Umweltminister Lies bei Aussiedlung dabei

Sumpfschildkröten wieder heimisch machen

+
Offensichtlich sympathisch finden Olaf Lies (r.) und Nienburgs Landrat Detlev Kohlmeier die Sumpfschildkröten.

Winzlar - Von Beate Ney-Janßen. Mehr als 250 Europäische Sumpfschildkröten sind seit 2013 nahe des Steinhuder Meeres ausgesiedelt worden. Zum jüngsten Aussetzen von 18 Schildkröten ist Umweltminister Olaf Lies gekommen – und hat tatkräftig geholfen.

Einer der vielen kleinen Tümpel, die im Laufe der Jahre im Naturschutzgebiet Meerbruchswiesen angelegt worden sind, ist schon seit einigen Jahren der Schauplatz, wenn es gilt, weitere Sumpfschildkröten auszusetzen. Zwei bis fünf Jahre alt sind die Tiere, die nun in diesen Lebensraum gesetzt wurden – und damit ist die Anzahl von 250 überschritten worden. Allerdings, sagt Projektleiter Kai-Olaf Krüger vom NABU, seien 22 Tiere bereits tot aufgefunden worden. Das seien allerdings weniger als zehn Prozent und liege völlig im Rahmen dessen, was erwartet worden war. Im Gegenzug werde es aber nun, im fünften Projektjahr, spannend, weil die ersten Paarungsversuche beobachtet worden seien. 

Seit dem 18. Jahrhundert sind Sumpfschildkröten in Niedersachsen ausgestorben – seit 2013 werden sie am Steinhuder Meer wieder angesiedelt.

Auf Nachwuchs hoffe der NABU nun. Für den müssten aber auch einige Bedingungen vorhanden sein. In den nächsten Jahren gelte es, sich etwa vermehrt darum zu kümmern, dass gute Eiablageplätze vorhanden sind. Das Projekt geht also in die zweite Runde – und soll noch über einen langen Zeitraum begleitet werden. Bis 2034 ist es bislang geplant. Dazu gehört es dann, weiterhin Schildkröten auszusetzen. Ebenso geht es aber auch um Beobachtung und Begleitung der Tiere, die der freien Natur überlassen wurden. Welchen Hintergrund es für diese Wiederansiedlung gibt, erläuterte Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU. In Niedersachsen, sagte er, sei die Sumpfschildkröte eigentlich ein heimisches Tier gewesen, nun aber schon seit dem 18. Jahrhundert ausgestorben. Ein Grund dafür sei es gewesen, dass diese Schildkröten als Spezialität galten und auf so manchem Mittagstisch landeten. Sie nun wieder heimisch zu machen, sei das Ziel und das Naturschutzgebiet um das Steinhuder Meer biete gute Voraussetzungen dafür, den Schildkröten, die zu den am stärksten gefährdetsten Tierarten Deutschlands zählten, eine Chance zu geben. Ähnliche Ansiedlungsprojekte laufen am Steinhuder Meer mit Moorenten und Europäischen Nerzen. Ein Projekt zur Wiederansiedlung von Laubfröschen ist bereits erfolgreich abgeschlossen.

Tragende Rolle: Olaf Lies hilft einem Züchter, einen Kasten mit Schildkröten zu tragen. NABU-Vorsitzender Holger Buschmann weist unterdessen den Weg.

Großen Dank sprach Buschmann allen Förderern aus – und nicht zuletzt den privaten Züchtern, die sich ehrenamtlich und kostenlos bereit erklärt hatten, die Schildkröten zu züchten. Finanziert worden sei das Projekt zunächst von der Bingo-Umweltlotterie, mittlerweile vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Dessen Minister Olaf Lies nahm sich entspannt Zeit, um sich über das Projekt noch genauer informieren zu lassen, versicherte, dass Naturschutz Absicherung von staatlicher Seite brauche, aber ohne Ehrenamt nicht auskomme – mit Blick auf die zahlreichen anwesenden Züchter und auf junge Menschen, die bei diversen beteiligten Naturschutzorganisationen gerade ein Freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. Den Hauptpersonen des Tages widmete er ebensolche Aufmerksamkeit, trug zunächst einen der Kästen, in denen die Schildkröten der Dinge harrten zu der Wasserstelle und setzte schließlich eines der Tiere das Gewässer hinein – das zunächst leicht verdutzt das Wasser um sich herum wahrnahm und sich dann schnell einen halben Meter vom Ufer entfernte, um auf weitere Mitgeschöpfe zu warten, die es auf seinem Weg in die Freiheit begleiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Fußball

Erster Bayern-Sieg dank Lewandowski - Leverkusen gewinnt

Erster Bayern-Sieg dank Lewandowski - Leverkusen gewinnt
Politik

Schwieriger G7-Gipfel erwartet: Krisen und Konflikte

Schwieriger G7-Gipfel erwartet: Krisen und Konflikte
Politik

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen
Politik

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Meistgelesene Artikel

Flugplatzfest des Luft-Sportclubs Nienburg zieht tausende Besucher an

Flugplatzfest des Luft-Sportclubs Nienburg zieht tausende Besucher an

Pawel Popolski mit neuen Sensationen aus der Welt der Popmusik

Pawel Popolski mit neuen Sensationen aus der Welt der Popmusik

Stadtrat Nienburg berät über Teilnahme an Versteigerung

Stadtrat Nienburg berät über Teilnahme an Versteigerung

Streit im "Cup&Cino" eskaliert 

Streit im "Cup&Cino" eskaliert 

Kommentare