Unsinn aus dem Ruhrpott

Matthias Reuter – Kabarett der Eigentümlichkeit

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Matthias Reuter verzieht das Gesicht – für ihn ein effektives Stilmittel, um die Stimmung aufzulockern. 

Nienburg - Von Lotte Niemeyer. Taxifahrer oder Kleinkünstler? Mit Ruhrpott-Abitur und Germanistik-Bachelor ohne Lehramt waren Matthias Reuters Zukunftsaussichten nicht gerade rosig. Trotzdem hat er es irgendwie geschafft, etwas aus sich zu machen. Die kräftige Quasselstrippe aus Oberhausen landet auf den kleinsten Bühnen Deutschlands, um zu singen, zu labern und zwischendurch so manche Dummheit seiner Mitmenschen aufzudecken. Dem Publikum im Kulturwerk konnte er am Wochenende mit seiner Show „Auswärts denken mit Getränken“ ein paar Flausen in den Kopf setzen.

„Was ich über Bio weiß, hab ich von der Sendung mit der Maus“, offenbart Reuter eine seiner Schwächen gleich zu Beginn. Eigen und mit starkem Hang zur schonungslosen Selbstironie prägt ein erfrischendes Merkmal Reuters Auftritt: sein Charakter. Die Stücke – mal Blues, mal Walzer, mal Santiano-Gegrummel – unterbricht er einfach, wenn er etwas einzuwerfen hat. Den Leuten gefällt‘s, weil er sich einfach nicht zu ernst nimmt.

Im Nordrhein-Westfalen-Abitur-Blues macht Reuter sich lustig über Bahn- und BER-Chefs: allesamt aus seinem Heimatbundesland. Und der eine Satz, den er einmal auswendig lernen musste, um seine Eltern vor größten Schäden zu bewahren? „Ich habe eine Haftpflichtversicherung!“ Nach kurzer Zeit ist den Zuschauern klar, dass sie an diesem Abend keine akribische Analyse irgendwelcher Politik erwarten sollten, sondern vor allem Unsinn – wohl verpackt von einem eloquenten und überraschend musikalischen Protagonisten.

Das bedeutet aber nicht, dass die Show keinen Inhalt hätte, ganz im Gegenteil. Reuter präsentiert Deutschlands Abnormalitäten auf dem Silbertablett, wenn er über Karnevalisten, Rentner in Terrorangst und außerbayrische Oktoberfeste singt. Gitarre, Klavier und Mundwerk hat er dabei nur so fest im Griff, dass er meistens die Kontrolle behält. Wenn nicht, zeigt er, wie schnell er 40 dumme Gedanken verschweigen kann. Was muss nur in seinem Kopf vorgehen?

Wer von der Vorstellung etwas mit nach Hause nehmen möchte, muss nicht einmal genau aufpassen. Reuters schrullige Art, die Dinge mit einer Prise Sarkasmus und Eigentümlichkeit zu genießen, ist unüberhörbar. Wie er mit weit aufgerissenen Augen in die Menge starrt und Kirmesmusik auf Arabisch spielt, wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben. So ist es ein Abend voll mit vielsagendem Quatsch, vorgetragen von einem, den den Titel „Kleinkünstler“ tatsächlich verdient hat.

Quelle: kreiszeitung.de

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