"Ich habe ihr ins Gesicht gesehen"

Vater von Judith T. sagt im Prozess aus

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Verden - von Wiebke Bruns. Der Vater der ermordeten Judith T. galt lange als tatverdächtig, nachdem er selbst im September 2015 den Leichnam seiner vermissten Tochter versteckt unter Ästen im Loccumer Klosterforst entdeckt hatte.

Dienstag wurde der 63-Jährige in dem Verdener Landgerichtsprozess als Zeuge gehört und dabei wurde vom Gericht zunächst festgestellt, dass gegen ihn keine weiteren Ermittlungen laufen. Wegen Mordes verantworten muss sich in dem Prozess ein 48-Jähriger, der zum Tatzeitpunkt im Maßregelvollzug in Bad Rehburg untergebracht war.

„Davon erfahren, dass sie vermisst wird, habe ich telefonisch“, begann der Zeuge seine Aussage. Es war Mittwoch, der 16. September 2015. Er war mit seinem Sohn zusammen, dann rief seine Frau an. „Ich sollte mich sofort bei meiner Ex-Frau melden. Judith werde vermisst“, berichtete der Kraftfahrzeugmechaniker aus Nienburg.

Am selben Abend sei eine Vermisstenanzeige aufgegeben worden. Dass Judith etwas zugestoßen sei, davon sei er nicht ausgegangen. „Bis Samstagmorgen war ich der Meinung, sie hat sich eine Auszeit genommen und dass sie vielleicht mit einer Freundin irgendwo hin ist. An dem Samstagmorgen dachte ich anders“, so der 63-Jährige.

Nachmittags machte der Vater den grausigen Fund

Grund war ein Gespräch mit einer Polizeibeamtin. Sie habe ihnen berichtet, dass am Tag zuvor Judiths Auto auf dem Markplatz in Loccum entdeckt worden war. Die Polizei habe am 19. September mit Hunden den Wald absuchen wollen. Wie die Polizei damals berichtete, waren dabei sogenannte Mantrailer-Hunde zum Einsatz gekommen und hatten die Beamten in den Klosterforst geführt. Er habe die Polizeibeamtin gefragt, ob er auch suchen könne. „Sie sagte, das bräuchte ich nicht.“ Doch es ließ dem 63-Jährigen keine Ruhe. Er sei die Wege abgelaufen. Zunächst alleine und am Sonntagvormittag gemeinsam mit seiner Frau und seiner zweiten Tochter. Nachmittags machte er den grausigen Fund.

„Ich habe die Äste gesehen, die schön gerade nebeneinander lagen. Das war für mich eine Sache, da ist was, das ist nicht normal“, so der Zeuge. „Dann bin ich darauf zugelaufen und habe mich hingehockt. Da kamen schon diese grünlichen Fliegen hoch.“ Er habe Verwesungsgeruch wahrgenommen und zwei, drei Äste weggenommen. „Ich habe Ihr Gesicht gesehen und sie sofort wiedererkannt. Es kann mir keiner einreden, dass ich das nicht wiedererkennen konnte“, so der 63-Jährige. Nur seine Frau sei dabei gewesen, jedoch rund 30 Meter entfernt.

Zeuge machte sich mit Verhalten verdächtig

Verdächtig machte sich der Nienburger auch mit seinem anschließenden Verhalten. „Ich habe mein Telefon genommen und Fotos gemacht. Ich habe gedacht, ich sehe sie nie wieder. Das ist das Letzte was ich von ihr sehe.“ Dann habe er die Polizeibeamtin angerufen.

Den Nachfragen des Gerichts war zu entnehmen, dass auch sein Verhalten vor dem Auffinden der Leiche ihn verdächtig gemacht habe. So habe er in der Wohnung seiner vermissten Tochter aufgeräumt, abgewaschen und gesaugt. Er habe die Katze versorgt und einfach Ordnung schaffen wollen, erklärte der 63-Jährige. Ob er nicht darüber nachgedacht habe, dass er damit Spuren vernichten könnte, wollte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk wissen. „Von was denn. Ich habe doch bis zu dem Samstagmorgen nicht angenommen, dass ihr etwas passiert ist.“

Im Zuge der Ermittlungen war es im Februar vergangenen Jahres bei dem 63-Jährigen zu einer Hausdurchsuchung gekommen. Die Staatsanwaltschaft Verden verkündete im April 2016 die Festnahme des Angeklagten Jörg N. Dessen DNA war an einem Stück Papier gesichert worden, das in Nähe des Leichenfundortes gefunden worden war.

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