Täter ist jetzt gewichtiger Zeuge im Prozess zu Balge-Mord

Vier Jahre Haft wegen Menschenhandels

Das Landgericht in Verden.
+
Das Landgericht Verden verurteilte den Verkäufer des späteren Mordopfers am Freitag zu einer Freiheitsstrafe.

Das Landgericht Verden hat den „Verkäufer“ der im vergangenen Jahr in der Weser bei Balge ermordeten 19-Jährigen wegen Menschenhandels verurteilt. Vier Jahre und drei Monate Jugendstrafe bekam er.

  • Unterbringung in Entziehungsanstalt angeordnet
  • Wichtiger Zeuge im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mörder aus Nienburg
  • Späteres Mordopfer für 2000 Euro verkauft

Verden/Nienburg - von Wiebke Bruns. Der 21 Jahre alte „Verkäufer“, der im April 2020 in der Weser ertränkten 19-Jährigen, ist am Freitag am Landgericht Verden wegen Menschenhandels zu vier Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. Gleichzeitig wurde seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Da das Urteil wegen des Verzichts auf die Einlegung von Rechtsmitteln direkt rechtskräftig geworden ist, hat die Staatsanwaltschaft nun einen gewichtigen Zeugen in dem Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mörder aus Nienburg.

Verurteilter hat kein Recht mehr, die Aussage zu verweigern

Denn der 21-Jährige hat somit kein Recht mehr, die Aussage zu verweigern, und steht unter Wahrheitspflicht. Genauso wie der am Freitag wegen Beihilfe zum Menschenhandel verurteilte 26-Jährige aus Rethem. Dessen Tatbeitrag beschränkte sich einzig auf die Begleitung des 21-Jährigen zur Übergabe der 19-Jährigen am 6. April 2020 nachts in Nienburg an zwei der Angeklagten in dem Mordprozess.

„Angeklagten hatten mit der Tötung der Frau nichts zu tun“

Der Rethemer sei „mitmarschiert, um Präsenz zu zeigen und das Geschäft abzusichern“, hieß es in der Urteilsbegründung. Und der Vorsitzende Richter Lars Engelke betonte: „Mit der Tötung der Frau hatten unsere beiden Angeklagten nichts zu tun“. Der 21-Jährige habe das spätere Mordopfer auch „nicht an die Prostitution herangeführt“ oder gezwungen. Sein Part war die Vermittlung von Freiern und der Schutz der 19-Jährigen. Die Einnahmen sollten im Gegenzug geteilt werden. Die Einnahmen behielt er jedoch weitestgehend für sich. Er zahlte damit die Kosten, beispielsweise für eine Ferienwohnung in Wiesmoor, wo er und die 19-Jährige zuletzt wohnten und finanzierte damit seinen eigenen Drogenkonsum. Rasch habe er gemerkt, dass die aus Schöningen (Kreis Helmstedt) stammende 19-Jährige an „paranoider Schizophrenie“ erkrankt war und spätestens seit dem 24. März 2020 erheblich abbaute. Dass die „hochgradig psychotische Frau dringend ärztliche Hilfe benötigte“ sei „deutlich erkennbar“ gewesen.

„Wie kann man das Problem loswerden?“

Als es der 19-Jährigen in den folgenden Tagen immer schlechter ging, war der 21-Jährige von den Gedanken getrieben: „Was macht man mit der Frau? Wie kann man das Problem loswerden?“ Völlig klar sei den beiden am Freitag Verurteilten gewesen, dass sie die Frau „nicht in heilende Hände geben“, sondern dass sie vom Käufer „gezwungen, zumindest veranlasst wird, die Prostitution auszuüben“. Der Kaufpreis betrug 2000 Euro und dem 21-Jährigen wurden mehrere hundert Euro Drogenschulden erlassen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin und einem 53 Jahre alten Mann soll der „Käufer“ die 19-Jährige an eine Betonplatte gefesselt und im Weserkanal bei Balge (Kreis Nienburg) ertränkt haben. Am 28. April wurde die Leiche von Binnenschiffern entdeckt.

Geständnisse wurden hoch angerechnet

Hoch angerechnet wurden den Verurteilten ihre Geständnisse und die damit geleistete Aufklärungshilfe. Bevor sie ihren Verzicht auf Rechtsmittel erklärten, machte der Vorsitzende ihnen deutlich, dass er und die Kammer auf Aussagen in dem Mordprozess hoffen. „Das gehört zur aufrichten Reue dazu“, betonte Engelke.

Der 21-Jährige soll schnellstmöglich aus der Untersuchungshaft in die Therapie wechseln. Die Zeit dort wird, genauso wie die fast achtmonatige Untersuchungshaft, auf die Strafe angerechnet. Führt er sich dort gut und schließt die Therapie erfolgreich ab, kann er damit rechnen, dass die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Bei solchen Therapien wird in der Regel mit zwei Jahren Dauer gerechnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Fußball

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB
Genuss

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch
Mehr Sport

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain
Boulevard

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz steigt stark an

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz steigt stark an

Nienburgs Neujahrsbaby ist ein Junge

Nienburgs Neujahrsbaby ist ein Junge

Weserbrücke in Nienburg: Neubau konkretisiert sich

Weserbrücke in Nienburg: Neubau konkretisiert sich

Fall Elke Kerll: Ermittler vernehmen Zeugen im Ausland

Fall Elke Kerll: Ermittler vernehmen Zeugen im Ausland

Kommentare