begehrlichkeiten und löst in der Folge eine Kette zahlreicher Turbulenzen aus. Als dann zu guter Letzt auch noch der „Big Boss“ (Jorna Lehmeier) höchstpersönlich in Erscheinung tritt, ist das Chaos perfekt und der Lauf der Dinge nicht mehr aufzuhalten.

Wie sich schließlich alles auflöst, wird mit Blick auf die weiteren Veranstaltungen nicht verraten. Nur so viel: Es läuft auf „umwerfende“ Überraschungen hinaus.

Das Stück „Nonnenpoker“ lebt weniger von seiner inhaltlichen Tiefe, sondern - wie in diesem Genre durchaus üblich - vielmehr von einer Fülle brüllend witziger Einzelereignisse und Szenen, lockeren Dialogen und nicht zuletzt auch gern einmal von zotigen und schlüpfrigen Sprüchen, die bei den Zuschauern immer wieder Lachsalven und begeisterten Applaus hervorrufen. Einen besonderen Reiz stellt dabei der sprachliche Mix aus dem sauber vorgetragenen Plattdeutsch der Nonnen, dem wundervollen, mit starkem Akzent durchsetzten Italo-Deutsch der beiden Mafiosi und schließlich dem knallharten Hochdeutsch ihrer Chefin dar.

Die Aufführung war hervorragend einstudiert und wurde ebenso präsentiert. Die erstmals als Souffleuse tätige Katharina Wachtel brauchte daher nur wenig unterstützend einzugreifen. Die tadellose schauspielerische Leistung aller acht Akteure, darunter immerhin drei Debütanten, verdient höchste Anerkennung und macht gleichzeitig deutlich, dass nicht ein Einzelner, sondern das gesamte Ensemble der eigentliche Star des Abends war. Dass die Gruppe mit der debütierenden Jorna Lehmeier ein Riesentalent in ihren Reihen hat, soll nicht unerwähnt bleiben. Langanhaltender Applaus des Publikums und eine sich nach der Aufführung einstellende große Erleichterung bei allen Mitwirkenden war der wohlverdiente Lohn für die vielen Mühen der vergangenen Wochen und Monate.

Quelle: kreiszeitung.de

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