27-jähriger Angeklagter wird freigesprochen

Drogenabgabe war nicht zu beweisen

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Das Nienburger Amtsgericht muss einen mutmaßlichen Drogendealer laufen lassen. 

Nienburg - Von Andreas Wetzel. Vor dem Amtsgericht Nienburg wurde vergangene Woche gegen einen Mann aus Neustadt verhandelt. Der 27-Jährige soll von Dezember 2015 bis Mitte März 2016 in mehr als 50 Fällen Drogen an Minderjährige abgegeben haben.

Letztlich konnte das Gericht nicht eindeutig beweisen, zu welchem Zeitpunkt die Taten begangen worden sind, sodass der Angklagte freigesprochen wurde.

Der 27-jährige wohnte seinerzeit in Nienburg zusammen mit einem Freund in einer Wohngemeinschaft. In dieser hielten sich auch mehrere Jugendliche auf – vorwiegend Mädchen, die unterschiedlich lange in der Wohnung der beiden jungen Männer verweilten. In dieser Zeit sollen die beiden Männer Marihuana an die Jugendlichen abgegeben haben.

Als zwei der jungen Mädchen bei der Polizei als vermisst gemeldet wurden, suchte die Polizei einschlägig bekannte Plätze auf und traf die beiden Mädchen hinter dem Bahnhof in Nienburg an. Da sie zur Inobhutnahme ausgeschrieben waren, nahm die Polizei sie mit zur Dienststelle. Dort wurde bei den beiden damals 15-jährigen Mädchen ein Drogentest durchgeführt, der positiv verlief. Eine Befragung beider ergab, dass sie die Drogen von den beiden jungen Männern erhalten hätten, vorzugsweise vom Angeklagten.

Im Zuge der Ermittlungen wurden weitere Personen namhaft gemacht, die ebenfalls Marihuana erhalten haben sollen. Bei den gerichtlichen Zeugenvernehmungen stellten sich die Sachverhalte jedoch anders dar, als sie von der Polizei seinerzeit aufgenommen und von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht wurde. So wurde jetzt berichtet, dass die Drogenübergaben nicht in der Wohnung, sondern hinter dem Bahnhof stattgefunden hätten. Eine Übergabe in der Wohnung konnte durch die Zeugenvernehmungen nicht mehr bestätigt werden.

Das Schöffengericht kam zu der Überzeugung, dass dem Angeklagten ein konkreter Vorwurf, er habe Drogen an Minderjährige abgegeben und somit ein Verbrechen begangen, nicht nachgewiesen werden könne. Da sich auch die Tatzeiten nicht mehr genau eingrenzen ließen, wurde der Angeklagte freigesprochen.

Das Gericht stellte allerdings fest, dass bei dem Freispruch ein fader Beigeschmack vorhanden sei. In der Urteilsbegründung wurde zudem kritisiert, dass es sich die Ermittlungsbehörden verhältnismäßig einfach gemacht hätten, da sich die Anklage auf die Aussagen der beiden jungen Mädchen, bei denen der Drogentest durchgeführt wurde, aufgebaut habe und diese nach Aussagen der Polizeibeamten merklich unter Drogeneinfluss gestanden. Somit sei die seinerzeit getätigte Aussage nicht verwertbar. Auch weitere Ermittlungen hätten keine brauchbaren Ergebnisse geliefert, sodass das Gericht schließlich zum Freispruch kommen musste. Außerdem sei das Verfahren gegen den Mitbewohner eingestellt worden, gegen den Angeklagten aber nicht.

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