Unter der Erde schlummert eine Motte

Archäologen graben in Erichshagen

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Die Motte: So heißt eine Turmhügelburg, wie sie jetzt in Erichshagen Stück für Stück wieder zutage tritt – ausgegraben von australischen Studenten.

Nienburg - Ein kleines Hinweisschild und eine Informationstafel im Ortsteil Erichshagen verweisen auf ein für die Region bedeutenden, kulturgeschichtlichen Ort: die Burganlage Wölpe.

Von der B214 ist es nur ein Fußweg von 200 Metern entlang eines mit Bäumen gesäumten Feldwegs, der in einem Wäldchen endet, das bis 2011 die Relikte lokaler Geschichte verbarg. Durch eine Kooperation mit der Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft, dem Museum Nienburg, des Arbeitskreises Burghügel/Geschichte Wölpe, der Universität Regensburg und Sponsoren, konnte vor sechs Jahren mit Ausgrabungsarbeiten der Burg Wölpe begonnen werden. Jetzt stellten Dr. Kristina Nowak-Klimsche, Leiterin des Nienburger Museums, Dr. Jens Berthold, Kommunalarchäologe der Schaumburger Landschaft und der Göttinger Archäologe/örtliche Grabungsleiter Frank Wedekind die Ergebnisse der Grabung vor.

Zurzeit arbeiten im Rahmen einer internationalen Kooperation 15 Studenten der australischen Universität Canberra, begleitet von zwei Professoren, noch für zwei Wochen an der Grabungsstätte. Stück für Stück, so Frank Wedekind, werde sich nach unten gegraben, denn die Burg sei auf einem künstlichen durch Balken gestützten Hügel erbaut worden. Die Grabungsabschnitte wurden aufgrund der örtlichen Gegebenheiten so angelegt, dass sie im Schnitt alle Bebauungsphasen erfassen sollen. Mit den bisherigen Grabungen lassen sich derzeit drei größere Bauphasen nach der Aufschüttung des Hügels erkennen.

Teile von Kachelöfen aus dem 17. Jahrhundert

So entstand im zwölften Jahrhundert eine Turmhügelburg, die sogenannte Motte. Eine Kombination aus Holzkonstruktion gepaart mit steinernem Gebäude aus Sandstein. Gefundene Backsteine aus dem 13. Jahrhundert deuten auf eine zweite Phase hin. Die dritte Phase lässt Renaissance- und Barockbauten erkennen. Bei erkennbaren orangeroten Verfärbungen in der Erdschicht wird davon ausgegangen, dass es sich um verbrannten Fachwerklehm handelt. Neben architektonischen Relikten wurden im Rahmen der Ausgrabungen Alltagsgegenstände gefunden oder auch detaillierte Teile von Kachelöfen aus dem 17. Jahrhundert.

Die 1150 erstmals erwähnte, geschichtsträchtige Anlage, spielte bis zu ihrem Abriss 1876 als Amtssitz für die Verwaltung für Nienburg und das Umland eine wichtige Rolle. Heute ist sie dank des wissenschaftlichen und privaten Engagements zugänglich und wird weiterhin erforscht.

Am Tag der offenen Grabung am 19. September von 15 bis 17 Uhr können sich Interessierte über die Ausgrabungsergebnisse vor Ort informieren. kan

Quelle: kreiszeitung.de

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