Rückkehr in die Natur

Uhu wieder ausgewildert: Eulenbestand in der Region hat sich stabilisiert

Alles ging rasend schnell: Kaum war die Käfigtür geöffnet, ergriff das Uhu-Weibchen die Gelegenheit zur Flucht und strich mit einigen wenigen kräftigen Flügelschlägen über das Feld dem nahen Waldrad zu.
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Alles ging rasend schnell: Kaum war die Käfigtür geöffnet, ergriff das Uhu-Weibchen die Gelegenheit zur Flucht und strich mit einigen wenigen kräftigen Flügelschlägen über das Feld dem nahen Waldrad zu.

Hoyerhagen – Nachdem ein Vogel in Hoyerhagen verletzt aufgefunden worden ist, wurde der Uhu jetzt wieder ausgewildert. 

Als es nun am Vorberg bei Hoyerhagen so weit war, ging unter den Augen von Tierärztin Judith Sachez aus Asendorf und Falkner Björn Huhnholt aus Martfeld sowie einigen weiteren sich eingefunden Zuschauern alles rasend schnell: Kaum war die Käfigtür geöffnet, ergriff das Uhu-Weibchen, das hier vor rund fünf Wochen verletzt von einem Anwohner aufgefunden worden war, die Gelegenheit zur Flucht und strich mit einigen wenigen kräftigen Flügelschlägen über das Feld dem nahen Waldrad zu, wo es sich rasch den Blicken entzog.

Der Vogel war nach einem Knochenbruch und Muskelabriss zuvor in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover von der Tierärztin und dem Falkner medizinisch versorgt und aufgepäppelt worden (wir berichteten). Inzwischen genesen und einen recht fitten Eindruck machend, konnte er jetzt guten Gewissens in die heiß ersehnte Freiheit entlassen werden, wobei ihn die besten Wünsche begleiteten. Björn Huhnholt äußerte darüber hinaus die Hoffnung, dass das Weibchen vielleicht sogar noch zur Brut schreiten würde, wofür es seiner Meinung nach jahreszeitlich nicht zu spät sei.

Sehr seltener Brutvogel

Was für das jetzt in ihrem Revier ausgewilderte Uhu-Weibchen im Einzelnen gilt, trifft bei uns im höheren Sinne auch für die Art in ihrer Gesamtheit zu: Die weltweit größte Eulenart, deren Verbreitungsgebiet sich von Westeuropa bis Ostasien erstreckt, ist zurück. In Mitteleuropa, aber auch anderen europäischen Regionen, war der Uhu noch vor wenigen Jahrzehnten ein sehr seltener Brutvogel und in vielen Gebieten sogar schon ausgestorben. Der Grund hierfür war die intensive Verfolgung durch Jäger, die ihn als „Feind des Niederwildes“ ansahen.

Daneben spielte auch das Aushorsten von Jung-Uhus für die Hüttenjagd eine große Rolle für die Bestandseinbußen. Dabei machen sich Jäger schon seit dem 19. Jahrhundert den Umstand zunutze, dass besonders Greif- und Rabenvögel den Uhu attackieren, wenn sie ihn tagsüber entdecken. Daher setzen sie einen Uhu auf einen Pflock oder Pfahl, um genannte Vögel dann aus einer Erdhütte heraus zu schießen, wenn sie die Eule angreifen.

Bestandsstabilisierung

Erst seit den späten 1960er- Jahren kam es an vielen Orten durch gezielte, jedoch längst nicht immer unumstrittene Freisetzungsaktionen und Schutzmaßnahmen zu Wieder- oder Neuansiedlungen. Zunehmend erfolgreiche Bruten führten zu einer Stabilisierung der Bestände und einer damit einhergehenden allmählichen Vergrößerung des Brutareals. In diesem Zusammenhang wirkte es sich als günstig aus, dass die großen und kräftigen Vögel heute vielfach bessere Nahrungsbedingungen vorfinden als früher, etwa Ratten auf Müllplätzen oder Ansammlungen von Wasservögeln auf Teichen und Seen. Überhaupt verfügt der Uhu, dessen Reviere schon mal bis zu 40 Quadratkilometer umfassen können, über ein breites Nahrungsspektrum, wobei Nagetiere aber den Hauptanteil ausmachen.

Alles ging rasend schnell: Kaum war die Käfigtür geöffnet, ergriff das Uhu-Weibchen die Gelegenheit zur Flucht und strich mit einigen wenigen kräftigen Flügelschlägen über das Feld dem nahen Waldrad zu.

Brutplätze

Der Uhu nutzt gern Steinbrüche und Felsen als Brutplätze, weshalb sich seine letzten Rückzugsgebiete auch lange Zeit in den Mittelgebirgen und am Alpenrand befanden. Weil diese Eule jedoch sehr flexibel ist – sowohl hinsichtlich der Nahrungsbeschaffung als auch bei der Wahl des Brutplatzes –  kann sie auch in alten Greifvogelhorsten, notfalls sogar auf dem Boden brüten. In manchen Städten stellen auch Kirchtürme „Ersatzfelsen“ dar. Von den in den vergangenen 20 Jahren beobachteten Ausbreitungstendenzen ist zunehmend auch das Tiefland betroffen. Es verwundert daher wenig, dass die Vögel schon seit längerer Zeit im Bereich des Sellingslohs bei Hoyerhagen festgestellt werden, wie von mehreren Seiten bestätigt wird. In der weiteren Umgebung haben Uhus in den vergangenen Jahren nachweislich auf dem ehemaligen Kasernengelände in Dörverden-Barme und am Oyler Berg in der Gemeinde Marklohe gebrütet.

Namensgebung

Bleibt noch anzumerken, dass sich sowohl der deutsche Name Uhu als auch der wissenschaftliche Name Bubo bubo von dem Reviergesang des Männchens herleiten, dessen monoton gereihten zwei Silben wie „buho“ oder auch „uujo“ klingen, die zwar nicht sehr laut, aber dennoch weit zu hören sind.

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