Handchirurg Tobias Esser verwendet Knochenmaterial aus Becken der Patientin

Neuer Finger nach Unfall mit der Kreissäge

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Handchirurg Tobias Esser und Schülerin Yvonne Dase.

Nienburg - Für jeden eine Horrorvorstellung: Der Finger rutscht in die Kreissäge. Passiert ist dies einer jungen Frau, der Schülerin Yvonne Dase. Doch Handchirurg Tobias Esser konnte den Finger wieder retten – mit Knochenmaterial aus dem Beckenkamm.

Yvonne Dase aus Bolsehle aus dem Landkreis Nienburg ist eigentlich Schülerin an der BBS in Nienburg im Bereich Hauswirtschaft. Doch Zuhause packt sie mit an. Beim Holzsägen des Kleinholz für den Ofen war ein Nagel im Stück Holz. Dadurch ist sie beim Sägen abgerutscht und der linke Zeigefinger ist in die Säge gelangt. 

„Es tat gar nicht weh“, sagt die 18-Jährige. Aber an vieles kann die Schülerin sich nicht erinnern, außer dass ihr schwarz vor Augen geworden sei. Am ersten April ist es passiert, ausgerechnet. „Meine Schwester hat den Krankenwagen gerufen. In der Notaufnahme kam ich direkt dran und wurde geröntgt. Es ging alles so schnell und plötzlich war ich schon im OP.“

Knochenmaterial aus dem Beckenkamm entnommen

Die Operation hat rund drei Stunden gedauert. Erst am Abend ist die Schülerin aufgewacht und hat noch nicht ganz verstanden, was passiert ist. „Schmerzen hatte ich im Finger kaum, aber dafür im Beckenkamm. Aber ich habe auch genügend Schmerzmittel bekommen“, so Yvonne Dase. 

Schmerzen im Beckenkamm bei einer OP am Finger? Die Lösung ist einfach. Handchirurg Tobias Esser hatKnochenmaterial aus dem Beckenkamm entnommen und den mittleren Teil ausgetauscht. Konkret fehlte der Schülerin der Mittelteil des Fingers, der durch Knochenmaterial aus dem Beckenkamm ersetzt wurde. 

„Bei Kreis- und Kettensägenverletzungen tritt ein Gewebeverlust leider sehr häufig auf“, erläutert Tobias Esser, Sektionsleiter Handchirurgie. „Hierbei werden alle Schichten des Gewebes zerstört, teilweise mit nachfolgenden Defekten. Im konkreten Fall kam es zu einem Verlust des streckseitigen Hautmantels sowie des darunterliegenden Mittelgliedes mitsamt dem Endgelenk des Fingers. In Zentimetern ausgedrückt: Von insgesamt 8 Zentimetern fehlten 2,3 Zentimeter des Knochens.“

Drähte halten Knochenstück in Position

Zur Planung der OP gehört daher auch ein Ausmessen der Länge des gesunden Fingers der Gegenseite. Um eine Amputation zu verhindern, wird eigenes Knochenmaterial zum Ausgleich des Knochendefektes verwendet. „Am Becken haben wir genug Knochen, der in diesem Fall zum neuen Mittelglied des Fingers modelliert wurde. Der Gewebedefekt kann dann durch Lappenplastiken und freie Hauttransplantate gedeckt werden. Das Knochenstück wird durch insgesamt drei Drähte in Position gehalten“, erklärt Esser weiter. 

Zehn Tage war die Schülerin stationär in Behandlung. „In den ersten zwei Wochen hatte ich kein Gefühl im Finger, das war schon beängstigend. Aber dann ist es langsam wiedergekommen“, so Yvonne Dase. Im Krankenhaus hat sie zur Unterstützung auch Lymphdrainage und Ergotherapie bekommen.

„Ich bin so dankbar, dass Herr Esser meinen Finger gerettet hat“

Seit der Entlassung aus dem Krankenhaus wird der Finger jede Woche einmal kontrolliert. Glück für Yvonne Dase: Bislang zeigt sich eine optimale Heilung ohne Defekt oder weiteren Korrekturbedarf. Auch der Knochen wächst zeitgerecht ein, so dass in wenigen Wochen die Entfernung der Drähte als finale OP geplant werden kann. 

„Bis auf die Narben besteht auch eine normale Kontur des Fingers. Lediglich der Fingernagel wird sich wahrscheinlich nicht regenerieren“, so Esser. „Ich bin so dankbar, dass Herr Esser meinen Finger gerettet hat“, so die Schülerin. „Ich habe mich sehr gut betreut gefühlt von den Krankenschwestern und Ärzten.“

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