Ein abwechslungsreicher Beruf

Traumberuf Försterin: Linda Valentin leitet die Revierförsterei Leese

Försterin Linda Valentin markiert einen Baum, der gefällt werden muss.
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Bäume markieren, die gefällt werden müssen – das gehört auch zu Linda Valentins Aufgaben als Försterin. 

Leese- Verfahren hat sie sich in ihrem Revier schon oft. „Das ist wohl Berufsrisiko“, sagt Linda Valentin und lacht. Sie ist Försterin und leitet mit erst 27 Jahren bereits die Revierförsterei Leese. 

Försterin sei ihr Traumberuf, erzählt die gebürtige Mittelhessin. „Naturwissenschaften haben mich immer am meisten interessiert. Bio war in der Schule mein Lieblingsfach.“ In einem Labor zu arbeiten kam für sie jedoch nicht in Frage. Zum Wald habe sie dagegen schon immer eine Verbundenheit gehabt. „Mein Papa ist Jäger und ich habe ebenfalls einen Jagdschein.“ Da lag die Entscheidung für ein Forstwissenschaften-Studium nahe.

Sechs Semester büffelte sie an der Universität Göttingen neben naturwissenschaftlichen Grundlagen in Physik und Chemie auch Wirtschaft und Recht sowie Forstpolitik. Dazu kamen dann noch Lehrveranstaltungen in forstlichen Fachdisziplinen wie Waldökologie, Forsttechnik oder Waldschutz. „Das Studium ist anspruchsvoll aber machbar“, resümiert Valentin.

Nach dem forstwissenschaftlichen Bachelorabschluss sind die Absolventen nicht automatisch Förster. In Niedersachsen ist nach dem Studium ein eineinhalbjähriger Vorbereitungsdienst vorgesehen. Diesen leistete Valentin als sogenannte Forstinspektor-Anwärterin im Wisentgehege in Springe. „Die Stellen für den Vorbereitungsdienst sind sehr rar“, sagt Valentin. „In Niedersachsen gab es 25 Stellen. Da werden nur die Besten genommen.“ Der Vorbereitungsdienst schließt mit einer schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfung ab.

Jeden Tag im Wald

Im Dezember 2019 hat Valentin, die auf einem restaurierten Resthof in Uchte lebt, die Leitung der Revierförsterei Leese von Karl-Heinz Dose übernommen. Somit verantwortet die junge Försterin 2187,8 Hektar Fläche, aufgeteilt auf 37 Genossenschaften.

Besonders schätzt sie die Abwechslung an ihrem Beruf. „Kein Tag ist planbar.“ Oft sitze sie bereits um 7 Uhr am Schreibtisch. „Ja auch Schreibtischarbeit gehört zu meinem Arbeitsalltag.“ Ein richtiges Büro hat sie nicht, sie arbeitet von zu Hause. Von dort koordiniert sie beispielsweise Unternehmer, die Holzernte- oder Pflanzarbeiten im Revier durchführen. Auch mit den Genossen der Revierförsterei Leese steht sie im stetigen Austausch. „Doch auch viele individuelle Anfragen trudeln täglich bei mir ein. Jetzt in der kalten Jahreszeit ist besonders Brennholz ein ständig wiederkehrendes Thema.“

Rund 50 Prozent ihrer Arbeit verbringt sie am Schreibtisch, schätzt Valentin. Den Rest der Zeit sei sie draußen im Revier. „Das ist das schöne an dem Beruf. Man ist jeden Tag im Wald.“ Einsam fühlt sie sich dabei jedoch nicht. Begleitet wird sie bei ihren Revierfahrten von ihrem Mischlingsrüden. „Da ich ja immer alleine unterwegs bin, freue ich mich, dass zumindest Fiete stets an meiner Seite ist.“

Gefällte Bäume müssen vermessen werden.

Waldbestand nachhaltig planen – das ist eine ihrer Hauptaufgaben. Die Wälder der Revierförsterei Leese sind geprägt durch Mischwald, es gibt sowohl Laub- als auch Nadelbäume, hauptsächlich Kiefern, erklärt Valentin. „Den Zustand der Wälder würde ich vorsichtig als grenzwertig bezeichnen“. Ein Abwärtstrend sei erkennbar.

Nicht nur die trockenen Sommer hätten den Wäldern zugesetzt. Große Schäden seien auch durch Stürme und Borkenkäfer entstanden. „Die Folgen des Klimawandels sind definitiv im Wald sichtbar. Dem Wald geht es nicht gut.“ Bäume, die bei der nächsten Durchforstungsmaßnahme entnommen werden müssen, markiert sie. „Das gehört zu meiner täglichen Arbeit.“

Immer wieder stehen Förster und ihre Arbeit in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, nicht ausreichend ökologisch, sondern zu ökonomisch zu denken.

„Wir sind nicht die Bösen“, sagt Valentin. „Wir arbeiten gewissenhaft und setzen alles daran, den Wald klimaangepasst und weniger anfällig zu gestalten.“ Von der Bevölkerung wünscht sie sich mehr Interesse und Verständnis. Zudem könne sich auch jeder selbst für die Erhaltung des Waldes einsetzten. Bei den Niedersächsischen Landesforsten könne man beispielsweise „Klima-Aktien“ für zehn Euro erwerben und somit die Wiederaufforstung von Waldflächen unterstützen.

Berufliche Veränderungen plane Valentin in nächster Zeit nicht. „Ich bin sehr glücklich mit meinem Beruf und bin jetzt da angekommen, wo ich sein möchte.“

Forstamt Nienburg

Das Forstamt Nienburg bewirtschaftet rund 11 000 Hektar Landeswaldfläche und betreut zusätzlich 3 800 Hektar Betreuungswald von 81 verschiedenen Betreuungsforsten. Die Waldgrößen der Betreuungsforsten reichen von der Kirchenforst Hoyerhagen mit einem Hektar bis zur Stadtforst Rehburg mit 335 Hektar Waldfläche.

Dem Forstamt Nienburg zugeordnet sind die Revierförstereien Leese, Rehburg, Uchte, Nienburg, Harbergen, Erdmannshausen, Grinderwald, Krähe und Memsen. Weitere Informationen zum Forstamt Nienburg gibt es unter https://www.landesforsten.de/forstaemter/nienburg/.

Von Janina Stosch

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