Kirche, Schule und Interessengemeinschaft „Synagoge“ 

Tief greifendes Gedenkenn an Reichspogromnacht 

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Georg Schady begleitete die Veranstaltung mit den klagenden Klängen seines Akkordeons. Hoyas evangelischer Pastor Andreas Ruh (rechts) erinnerte an Furcht, Schrecken und Verfolgung in der Reichspogromnacht und darüber hinaus.

Hoya - Von Jana Wohlers. 79 Jahre ist es her, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November in ganz Deutschland Synagogen, Wohnungen, gar ganze wirtschaftliche Existenzen jüdischer Mitbürger von NS-Truppen Verwüstung und Zerstörung erfuhren. Juden wurden verhaftet, ermordet, ihrer Lebensgrundlage beraubt. Zum Gedenken daran hatten die evangelische Kirchengemeinde Hoya und die Interessengemeinschaft „Synagoge“ auch in diesem Jahr zu einer Veranstaltung eingeladen. Zahlreiche Bürger aller Generationen folgten am Freitag trotz schlechtem Wetter dem Aufruf. Denn eins ist klar: Peitschender Regen und tosender Wind sind nicht annähernd so schrecklich wie die Ereignisse jener Reichspogromnacht 1938.

Es ist mittlerweile Tradition, dass Veranstalter und Zuhörer an der Deichstraße, am ehemaligen Standort des Gotteshauses der früheren jüdischen Gemeinde in Hoya, gemeinsam auf die Pogromnacht und die ihr folgenden Schreckensjahre zurückblicken. Doch ein so positiv besetztes Wort wie das der „Tradition“ verfehlt den Mahnungsgehalt der Gedenkveranstaltung. „Es ist ein Ereignis, das wir uns Jahr für Jahr vergegenwärtigen müssen“, sprach Pastor Andreas Ruh, der durch die Veranstaltung führte.

„Wir erinnern uns der Opfer, deren Stimmen nicht mehr zu hören sind und die trotzdem hörbar sind und bleiben müssen“, sagte er. Die Gedenkveranstaltung erinnere nicht nur an jene Nacht, in der Gewalt und Schrecken herrschten, sondern auch an eine ehemals blühende jüdische Kultur in der Gemeinde. Die Erinnerung an jene Zeit sei eine Mahnung gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass und für Toleranz, Menschlichkeit und Miteinander, sagte Ruh.

Auf den Resten der Grundmauern der jüdischen Synagoge in Hoya und damit auf einem Stück jüdischen Bodens stehend, erinnerten sich die Besucher jener früher Morgenstunden, in denen das 1833 erbaute Gotteshaus mit Brandsätzen aus dem Fliegerhorst Hoya dem Erdboden gleichgemacht, jüdische Läden und Wohnungen zerstört, jüdische Mitbürger gefangen genommen und empörte Stimmen zum Verstummen gebracht worden waren.

An dem Programm der Gedenkveranstaltung beteiligten sich traditionell auch Hoyaer Schüler. Unter der Leitung von Frauke Gieße-Claus, Sozialarbeiterin an der Marion-Blumenthal-Oberschule zeigten sie ein Rollenspiel, das den Alltag zeigte: den eines heutigen 14-jährigen Schülers und den einer 14-jährigen jüdischen Gefangenen zur Nazizeit im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die erdrückenden Gegensätze verdeutlichten die schrecklichen Ereignisse von damals auf ganz banale und doch ungemein wirkungsvolle Art und Weise.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Synagoge“ warfen am Freitag Fragen zur Diskussion um die mit einem Hakenkreuz versehene Glocke in der Schweringer Kirche auf, die nachdenklich stimmten – und deren fehlende Beantwortung bei vielen Besuchern eine innerliche Auseinandersetzung bewirkte.

Der Hoyaer Georg Schady untermalte die Gedenkveranstaltung musikalisch mit dem Akkordeon. Die klagenden, bedrückenden Klänge sorgten unterstützend zu den Vortragenden für ein ebenso tief greifendes wie tiefgründiges Gedenken.

Quelle: kreiszeitung.de

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