Enttäuscht von der Gemeinde

Hilgermissen lehnt Vereinsantrag auf Finanzierung von Kränzen ab

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Heinrich Brockmann, Erich Clasen und Richard Voß (von links) spenden ihre von der Gemeinde erhaltenen Gutscheine den Vereinen für den Kauf von Kränzen zum Volkstrauertag.

Hilgermissen - Von Michael Wendt. Wenn elf Vereine bei der Gemeinde Hilgermissen gemeinsam einen Antrag stellen, heißt das nicht, dass ihm auch entsprochen wird. So hat der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss des Gemeinderats die gewünschte Kostenübernahme für vier Kränze zum Volkstrauertag (19. November) abgelehnt. Enttäuscht von dieser Entscheidung erklären drei Einwohner, ihre von der Gemeinde zum Geburtstag beziehungsweise Hochzeitstag erhaltenen Einkaufsgutscheine zu spenden.

Einer von ihnen ist der Wecholder Richard Voß. „Bis 1997 hat die Gemeinde die Kosten für alle fünf Kränze, die am Volkstrauertag in Wechold niedergelegt werden, übernommen“, sagt er. Dann habe es vom Bürgermeister geheißen, die Gemeinde hätte zunehmend weniger Geld, woraufhin sich die Vereine bereit erklärt hätten, die Kosten für vier der fünf Kränze zu übernehmen. Voß war damals Vorsitzender der Bürger- und Soldatenkameradschaft Wechold und hatte nun den Antrag an die Gemeinde gestellt.

Warum gibt es überhaupt fünf Kränze? Weil auf dem Wecholder Friedhof fünf Mahnmale stehen: Um das große für die Opfer des Ersten Weltkriegs gruppieren sich kleinere für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen aus Mehringen, Heesen, Schierholz, Fredelake, Hilgermissen, Ubbendorf und Wienbergen.

Anders als in den 90er-Jahren ist die Finanzlage der Gemeinde Hilgermissen heute ausgezeichnet. Sie bleibt aber dabei, nur einen Kranz in Wechold bezahlen zu wollen. Darüber hinaus legt sie Kränze an den weiteren Mahnmalen in Wienbergen, Hilgermissen, Eitzendorf und Magelsen nieder.

Alle Vereine schriftlich informiert

„Das Gedenken zum Volkstrauertag soll beibehalten werden“, betont Gemeindedirektor Wilfried Imgarten, „und die Gemeinde sagt, mit einem Kranz sei dem Genüge getan.“ Nichtöffentlich sei der Antrag behandelt worden, „weil der Verwaltungsausschuss für solche Anträge zuständig ist“. Alle Vereine seien schriftlich mit Begründung über die Ablehnung informiert worden.

Heinrich Brockmann aus Mehringen findet das Vorgehen schlecht. „Wenn so viele Vereine einen Antrag stellen, sollte man den Mut haben, das öffentlich zu behandeln, nicht im Verwaltungsausschuss, wo nur drei Ratsmitglieder stimmberechtigt sind“, fordert er.

Bürgermeister Johann Hustedt verteidigt die Entscheidung. „In Eitzendorf stehen um einen großen Stein auch fünf kleinere umzu. Dort legen wir auch nur einen Kranz nieder“, sagt er. Die Gemeinde gedenke mit den einzelnen Kränzen aller Gefallenen. Hustedt: „Die Entscheidung, den Antrag abzulehnen, wurde kontrovers diskutiert, fiel aber letztendlich einhellig.“

Richard Voß macht das wütend: „Wir haben es ja noch mitbekommen, wie im Krieg die Nachrichten in den Ort kamen: Vater gefallen, Sohn gefallen, zweiter Sohn gefallen …“ Der 80-Jährige schildert das Beispiel der Wecholder Geschwister Kranz, die an einem Tag erst die Meldung vom Tod ihres Vaters erhielten und dann ihre Mutter bei einem Fliegerangriff verloren. „Wenn diese Leute es nicht verdient haben, dass unter ihren Namen ein Kranz niedergelegt wird, dann wollen wir auch keine Gutscheine mehr von der Gemeinde“, sagt Richard Voß und spricht damit auch im Namen von Heinrich Brockmann und Erich Clasen (Schierholz). Alle Drei spenden ihre in diesem Jahr von der Gemeinde erhaltenen Gutscheinen mit einem Gesamtwert von 100 Euro den Vereinen für den Kauf von Kränzen. Ein Kranz kostet rund 80 Euro.

Quelle: kreiszeitung.de

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