Jagdpächter Hoyas verteilen rote Dreibeine gegen Wildunfälle / Steigende Zahlen seit Mitte 2009

Uhlig und Kollegen packen es an

Wie bestellt rast ein Auto an Erhard Uhlig (l.) und Mitpächter Ottmar Lienig vorbei, als sie zwischen Hoya und Hassel eins ihrer Dreibeine aufstellen. Nur Deutsch Drahthaar Franka nimmt es gelassen.

Hoya/Eystrup - (ahe) · Die Jagdsaison für Rehwild ist gerade einen Monat alt. „Aber Böcke“, sagt Jagdpächter Erhard Uhlig, „brauchen wir gar nicht mehr schießen.“ Vier Wildunfälle vor den Toren Hoyas seit Anfang Mai dezimierten die Population. Dagegen ergreifen Uhlig und Kollegen nun die Initiative.

Auf eigene Faust stellen die Hoyaer Jagdpächter als Erinnerung leuchtend rote Dreibeine an den Straßenrand, wenn sie zu einem Wildunfall gerufen werden. „Ich verspreche mir davon mehr Vorsicht der Autofahrer“, so Uhlig.

Dass die dringend geboten ist, belegt eine Statistik der Polizeiinspektion Nienburg / Schaumburg für das erste Quartal 2010. Ohne Zusammenprall zwischen Tier und Kühlergrill blieb in den Samtgemeinden Grafschaft Hoya und Eystrup nur Schweringen. In Gandesbergen und Hilgermissen krachte es fünfmal. Einsame Spitzenreiterin ist die Gemeinde Hoyerhagen mit acht Wildunfällen. „Wenige Häuser, viel Feld. Sogar die kleinsten Wege sind asphaltiert. Da geben die Leute Gas“, nennt Uhlig Gründe. Erschwerend kommt eine hohe Dunkelziffer hinzu. Denn längst nicht alle Zwischenfälle werden von der Polizei aufgenommen. „Unsere Zahlen kann man verdoppeln“, glaubt Verkehrssicherheitsberater Axel Grünvogel, der auch in der Wildunfallkommission des Landkreises sitzt und das erhöhte Aufkommen mit Sorge betrachtet: „Es besteht Handlungsbedarf.“

Das Dreibein-Projekt ist Grünvogel nicht unbekannt. In anderen Gegenden wird es bereits praktiziert – mit schwankenden Erfolgsbilanzen und hohem Aufwand. „Eigentlich ist es logisch, dass in Wäldern auch mal ein Tier auf der Straße stehen kann“, meint der Polizeivertreter. Für Kreisjägermeister Harald Frerking ist die Aktion in Hoya zum Scheitern verurteilt: „Die Masse der Autofahrer ist betriebsblind. Die rauschen an den Aufstellern so vorbei.“ Wildzäune seien das einzige probate Mittel, „aber die sind nicht bezahlbar und zerschneiden Lebensräume“.

Eine koordiniertes Maßnahmenpaket von Polizei, Jägerschaft und Straßenbauträgern – wie es die angesprochene Wildunfallkommission anstrebt – scheint notwendig, um die seit Mitte vergangenen Jahres steigende Anzahl der Zusammenstöße zu minimieren. Aber: „Es gibt kein Patentrezept“, gibt Grünvogel zu.

Reflektfolien, Duftzäune, akustische Signale: Unter dutzenden von Möglichkeiten könnte das Engagement von Erhard Uhlig die Wurzel des Problems – die überhöhte Geschwindigkeit der Autofahrer – am ehesten packen. „Wenn die Tiere durch die Windschutzscheibe schlagen, dann gute Nacht“, warnt der Jäger. Wo Raps und Getreide bis an die Straße wachsen, mahnt er zu höchster Vorsicht. Zumal die „gefährlichste Zeit“ noch bevorstehe. In der Brunftzeit sind die Böcke nicht nur in der Dämmerung, sondern auch den ganzen Tag aktiv.

Quelle: kreiszeitung.de

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