Der Ziegeleisee in Hoya besteht seit 40 Jahren / Einst ein beliebtes Ausflugsziel für Angler

Vergessene Idylle

Von Grün umrandet ist der südliche Seitenarm des Ziegeleisees.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Zum Weser-Panorama auch noch den Seeblick: So viel schöne Aussichten genießen Touristen und Einheimische in Hoyas Süden. Den Ziegeleisee, gleich „achtern Diek“, entdeckt so mancher Besucher der grafenstädtischen Idylle erst auf den zweiten Blick. Jetzt wird das verzweigte Gewässer 40 Jahre alt. Als Bagger 1980 die frühere Tonkuhle um ein Vielfaches erweiterten, war der See erst einmal von einer Mondlandschaft aus grauschwarzer Erde umgeben. Inzwischen hat die Vegetation das Ihre getan. Und sind die per Wohnmobil Angereisten erst einmal vom Seeblick entzückt, so erfahren die Fischfreunde unter ihnen freudig staunend, dass sie nicht mal einen Schein brauchen, um Köder am Angelhaken auszuwerfen.

„Der Ziegeleisee ist Eigentum der Stadt Hoya“, sagt Heinrich Brockmann aus Mehringen, Ehrenmitglied des Anglervereins Nienburg-Weser. „Unser Verein ist für den See nicht zuständig.“ Als Zeitzeuge der ersten Stunde hat Brockmann die Entwicklung des ausgebaggerten Sees von Anfang an miterlebt. Zunächst hatten die Vereinsmitglieder vor, das entstehende Gewässer zu betreuen – vom Fischbesatz bis hin zur Uferpflege. Die Stadt, so erinnert sich Brockmann, habe jedoch Wert darauf gelegt, den Ziegeleisee für jeden zugänglich zu machen – ob zum Angeln, zum Baden und zum Bootfahren, oder einfach für geselligen Freizeitspaß am Ufer. Der See solle ein offenes Gewässer bleiben und sich selbst tragen.

„Wir haben uns dann zurückgezogen“, berichtet Heinrich Brockmann weiter. „So ist am Ziegeleisee das Angeln ohne jede Qualifikation erlaubt. Das Einhalten von Schonzeiten ist nicht zu kontrollieren.“ Heute, so Brockmann, sei es am See aber ruhiger geworden, was das Angeln betrifft. Vor Jahren habe es noch einen regelrechten Ansturm von wilden Anglern gegeben. Auch Menschen ohne Fischfangabsichten ließen sich gern an den mittlerweile begrünten Ufern nieder, und es gab oft nächtelange Lagerfeuerfeten mit basslastigen Discoklängen. Weil Wohngebiete an den Ziegeleisee grenzen, löste das nicht immer ungeteilte Freude aus. Indessen sorgten die Stadt mit Absperrungen und die Polizei mit gezielten Kontrollen für Ordnung und weitgehende Ruhe.

Entstanden ist der Ziegeleisee unter der Regie des in Syke ansässigen Mittelweserverbands. Dessen Geschäftsführer Peter Neumann: „Der See und der angrenzende ehemalige Meliorationshauptkanal sind keine Verbandsgewässer. Wir übernehmen für die Stadt Hoya lediglich Unterhaltungsaufgaben, weil wir über den dafür notwendigen Maschinenpark verfügen.“ Vor 40 Jahren herrschte für Bagger und andere Wasserbaumaschinen am südlichen Hoyaer Stadtrand Großeinsatz. Der Meliorationshauptkanal sollte bis zur Bücker Straße komplett zugeschüttet werden. Das geschah dann auch – mittels des Bodenaushubs vom Ziegeleisee. Unterdessen gab es eine Bürgerinitiative Hoya-Süd, bestehend aus Einwohnern des damaligen Wohngebiets „Korea“ südlich der Stettiner Straße, die sich über steigendes Grundwasser in den Kellern ihrer Häuser beklagten.

Der Kanal wurde zur Hälfte wieder geöffnet und mit zwei Fußgängerbrücken und einem Spazierweg am Ufer neu gestaltet. Ein Durchlass unter der Bücker Straße dient seitdem als Verbindung zum weiteren Verlauf des Kanals, und überdies wurde damals auch ein Verbindungsgraben vom Ziegeleisee zum Kanal geschaffen. Diese Maßnahme gewährleistete, dass der neue, alte Kanal in Bewegung bleibt und nicht zu einem stehenden Gewässer wurde.

„Wasserumschlungen“ hat gleich nebenan der Wassersportverein Hoya sein Domizil. Das Bootshaus des Vereins befindet sich auf einem Grundstück zwischen Weser und Ziegeleisee. Während im Bootshafen an der Weser die größeren Sportboote liegen, widmen sich die Kanuten auf dem Ziegeleisee den Anfängen des Wassersports. Jeden Mittwoch und jeden Freitag trainiert dort die Kanujugend unter der Aufsicht der Übungsleiter Kanusport, Eberhard Greis und Ute Hegenberg. Die jüngsten im Verein, die dort in Kajaks und Kanadiern das Paddeln lernen, sind drei Jahre alt.

„Das Üben auf dem See hat viele Vorteile“, sagt Rolf Evers, Vorsitzender des Wassersportvereins. „Erst einmal gibt es keine Strömung, und der See ist groß genug. Trotzdem sind die jungen Kanuten immer in Rufweite. Ein hervorragender Ort für den Unterricht der Kanujugend.“ Daran, dass sich das Wasser des Ziegeleisees manchmal gelbbraun färbt, sind die Wassersportler gewöhnt. Durch unterirdische Lehmschichten gebe es eine Verbindung vom See zur Weser, erklärt Rolf Evers. Wenn sich ein Druck, etwa durch Hochwasser, aufbaue, entstehe die Färbung des Seewassers – nichts Besorgniserregendes jedoch. Das bestätigt auch Mittelweserverbands-Geschäftsführer Peter Neumann und sagt: „Der Weserdeich ist nicht in Gefahr.“

Quelle: kreiszeitung.de

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